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Räuberische Erpressung in Werdohl? Zeugenaussage lässt die Anklage bröckeln

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Von: Thomas Krumm

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Justitia
Eine große Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen beschäftigt sich mit dem Fall. © Arne Dedert/dpa/Symbolbild

Eine Große Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen hat gegen drei jungen Männer im Alter von 22 und 21 Jahren verhandelt.

Werdohl/Plettenberg – Normalerweise würde die gefährliche Körperverletzung, die drei Angeklagten aus Werdohl und Plettenberg vorgeworfen wird, im Amtsgericht Altena verhandelt. Doch dem Opfer der Attacke kamen am Tattag, dem 30. Mai 2021, auch 300 Euro aus seinem Portmonee abhanden. Eine gefährliche Körperverletzung und die Wegnahme von 300 Euro würden aus dem Geschehen eine besonders schwere räuberische Erpressung machen.

Zeugenaussage lässt die Anklage bröckeln

Wegen des dafür drohenden Strafmaßes muss nun eine Große Jugendstrafkammer des Landgerichts Hagen gegen die drei jungen Männer im Alter von 22 und 21 Jahren verhandeln, die zum Tatzeitpunkt alle erst 20 Jahre alt waren. Schon in einem internen Rechtsgespräch zwischen der Kammer, dem Staatsanwalt und den Verteidigern machten der Vertreter der Anklage und die Richter deutlich, dass sie „keine Sanktionen, die den Angeklagten den weiteren Lebensweg verbauen würden“, für angezeigt halten. Und die anschließenden Einlassungen der Angeklagten und die Aussage des Hauptbelastungszeugen ließen die Anklage weiter bröckeln.

Geld könnte auch unter anderen Umständen verschwunden sein

Diese ging davon aus, dass die Angeklagten den heute 24-jährigen Zeugen am Birkenweg in Werdohl umzingelt und mit Baseballschlägern auf ihn eingeschlagen haben. Das Opfer soll das Bewusstsein verloren haben. Mit einer blutenden Platzwunde am Hinterkopf und einer Gehirnerschütterung soll es im Klinikum Lüdenscheid stationär behandelt worden sein. Die Angeklagten sollen seine Ohnmacht ausgenutzt haben, um 300 Euro aus seinem Portmonee zu entnehmen. Diese Annahme beruht allerdings auf einem Rückschluss: Das mutmaßlich vorhandene Geld war nicht mehr da, und für den Zeugen war es am Tag darauf naheliegend, dass es in dieser Nacht verschwunden war. Vor Gericht wurde allerdings deutlich, dass es weitere Möglichkeiten gibt, wo das Geld aus dem Portmonee unter Umständen geblieben sein könnte.

Keine Rede von geplanter Anschaffung

Der Zeuge untergrub seine Glaubwürdigkeit weiterhin auch dadurch, dass er bei der Polizei und vor Gericht unvollständige Angaben über die Herkunft und den Zweck des Geldes machte. Das Geld sei die erste Rate für ein E-Bike gewesen, erklärte er vor Gericht. Bei der Polizei hatte er nur zu Protokoll gegeben, dass ihm ein Kollege das Geld zurückgegeben habe, das er ihm geliehen hatte. Es war keine Rede von einer geplanten Anschaffung.

Noch mehr nagten an der Glaubwürdigkeit des Zeugen allerdings unterschiedliche Angaben über die angebliche Bewaffnung der Angeklagten.

Der Zeuge wollte Baseballschläger gesehen haben. Einer der Angeklagten gab zu, dass er dem Zeugen mit einem „Stock“ in die Rippen geschlagen habe. Ansonsten bestritten die Angeklagten die Bewaffnung. Einer von ihnen habe auch eine Schusswaffe dabei gehabt, behauptete der Zeuge.

Zeuge will Schusswaffe gesehen haben

„Wo kommt jetzt die Schusswaffe her?“, wunderte sich der Vorsitzende Richter Christian Potthast. Er blätterte in mehreren Aussagen des Zeugen bei der Polizei: „Von einer Schusswaffe ist nicht die Rede.“

Der Richter fasste den wenig überzeugenden Eindruck des Zeugen zusammen: „So ganz vermag ich die Geschichte nicht zu glauben, die Sie uns hier auftischen.“

Zur beschädigten Glaubwürdigkeit des Zeugen trug auch bei, dass dieser am Tag zuvor offenbar einen der Angeklagten in dessen Wohnung aufgesucht und mit einer Gaspistole auf seinen Kopf eingeschlagen hatte. Hintergrund war eine Geldforderung über 650 Euro, die der Hauptbelastungszeuge von dem Angeklagten eintreiben wollte.

Da der Zeuge sich vor Gericht nicht selber belasten muss, berief er sich in dieser Sache auf sein Aussageverweigerungsrecht.

Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.

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