Spaßvogel Grosche sinniert über Abstand und Nähe

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Erwin Grosche stieg am Sonntagabend fulminant in sein Programm ein.

Werdohl - Man nehme: Einen kräftigen Hauch Dada, viel Sprachwitz, eine Legion von ungewöhnlichen Musikinstrumenten und eine ordentliche Portion von jenem Humor, der einst auch Heinz Erhardt auszeichnete.

Dieses Rezept wäre nahe dran am Spaßvogel Erwin Grosche und doch daneben. Denn er selbst ist Teil seiner Inszenierung, die davon lebt, dass dieser Mann aus dem Paderborner Land sein Publikum auf eine bezaubernde Art und Weise anrührt. Sein Humor ist dabei ein sehr spezieller – eben echt Erwin Grosche. Die Werdohler konnten ihn bereits zweimal im alten Kulturforum an der Goethestraße erleben – nun war auch das Kleine Kulturforum im Bahnhof ausverkauft, als er am Sonntag sein neues Programm „Der Abstandhalter“ präsentierte.

Zum Thema wurde der Ort, als der Gast sich kolossal überrascht über das Getöse eines vorbeirauschenden Zuges zeigte. Auch auf der Anreise hatte sich der Gast schon umgesehen: „Wir haben bei uns in der Nähe von Paderborn auch noch Kühe auf der Weide.“ Nach einem fulminanten Start mit Perkussion auf Metallzylinder und einem seinem Klassiker, der Verwandlung seiner selbst in Gerste, Roggen, Hafer und Weizen, machte er sich Sorgen: „Welch ein Anfang – es ist vielleicht nicht gut, mit den besten Nummern anzufangen.“ Das Publikum sorgte sich nicht ernsthaft um den weiteren Verlauf des Abends und hörte einen guten Grund für den fulminanten Start: „Der erste Eindruck ist wichtig.“

Erwin Grosche huldigt der Nivea-Dose.

Das gelte auch für Beziehungen zwischen Mann und Frau: Sollte es tatsächlich funken, solle man unverzüglich heiraten, empfahl Erwin Grosche: „Besser wird’s nicht mehr.“ Und dann folgten weitere tiefe Einsichten in Natur und Wirklichkeit menschlicher Beziehungen: „Es geht heute nicht nur um Abstand, sondern auch um Nähe.“ Doch eine Weisheit des chinesischen Philosophen Laotse machte deutlich, dass das alles nicht so einfach ist: Wer einen Tag lang glücklich sein will, der betrinke sich, wer einen Monat lang glücklich sein will, schlachte ein Schwein und esse es auf. Eine Heirat ist immerhin schon für ein Jahr Glück gut – lebenslanges Glück verschafft aber nur ein Garten.

Auch Erwin Grosches Blick auf die Gemeinsamkeiten von Mann und Frau blieb skeptisch: „Bleib mit fern, bleibst du mir fern, hab ich dich gern“, sang der Barde und lobte die Printmedien: „Dafür hat man doch eine Zeitung – dass man seiner Frau morgens nicht in die Augen schauen muss. Doch trotz aller Skepsis kam auch die Romantik nicht zu kurz: „Du bist nicht allein, wenn du träumst heute Abend“, sang auch das dazu eingeladene Publikum.

Noch mehr Tiefgang bekam das Programm, als Erwin Grosche seine Peter-Sloterdijk- und C.G.-Jung-Entspannungstasche packte und ihre Anwendung demonstrierte. Derart vorbereitet wurde das Publikum sogar mit dem Exkurs über die allerletzten Dinge fertig: „Auch die Hölle kann man sich schön gestalten – mit Phantasie und Gottvertrauen.“ Und so war es letztlich kaum möglich, diesem Programm ohne tiefe Heiterkeit der Seele zu entsteigen. Hoffentlich kommt dieser wunderbare Spaßvogel irgendwann mal wieder nach Werdohl.

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