GroKo-Sondierungen: Was sagt die politische Basis in Werdohl dazu?

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Martin Schulz, Vorsitzender der SPD, kommt am Montag zur Fortsetzung der Sondierungsgespräche zwischen SPD, CDU und CSU im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin.

Werdohl - Seit Sonntag laufen die Gespräche zwischen CDU/CSU und SPD über eine Fortsetzung der Großen Koalition auf Bundesebene. Wie diese Gespräche an der Basis gesehen und die Erfolgsaussichten mittlerweile mehr als 100 Tage nach der Wahl beurteilt werden, erfragte unsere Zeitung.

Detlef Seidel, Vorsitzender der CDU-Ortsunion, und Udo Böhme, erster Mann im Werdohler SPD-Ortsverein, geben dazu ihre Einschätzung ab.

„Ich bedauere, dass es mit Jamaika nicht geklappt hat, denn diese Konstellation wäre sicherlich interessant geworden. Jetzt muss dringend eine andere Lösung her, die politische Stabilität garantiert“, sagt Seidel. Die Große Koalition sei zwar in der Bevölkerung nicht unbedingt beliebt, allerdings habe in der Vergangenheit einiges durchaus gut funktioniert. 

„Wir haben eine niedrige Arbeitslosenzahl und die Wirtschaft brummt“, sagt Seidel, der Hoffnung hat, dass sich die beiden Volksparteien einigen können: „Die CDU hat seit der Wahl eigentlich nie eine Hehl daraus gemacht, die Große Koalition fortsetzen zu wollen. Jetzt ist es wichtig, dass die SPD nicht schon mit vorgefertigten Ergebnissen in die Gespräche geht. Denn Politik besteht für mich immer aus Kompromissen – und zwar für beide Seiten.“ Sollte es nichts mit einer GroKo werden, ist für Seidel eine CDU-Minderheitsregierung bis zu vorgezogenen Neuwahlen denkbar. 

SPD-Basis ist gespalten 

„Unser Ortsverein bildet die gesamte Palette ab. Von extremer Ablehnung einer GroKo bis hin zum Regierungsauftrag aus Verantwortungsbewusstsein sind unter den Mitgliedern alle Meinungen vertreten“, sagt Udo Böhme für die SPD. Der Ortsvereins-Vorsitzende selbst ist kein Freund der Großen Koalition: „Aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit. Die Unterschiede zwischen den Parteien verschwimmen dabei zu stark. Auch die Opposition findet mir dann zu wenig Gehör. Deshalb kann man eine Große Koalition mal machen. Irgendwann muss dann aber auch wieder Schluss sein.“ 

Böhme „befürchtet“ allerdings, dass sich die Verhandlungspartner einigen werden. Ob eine mögliche GroKo jedoch auch auf dem SPD-Parteitag und bei einem Referendum unter den Parteimitgliedern Bestand haben wird, wagt Böhme noch nicht zu sagen: „Nach dem aktuellen Meinungsbild, müsste noch ganz viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.“ 

Dass seine Partei das Verhandlungsergebnis noch einmal von der Basis legitimieren lassen möchte, ist für Böhme der richtige Weg: „Gewählt haben die Menschen eine Partei, nicht aber eine Koalition, deshalb muss die Basis in jedem Fall befragt werden.“

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