Größter Förderbedarf in Werdohl

WERDOHL ▪ Der Förderbedarf von Drei- bis Vierjährigen ist kreisweit in Werdohl am höchsten. Das zeigt das am Donnerstag von der Kreisverwaltung veröffentlichte Zwischenergebnis der Sprachstandsfeststellung „Delfin 4“.

Weit mehr als die Hälfte der Werdohler Kinder haben demnach einen Förderbedarf. Der Integrationsbeauftragte der Stadt, Uwe Wiederspahn, sieht dennoch eine positive Tendenz.

Insgesamt 162 Mädchen und Jungen, die in zwei Jahren eingeschult werden, haben in Werdohl das Feststellungsverfahren durchlaufen. 69 Kinder müssen demnach nicht weiter gefördert werden, 93 hingegen weisen einen Sprachförderbedarf auf. Dies sind 57,4 Prozent. Werdohl ist die einzige Stadt im Kreis, bei der die Zahl der Kinder mit Förderbedarf die ohne Bedarf übertreffen. In Neuenrade haben 69 Kinder keinen Förderbedarf, 35 hingegen weisen einen auf. In Balve gibt es laut der Auflistung 54 Kinder ohne Förderbedarf, nur sechs mit.

Dass Werdohl im Kreisvergleich so schlecht abschneidet, führt Uwe Wiederspahn von WIP el ele vor allem auf die Bevölkerungsstruktur zurück – den hohen Anteil von Bürgern mit Migrationshintergrund. „Viele Eltern können ihre Kinder nicht so unterstützen.“ So gebe es viele Migrantenfamilien, in denen nicht zweisprachig erzogen werde. „Das wirkt sich auf die Erhebung negativ aus.“

Das Problem sei erkannt, die ergriffenen Maßnahmen würden aber nicht von heute auf morgen fruchten, verweist Wiederspahn unter anderem auf ein „Sprachförderkonzept Werdohl“ oder auch auf das „Integrationsmonitoring der Stadt Werdohl“. Erst im Jahr 2015 sei eine Bewertung möglich. „Die Maßnahmen wirken mittel- und langfristig.“

Daher verwundern den Integrationsbeauftragten die neuen Zahlen nicht. Gemeinsam mit dem Jugendamt werde versucht gegenzusteuern. Als schwierig erweise sich nach wie vor das Elternhaus. „Fakt ist, dass türkischstämmige Eltern schwer zu erreichen sind.“ Mittlerweile setzen die Verantwortlichen hier auf Mund-zu-Mund-Propaganda. Von Handzetteln als Mittel der Kommunikation habe man sich verabschiedet.

Trotz des hohen Förderbedarfs, der auch in diesem Jahr festgestellt wurde, erkennt Wiederspahn im Vergleich zu den Vorjahren eine positive Tendenz. „Ich gehe von einer Besserung aus.“ Hoffnung schöpft er auch aus der Tatsache, dass nach den 2002 unternommenen Anstrengungen, türkischstämmige Kinder in die Kitas zu lotsen, es danach einen Ansturm auf die Einrichtung gegeben hätte. „Hier ist dann eine Förderung möglich.“ ▪ Marco Fraune

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