Greenpeace spricht von „Tod aus dem Schlot“

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Das Steinkohlekraftwerk Elverlingsen der Mark-E wird von Greenpeace auf Platz 31 einer Liste der 67 größten Kohlekraftwerke gesetzt, aufgrund deren Schadstoffausstoßes eine bestimmte Zahl von Todesfälle berechnet wurden.

WERDOHL - Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat in einer Studie namens „Tod aus dem Schlot“ für alle deutschen Kohlekraftwerke ein Ranking aufgestellt, in der der Schadstoffausstoß auf fiktive Todesfälle pro Jahr umgerechnet wird.

Bei den 67 größten Kohlekraftwerken Deutschlands landet das Kraftwerk Elverlingsen der Mark-E auf Platz 31. Umgerechnet 26 Menschen würden pro Jahr an der Luftbelastung sterben. Mark-E-Sprecher Andreas Köster hält die Studie für einen „sehr populistischen Ansatz“ und das Berechnungsmodell für „wenig transparent“.

Um die gesundheitlichen Auswirkungen von Kohlekraftwerken zu untersuchen, habe Greenpeace bei der Universität Stuttgart eine Studie in Auftrag gegeben. Diese Studie untersuche die gesundheitlichen Auswirkungen der 67 größten Braun- und Steinkohlekraftwerke. Greenpeace schreibt: „Die Studie berechnet durch eine Modellierung der Schadstoffverbreitung in der Atmosphäre, dass die Emissionen deutscher Kohlekraftwerke jedes Jahr zum vorzeitigen Tod von ungefähr 3100 Menschen führen.“ Dies sei gleichbedeutend mit einem Verlust von 33 000 Lebensjahren. Außerdem stelle die Studie dar, dass im Jahre 2010 etwa 700 000 Arbeitstage aufgrund von Krankheiten verloren gegangen seien, die auf Schadstoffe aus Kohlekraftwerken zurückzuführen seien.

Das Kraftwerk Elverlingsen soll nach der Greenpeace-Berechnung für 26 Todesfälle verantwortlich sein, das seien 283 verlorene Lebensjahre und 5993 verlorene Arbeitstage. An der Spitze des Rankings steht das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde mit fiktiven 373 Todesfällen.

Die Bemessungsgrundlagen hat Greenpeace vom Umweltbundesamt. Danach seien im Jahr 2010 genau 974 Tonnen Schwefeldioxid und 1480 Tonnen Stickoxid ausgestoßen worden. Für den Feinstaub-Wert gibt es keine Angabe.

Gleich hier setzt eine Kritik von Mark-E-Pressesprecher Andreas Köster an der Greenpeace-Studie an. Mark-E veröffentliche seine Feinstaubwerte freiwillig und regelmäßig. Die gesamten Werte für Elverlingsen von Staub und Feinstaub lägen deutlich unter dem Schwellenwert von Feinstaub allein. Das Umweltbundesamt würde diese Daten gar nicht erst angeben, weil sie unter dem Schwellenwert lägen.

Köster äußert noch weitere Kritik an der Studie. Der Mark-E sei nicht ersichtlich, wie die Umrechnung von Emissionen in Tote vonstatten ginge. Die Berechnungsmethode sei „indifferent“ und „wenig transparent“. Die Kohlekraftwerke seien europaweit für nur vier bis sechs Prozent des gesamten Feinstaubausstoßes verantwortlich. Von daher müsse die Greenpeace-Studie vor allem die Landwirtschaft und die Autofahrer anprangern. Köster: „Argumentiert man im Sinne dieser Studie, wäre jeder Landwirt oder jeder Autofahrer gleichzeitig für soundsoviel Tote pro Jahr verantwortlich.“ Köster: „Die Studie nur auf Kohlekraftwerke herunterzubrechen und alles andere auszublenden ist nicht der richtige Weg.“ Das politische Ziel, Kohlekraftwerke abzuschalten und den Neubau zu verhindern, sei für ihn legitim. Die Studie aber verfolge einen „sehr populistischen Ansatz“, der „nicht hilfreich“ sei.

Auch die Greenpeace-Schlussfolgerung, der Schadstoffausstoß belaste vor allem die unmittelbaren Anwohner, sei so nicht richtig. Schließlich müssten die Kraftwerksbetreiber ihre Schlote deswegen so hoch bauen, damit eine bessere Durchmischung in den höheren Luftschichten erreicht werde. Köster: „Feinstaub direkt aus dem Autoauspuff einzuatmen ist sicher schädlicher als in der Nähe von Elverlingsen zu wohnen.“ Mark-E setzte alles daran, den Schadstoffausstoß so gering wie möglich zu halten. „Unsere Reinigungsvorrichtungen sind sehr, sehr gut.“

Von Volker Heyn

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