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„Green library“: So wird die Werdohler Bücherei auf „grün“ gedreht

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Von: Volker Heyn

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Katharina Bode blickt auf das eigentlich ausrangierte Büchereiregal, in dem zukünftig nicht nur Bücher und Spiele, sondern auch Dekoartikel, Haushaltswaren oder noch verpackte und haltbare Lebensmittel mitgenommen oder gegen etwas anderes getauscht werden können.
Katharina Bode blickt auf das eigentlich ausrangierte Büchereiregal, in dem zukünftig nicht nur Bücher und Spiele, sondern auch Dekoartikel, Haushaltswaren oder noch verpackte und haltbare Lebensmittel mitgenommen oder gegen etwas anderes getauscht werden können. © Heyn, Volker

„Wir waren überrascht zu erfahren, dass es das noch nie gab in Werdohl.“ Umso mehr Grund gab es jetzt für Bücherei-Leiterin Katharina Bode, in der Bibliothek eine Tausch-Bar für überzählige Dinge einzurichten.

Seit Ende vergangener Woche kann jeder – ganz ohne Leseausweis – in die Bücherei spazieren und sich an dem Regal bedienen.

Seit ihrem Dienstantritt vor knapp drei Jahren ist Bode dabei, die Bücherei in den Themen Nachhaltigkeit und Digitalisierung nach vorn zu bringen. In Großstädten werde der Gedanke der „green library“, der „grünen Bibliothek“, ziemlich konsequent durchgezogen. In kleineren Einrichtungen wie in Werdohl sind Menschen wie Bode noch auf dem Weg, die Arbeit in diese Richtung zu lenken.

Themen nicht von oben herab durchsetzen

Es bringe nichts, ökologische und nachhaltige Themen von oben herab durchzusetzen. Mit der Werdohler Klimaschutzmanagerin Maike Majewski ist Bode der Überzeugung, Schritte in Richtung Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung so zu setzen, dass sie in einer Kleinstadt wie Werdohl auch mitgegangen werden können.

Ausleihen an sich sei schon eine nachhaltige Grundidee, der jede Stadtbücherei seit Jahrzehnten folge. Schon lange ist es deshalb in der Bücherei möglich, gebrauchte Taschenbücher aus der „Minithek“ zu nehmen und vielleicht ein eigenes Exemplar hinzuzustellen. Dieses Regal ist nicht etwa symbolisch grün lackiert, sondern stammt aus den ausgemusterten Beständen der alten Bücherei am vorigen Ort.

Neu ist jetzt, dass auch zuviel gekaufte Shampooflaschen, nicht mehr gebrauchtes Dekomaterial oder ungeöffnete Tiernahrung zum Tauschen ins Regal der „TauschBar“ gestellt werden kann. Noch ist das Regal spärlich mit nur wenigen Sachen bestückt, doch das soll sich ändern.

Auch Bücherein sollen sozial und nachhaltig werden

Sozial und nachhaltig sind die Themen der Agenda 2030 auch für die Büchereien. Die Gesellschaft sozialer zu machen, ist ein Anliegen, das auch mit kleinen Mitteln umgesetzt werden könne. So ist zum Beispiel die Benutzung der Toiletten und Waschgelegenheiten in der Stadtbücherei kostenlos. Eine Kundin komme regelmäßig, weil sie sich auf der öffentlichen Toilette am „Platz zur alten Post“ nicht wirklich wohl und sicher fühle. Zu Markt-Zeiten werden WC und Handwaschbecken so auch von Büchereifremden genutzt.

Sami ist ein elektronischer Lesebär, mit dem sich Kinder Texte aus eingesteckten Büchern vorlesen lassen können. Die digitalen Geräte können ausgeliehen werden.
Sami ist ein elektronischer Lesebär, mit dem sich Kinder Texte aus eingesteckten Büchern vorlesen lassen können. Die digitalen Geräte können ausgeliehen werden. © Heyn, Volker

Die Stadtbücherei als ein Raum öffentlicher sozialer Begegnung, als so genannter „dritter Ort“ zwischen dem Zuhause, der Schule oder dem Arbeitsplatz – dieses Konzept wird schon seit Jahren verfolgt. Kinder und Jugendliche, aber auch Studierende oder wissbegierige Erwachsene kommen in die Bücherei, um im Internet zum Lernen zu recherchieren oder um digitale Dienstleistungen in Internet zu nutzen. In Skandinavien und den USA sei man schon viel weiter mit sozialen Angeboten von Bibliotheken, die über den reinen Bücherverleih hinaus gingen.

„Bibliothek der Dinge“ als nächster Schritt

Der nächste Schritt wäre eigentlich eine „Bibliothek der Dinge“, sagt Bode. Tauschen und leihen sei jedenfalls nachhaltiger als kaufen und wegwerfen. Auch dafür gibt es schon fertige Konzepte, die in großstädtischen Bibliotheken umgesetzt werden. Praktisches Beispiel: In der Bücherei können Interessierte lernen, wie man kreativ mit einer Nähmaschine umgeht oder wie man ein Loch bohrt, um etwas daran aufzuhängen. In einem realen Nähkurs oder einer virtuellen Bohrmaschinenanleitung in der Bücherei könnten solche Fähigkeiten erlernt werden. Praktischerweise leiht die Bücherei die Nähmaschine oder die Bohrmaschine auch noch aus. Dafür gibt es sogar schon ein Konzept namens „Makerspace“, ein Raum zum Ausprobieren und zum Machen. Bode hat wirklich jede Menge solcher Ideen, die Bücherei digitaler, nachhaltiger und sozialer – also irgendwie „grüner“ – zu machen.

Die Corona-Pandemie hat zumindest die sozialen Komponenten dieser grünen Umwandlung ausgebremst, während die digitalen Angebote stark ausgeweitet werden konnten. Nur die ersten neun Monate ihrer Dienstzeit in Werdohl waren coronafrei, danach gab es bis heute Einschränkungen. Bode und ihr Team wollen aber weiter an den Veränderungen arbeiten. „Man muss die Angebote auf die Ecke zuschneiden, in der man gerade ist“, formuliert Bode einen gewissen Pragmatismus. Sie kennt Land und Leute: „Vieles wird länger dauern, bis es sich durchsetzt.“

Corona bringt viele digitale Formate hervor

Die Corona-Pandemie habe viele digitale Formate hervorgebracht, interessant seien gerade hybride Konzepte mit Kindern in Präsenz in der Bücherei und Zuhause am Tablet. Katharina Bode freut sich jedenfalls auf ein Ende der Einschränkungen für den persönlichen Besuch in ihrer Stadtbücherei.

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