Grand City zweitgrößter Vermieter in Werdohl

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Landesweit hat sich die Grand City Wohnungsbestände wie diese an der Werdohler Iserschmittstraße zusammengekauft. Meist sind es Immobilien mit Sanierungsbedarf. Die Mieterbetreuung für ganz Nordrhein-Westfalen wird von Dortmund aus angeboten.

Werdohl - Mit der Grand City Properties ist innerhalb eines Jahres der zweitgrößte Vermieter in Werdohl entstanden. Die Investoren aus Berlin verwalten hier 820 Wohnungen über ganz Werdohl verteilt. Auf Platz eins liegt die Werdohler Wohnungsgesellschaft mit genau 1348 Wohneinheiten. Mit weitem Abstand dahinter folgt die Düsseldorfer LEG mit 128 Wohnungen. Weitere größere Gesellschaften oder Anbieter gibt es nicht, die meisten sind privat mit kleineren Beständen. Der Mietwohnungsmarkt Werdohl hat sich durch das Auftreten der Grand City stark verändert.

Beim Verkauf der Werdohler Wohnungen der Altenaer Baugesellschaft wurde Stillschweigen über den Käufer vereinbart. Dass es die Grand City ist, wurde den Mietern auch erst durch eigene Erkundungen klar. Eigentümerin ist auf dem Papier die Alemory 84. Grundstücksgesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Grand City. Während die Werdohler Wohnungsgesellschaft als transparente und kommunal gebundene Aktiengesellschaft agiert, ist von der Grand City nur wenig zu erfahren. Eine detaillierte Anfrage zu der Übernahme in Werdohl wurde durch eine Pressesprecherin verallgemeinernd beantwortet, die Bitte um einen kompetenten Gesprächspartner bei der GCP ignoriert.

So heißt es aus Berlin: „Die Objekte in Werdohl bieten großes Potential. Wir planen ein langfristiges Engagement an den Standorten in Werdohl. Jedoch müssen bei den Investitionen die individuellen Bedürfnisse der Gebäude berücksichtigt werden. Ganz allgemein beinhalten unsere Maßnahmen unter anderem Investitionen in die Gebäude, die Renovierung von Wohnungen, Spielplätze, Feste für unsere Mieter.“

Den Mietern werde ein „persönlicher und professionellen Service“ geboten. Die Grand City habe vor Ort eine Mietersprechstunde eingerichtet. Weiter heißt es: „Diese findet einmal wöchentlich statt und dieses Angebot wird von den Mietern sehr gut angenommen.“ Die Mietbetreuung erfolge in erster Linie durch das Dortmunder Service-Center, es sei telefonisch rund um die Uhr zu erreichen. Zudem gebe es eine Service-App.

Ingo Wöste von der Woge stellt folgenden Vergleich an: „Wir sind für 1350 Wohnungen mit 17 Woge-Mitarbeitern direkt in der Stadt, die Wege zu unseren Mietern sind kurz. Wir kennen uns.“ Die Grand City habe für ihre 820 Wohnungen keinen einzigen Mitarbeiter in der Stadt. Sogar die LEG ist näher dran: Für deren 128 Wohnungen in Werdohl liegt die nächste Servicestelle in Iserlohn, hier sind auch Mitarbeiter persönlich in Werdohl bekannt.

Nach Unternehmensangaben will sich die Grand City Gruppe mit Sitz in Luxemburg die „positive Entwicklung auf dem deutschen Immobilienmarkt“ zu Nutze machen. Vorn auf der Internetseite des Unternehmens werden Wohnungsangebote präsentiert und 100-Euro-Gutscheine von Obi oder Ikea versprochen, in den Tiefen der Internetseite finden sich dann aussagekräftigere Informationen. So werden in erster Linie Gewinnmaximierung und Befriedigung von Aktionärsinteressen genannt. Es sollen „nennenswerte Aufwertungen“ der „unterbewerteten Immobilien“ realisiert werden, um „nachhaltige Profite“ zu erwirtschaften und das „Aktionärsvermögen zu verbessern.“ Die Grand City ist seit einem Jahr in Werdohl vertreten, es gibt bislang keine einzige „nennenswerte Aufwertung“.

Geschäftsführer der Grand City ist Christian Windfuhr, der vorher die Hotelkette Mövenpick in die Gewinnzone geführt hatte. Die Grand City S.A. wurde 2004 gegründet, trat aber erst ab 2012 groß auf dem deutschen Markt in Erscheinung. Vor gut zwei Jahren gründete sich die Grand City Gruppe in ihrer aktuellen Struktur und kann seitdem mit großen Zuwachszahlen agieren. November 2014 war der Nettogewinn gegenüber dem Vorjahr um 27 Prozent auf 174 Millionen Euro gestiegen, Miet- und Betriebseinnahmen stiegen um 135 Prozent – und das damals bei gerade einmal insgesamt nur 43 000 Wohneinheiten in Deutschland. Seitdem wird weiter zugekauft, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Größere Verkäufe wurden bislang nicht realisiert, sind aber laut Geschäftsmodell auch erst in Jahren zu erwarten

In Werdohl gibt es keine Erfahrungen mit der GCP. Klaus Helms vom Mieterverein Lennetal kann aus seiner Beratungstätigkeit keine Unterschiede zwischen Mietern von kommunalen Baugesellschaften oder Investorengesellschaften erkennen. Generell wollten die meisten Mieter langfristig in ihren Wohnungen bleiben und hätten deshalb eine gewisse „Trägheit“. Ein Umzug zum Beispiel sei bei eher finanzschwachen Klientel eine teure Sache. Helms: „Bei Hartz-IV-Beziehern muss auch die Arge zum Umzug zustimmen.“

Gesellschaften wie die Grand City machen diese natürliche Trägheit der Mieter zum Geschäftsmodell. Hartz-IV-Bezieher sind sehr sichere Kunden, die Miete kommt über die Arge. Dass die Mieter mit der GCP unzufrieden sind, hat auch Ingo Wöste nicht bemerkt: „Wenn es so wäre, müssten enttäuschte Mieter massenhaft zu uns kommen. Das kann ich aber nicht feststellen.“

Von Volker Heyn

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