Infernalischer Krach bei Go-Music-Show im Alt Werdohl

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Roni Lee

Werdohl - Alles andere als einen ruhigen Abend hatten die Besucher der Go-Music-Show am Freitagabend in der Musikkneipe Alt Werdohl. Das störte sie aber gar nicht. Kein Wunder: Die vier Musiker auf Bühne gaben alles und brillierten mit bisher ungehörten Versionen altbekannter Hits.

Nachdem Go-Music-Initiator Martin Engelien zu Beginn des Konzertes die E-Gitarristin und Sängerin Roni Lee aus Los Angeles vorgestellt hatte, schlug die Songschreiberin der Band The Runaways (mit Joan Jett) mit Brachialgewalt die sechs Saiten ihres Instrumentes an. Lee ließ den Akkord zunächst ausklingen. Dann ließ sie ein Hardrock-Gewitter vom Stapel und sang dazu den Soul-Klassiker „Chain of Fools“, den Aretha Franklin 1967 zum Welterfolg gemacht hatte. Es entstand infernalischer Krach der edelsten Sorte.

Dieser Höllenlärm bereitete dem Publikum umgehend größtes Vergnügen. Die Zuschauer waren gleich vom Start weg auf Betriebstemperatur. Ähnlich ging es den Akteuren auf der Bühne. Schon beim zweiten Song des Abends hüpften sie wie Flummibälle herum und alberten miteinander. Nach dem Auftakt von Lee wollte auch der ebenfalls aus den USA, aber inzwischen seit mehr als 30 Jahren in Norwegen beheimatete Gil Edwards seiner Kollegin nicht nachstehen.

Obwohl sonst eher der Mann der ruhigen Töne, rotzte er nun „You Keep me Hanging on“ – 1966 ein Erfolg für The Supremes – heraus. Wehe, wenn er losgelassen: Edwards klang, als würde er sich um den Posten am Mikrofon der Rhythm-‘n’-Blues-Altstars Aerosmith bewerben, wie er da einen alten Soul-Standard in die düster-dröhnende Schwärze hinüber zog.

In der Pause verrriet Edwards: „Ich bin mit Roni Lee aufgewachsen, habe sie aber nun seit mehr als 40 Jahren nicht mehr gesehen.“ Der Sympath strahlte übers ganze Gesicht und sagte: „Dass ich heute wieder einmal mit ihr spielen darf, ist das größte Geschenk, dass ich je erhalten habe. Danke, Martin Engelien.“

Als dann die Sängerin wieder die Führung übernahm und „Take Another Piece of my Heart“ anstimmte, den einst Janis Joplin in unvergessener Weise interpretiert hat, wurde klar, dass Lee wohl die Alben von Joplin in ihrem Kinderzimmer auswendig gelernt haben musste. Edwards konterte mit seinem eigenen Song „Hey, hey, hey“ und zeigte damit seine andere Seite, die aber am Freitag nicht weniger gut ankam, als das laute Song-Bombardement, das ansonsten aus den Boxen polterte. Mit diesem Stück erinnerte der Wahl-Norweger dann wieder mehr an die Folk-Lieder eines Neil Young.

Später am Abend coverte er so auch Youngs „Heart of Gold“. Lee machte als nächstes den Lady-Gaga-Hit „Bad Romance“ zu einem Funk-Metal-Kracher. Edwards hingegen verwandelte „Sympathy for the Devil“ von den Rolling Stones in ein rauschhaftes Erlebnis. Noch diabolischer wurde später seine Umdeutung des Klassikers „Gloria“ der Band Them.

Ein Höhepunkt unter vielen war am Freitag der große Moment für Drummer Manni von Bohr. Dass dem Mann an den Stöcken und Fellen scheinbar niemand erzählt hatte, dass Schlagzeugsoli out sind, erwies sich als großer Segen. Der Virtuose hinter dem Trommel-Gerüst ließ nichts aus – inklusive Double-Bass-Salven, die er wie Munition in Richtung Publikum abfeuerte, dass ihm dafür sprichwörtlich zu Füßen lag.

Die nächste Go Music im Alt Werdohl findet nach der Sommerpause am Freitag, 12. Oktober statt.

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