Dealer hat mit Berufung Erfolg

„Gnade vor Recht“: Bewährung für Drogenhändler

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Werdohl/Hagen – Für eine Bewährungsstrafe stand eigentlich zu viel auf dem Zettel eines 40-jährigen Werdohlers.

Aus dem Amtsgericht Lüdenscheid brachte er wegen mehrerer Drogenvergehen schon eine 18-monatige Bewährungsstrafe mit ins Amtsgericht Altena, wo das Schöffengericht im Mai 2019 keinen Anlass mehr für die Aussetzung weiterer 18 Monate zur Bewährung sah. Damit stieg die vollstreckbare Haftstrafe auf insgesamt drei Jahre. Die Berufskammer des Landgerichts Hagen urteilte jetzt allerdings anders. 

Eine erste Begegnung mit den Ordnungshütern und das noch bevorstehende Lüdenscheider Urteil beeindruckten den Angeklagten offenbar wenig. Und so fiel er der Polizei kurz nach der ersten Festnahme bei einer nächtlichen Fahrt auf der Höhenstraße zwischen Lüdenscheid und Werdohl am 30. Juni 2017 erneut auf. 

Nachschub in Lüdenscheid eingekauft

In der Kreisstadt hatte er Nachschub für seinen offenbar florierenden Amphetaminhandel eingekauft. In seiner Wohnung in Werdohl fanden die Beamten am Tag danach weiteres Rauschgift – gut 95 Gramm, nachdem der Angeklagte auf dem Beifahrersitz schon 58 Gramm Amphetamin dabei gehabt hatte. Das Mitführen eines Elektroschockers und drei Fahrten mit einem nicht versicherten Motorroller führten zu weiteren Anklagepunkten. „Da war ich dumm“, erklärte der Angeklagte, der einmal auf dem Weg nach Lüdenscheid ohne gültige Versicherungsschilder angetroffen worden war. „Sonst bin ich nur in der Umgebung der Schrauberwerkstatt gefahren.“ 

Drei Jahre Gefängnis aus zwei Urteilen: Der 40-Jährige hatte eigentlich keine Chance bei der Berufungsverhandlung im Landgericht Hagen. Staatsanwalt Jörn Esken deutete den Ernst der Lage an: „Der Angeklagte hat immer wieder mit Betäubungsmitteln gehandelt und nichts daraus gelernt.“ Doch immerhin hatte sich der Werdohler seit Oktober 2017 nichts mehr zuschulden kommen lassen. Und er hatte Anfang 2020 endlich die schon vom Amtsgericht Lüdenscheid als Bewährungsauflage verordnete Drogenentzugstherapie in Angriff genommen. 

Ehefrau droht mit Trennung

Einen guten Grund hatte er bei sich selber gefunden: „Ich konnte meinen Tagesablauf nicht mehr strukturieren.“ Einen weiteren durchschlagenden Grund lieferte seine Ehefrau: Sie habe mit Trennung gedroht, wenn er nicht endlich mit den Drogen aufhöre, erzählte der Angeklagte. Und so kam er relativ aufgeräumt aus dem Drogenentzug: „Es läuft gut.“ Es wurde deutlich, dass er als Hausmann trotz seiner angeschlagenen Gesundheit von erheblicher Bedeutung für seine beiden Kinder und seine berufstätige Frau ist. Solche Pflichten vertragen sich kaum mit dem Betrieb eines Drogenumschlagplatzes in der heimischen Wohnung. 

Nach den durchaus positiven Nachrichten aus dem Leben des 40-Jährigen stimmte auch Staatsanwalt Jörn Esken „mit ganz großen Bedenken“ und nach dem Prinzip „Gnade vor Recht“ einer Aussetzung der aus beiden Verurteilungen zu bildenden Gesamtstrafe von zwei Jahren auf Bewährung zu. Das Ganze sei ein „absoluter Grenzfall“ erklärte der Staatsanwalt. Verteidiger Dominik Petereit bekräftigte, dass der Weg für seinen Mandanten „nach oben“ gehe und dass er zuhause gebraucht werde. Den Plädoyers schloss sich letztlich auch die Berufungskammer unter dem Vorsitz von Richterin Claudia Oedinghofen an, die den Werdohler zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilte. 

Das Urteil ist rechtskräftig.

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