Manuel Scholz ist Erzieher in Kita Wunderkiste

Die Kinder genießen es, wenn Erzieher Manuel Scholz ihnen vorliest.

WERDOHL ▪ Manuel Scholz baut RC-Modellautos. Wenn der begeisterte BVB-Fan die Fernbedienung seines Offroaders in der Hand hält, ist er Feuer und Flamme. Anders ausgedrückt: typisch Mann. Allerdings einer, der im Berufsalltag schon mal einen Kleinkind-Popo säubert, Tränen von der Wange wischt oder ein spannendes Märchenbuch vorliest.

Der 27-Jährige ist Erzieher in der Kindertagesstätte Wunderkiste in Ütterlingsen.

„Ich habe meine Berufsentscheidung noch an keinem einzigen Tag bereut“, sagt der gebürtige Werdohler. Und wer Gelegenheit hat, Manuel Scholz zu beobachten, wenn er von Kindern belagert wird, glaubt ihm das gerne. Ein Zuckerschlecken ist die Arbeit in der Kindertagesstätte aber nicht. „Ich hätte vorher nicht gedacht, dass es so anstrengend sein kann“, stellt der 27-Jährige fest. Schließlich gehe es schon lange nicht mehr darum, den Nachwuchs nur zu verwahren. „Bildung ist sehr wichtig. Hier wird Elementares vermittelt und ich trage dazu einen Teil bei“, stellt Manuel Scholz fest – und in seiner Stimme schwingt ein wenig Stolz mit. Der Wahl-Herscheider hat nie darüber nachgedacht, ob der „typische Frauenberuf“ für ihn überhaupt in Frage kommt: „Menschen sind super interessant. Der Zusammenhalt in unserer Familie hat mich geprägt und mir war schon früh klar, dass ich nicht am Schreibtisch sitzen will, sondern in einem sozialen Beruf arbeiten möchte.“

Nach dem Zivildienst im Seniorenheim Herscheid – „Das hat mir auch tierisch viel Spaß gemacht“ – entschied sich Scholz für eine Ausbildung zum Erzieher. Nach dem Anerkennungsjahr in der Wunderkiste erhielt er dort im Jahr 2010 eine Festanstellung. Sandra Koch sieht das als Glücksfall: „Für die Identitätsentwicklung der Kinder ist es vorteilhaft, wenn auch ein Mann mitarbeitet. Außerdem sieht er vieles aus einer anderen Perspektive und nimmt Dinge gelassener“, spricht die Leiterin der Kindertagesstätte über eine „Bereicherung für das Team“. Es besteht übrigens aus neun Frauen und einem Mann. Aus Kochs Sicht wäre „Halbe-Halbe“ optimal.

Zu einer solchen Konstellation wird es aber so schnell nicht kommen, glauben Koch und Scholz. „Einige Männer meinen vielleicht, dass sie als Erzieher schräg angeguckt werden“, überlegt der 27-Jährige. Den eigentlichen Grund für das geringe Interesse des „starken Geschlechts“ an diesem Beruf sieht er aber in den vergleichsweise geringen Verdienstmöglichkeiten. „Wer als Erzieher eine Familie ernähren will, hat es nicht leicht“, bilanziert der gebürtige Werdohler.

Für ihn selbst besteht trotz der finanziellen Nachteile gegenüber Berufen in der Industrie oder der Wirtschaft kein Zweifel: „Ich werde in den nächsten Jahren weiter als Erzieher arbeiten“, betont Scholz – der übrigens selbst vor rund sieben Wochen Vater geworden ist. Und auch, wenn Tochter Liliana momentan noch hin und wieder für schlaflose Nächte sorgt, macht ihm die Arbeit in der Wunderkiste nach wie vor großen Spaß. „Das Schönste ist, wenn man feststellen kann, dass sich die Kinder weiterentwickeln,“ sagt er. - Carla Witt

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