Erstmals seit Jahrzehnten

Glocken in Eveking läuten zu anderen Zeiten: Das ist der Grund

Pfarrer Dirk Grzegorek im Turm der Friedenskirche mit den drei Glocken „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Das Presbyterium hat beschlossen, dass in Eveking ab Januar alle drei Stunden zum Gebet geläutet werden soll – vier Mal am Tag.
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Pfarrer Dirk Grzegorek im Turm der Friedenskirche mit den drei Glocken „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“. Das Presbyterium hat beschlossen, dass in Eveking ab Januar alle drei Stunden zum Gebet geläutet werden soll – vier Mal am Tag.

Die Glocken der Friedenskirche in Eveking läuten seit Januar häufiger und zu anderen Zeiten als seit Jahrzehnten gewohnt. Pfarrer und Presbyteriumsvorsitzender Dirk Grzegorek erklärt, was es mit dem neuen Läuten auf sich hat.

Selbst regelmäßige Kirchgänger wüssten nicht immer ganz genau, wann und warum eigentlich Kirchenglocken geläutet werden. „Jedenfalls nicht, um die Mahlzeiten anzuzeigen“, weiß Grzegorek natürlich um die landläufige Wahrnehmung von Kirchenglocken. Seit 18 Jahren ist er Pfarrer in Werdohl, seit der Zeit und noch davor wurden die Glocken werktags um 7, 12 und 18 Uhr geläutet.

Um dem Geläut den ursprünglichen Sinn als Ruf zum Gebet wiederzugeben, werden die drei Glocken namens „Glaube“, „Liebe“ und „Hoffnung“ seit einiger Zeit um 9, 12, 15 und 18 Uhr geläutet. Alle drei Stunden, vier Mal am Tag, jeweils volle fünf Minuten. „Es hat schon irritierte Nachfragen aus der Nachbarschaft gegeben“, so Grzegorek, der direkt neben der Kirche wohnt. Der Tag soll durch das Geläut strukturiert und eingeteilt werden, die Glocken können so den Rhythmus des Lebens vorgeben und zum kurzen Innehalten mahnen und erinnern. Dazu kommt, dass die Zeigerstellungen einer analogen Uhr zu den Läutezeiten ein Kreuz abbilden – auch das gebe einen tieferen Sinn. Durch das Glockenläuten wolle die Gemeinde in Eveking zudem hörbarer werden und verstärkt in die öffentliche Wahrnehmung gelangen.

Weiterhin vor Beginn des Gottesdienstes

Weiterhin klingen die Glocken in Eveking am Sonntag fünf Minuten vor Beginn des Gottesdienstes, zu den Trauerfeiern in der Kirche und am Tag nach dem Tod eines Gemeindeglieds um 10 Uhr. Das vermehrte Läuten in Eveking sei nicht ökumenisch abgestimmt, so Grzegorek.

Die Steuerung des Geläuts der Friedenskirche ist programmiert, nur zum Vaterunser während des Gottesdienstes werden sieben einzelne Glockenschläge von Hand ausgelöst. Das erledigt der Küster von einem Platz in der Kirche.

Das Presbyterium der Gesamtgemeinde hat gleichzeitig beschlossen, die Läutezeiten der Christuskirche unverändert zu lassen. Die drei Glocken der Christuskirche läuten ohnehin häufiger, weil sie montags bis samstags zusätzlich von 7 bis 21 Uhr jede volle Stunde per Schlag angibt. Um 7 Uhr wird drei Minuten, um 12 und um 19 Uhr fünf Minuten geläutet. Das soll so bleiben, die Nähe zu Krankenhaus und Seniorenzentrum seien aber nicht die Hauptgründe.

Ganz bewusst für neue Sinnhaftigkeit entschieden

In Eveking habe man sich ganz bewusst für eine neue Sinnhaftigkeit des Geläuts entschieden, so der Pfarrer. „In unserer Kultur ist es gut, dass Glockengeläut deutlich hörbar ist.“ Fürs Läuten gibt es natürlich gesetzliche Vorschriften, Grenzen und Regelen, vor allem, was die für Nachbarn zumutbare Lautstärke angeht.

Grzegorek spricht auch von einem „akustischen Signal in dieser Pandemiezeit“. Mit dem veränderten Läuten der Kirchenglocken wolle die Gemeinde „bewusst machen“ und nicht „verwirren“. Das Geläut der Glocken könne einen aus dem augenblicklichen Tun herausholen und die Menschen innehalten lassen. Grzegorek will mit dieser Struktur nicht nur Christen erreichen: „Das ist auch gesellschaftlich gut.“

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