Achtjähriger stirbt

Tod im Gleisbett: Reisende nach Vorfall am Frankfurter Bahnhof verunsichert

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Hinweisschilder machen die Fahrgäste darauf aufmerksam, nicht zu nah an einfahrende Züge heranzutreten, um eigenverschuldeten Stürzen ins Gleisbett vorzubeugen.

Werdohl - Zwei tödliche Unfälle an Bahnsteigen hat es in den vergangenen Tagen in Voerde und in Frankfurt gegeben. Beide Male wurden die Opfer vor den Zug geschubst. Ein achtjähriger Junge kam dabei ums Leben. Der SV hat nachgefragt, wie sicher sich die Werdohler nach diesen Vorfällen am Bahnhof fühlen.

Am 20. Juli kommt es in Voerde zu einem tragischen Vorfall: Eine 34-jährige Mutter wird von einem 28-Jährigen ins Gleisbett gestoßen, als ein Zug einfährt. Sie stirbt, hinterlässt ihren Ehemann und eine 13-jährige Tochter. Am Montag ereignet sich in Frankfurt ein ähnlicher Vorfall: Ein 40-jähriger Mann stößt eine Mutter mit ihrem achtjährigen Kind vor einen einfahrenden ICE. Die Mutter kann sich retten, ihr Sohn verliert bei dem Vorfall das Leben. Wie sicher fühlen sich Pendler und Reisende nach diesen Vorfällen an Bahnhöfen?

Es sind Ferien in Nordrhein-Westfalen: Viele Menschen verreisen, einige davon mit dem Zug. Andere pendeln täglich mit der Bahn zur Arbeit. Die Stimmung bei den Fahrgästen ist nach den Vorfällen in Voerde und in Frankfurt durchmischt. „Man macht sich schon mehr Gedanken, wenn man auf den Bahnsteigen unterwegs ist“, sagt ein zugreisender Vater am Werdohler Bahnhof. „So weit vorne wie früher stelle ich mich nicht mehr an das Gleis, wenn der Zug einfährt.“

Er sei schockiert von dem, was in Frankfurt passiert ist: „Wir haben auf der Arbeit schon viel darüber gesprochen – niemand kann das so recht begreifen. Mein eigener Sohn ist zum Glück schon über 30 und damit aus dem Kindesalter heraus.“ Eine Sorge beschäftigt ihn, weil Frankfurt der zweite Vorfall dieser Art in nur zehn Tagen war: „Was ist denn, wenn das jetzt der neue ,Trend’ wird? Nach den Lastwagen, die in Menschenmengen fahren, und Flugzeugen, die gekapert werden – wird das eine neue Art Terrorismus?“

Auch andere Passanten sind besorgt und laut eigener Aussage inzwischen vorsichtig geworden, wenn sie auf Bahnhöfen unterwegs sind. „Gerade wenn ich abends mit dem Zug fahre, bin ich fast schon übervorsichtig“, sagt ein Student der Universität Siegen. Angst habe er aber nicht. Meistens nimmt er das Auto, Fahrten mit dem Zug meide er möglichst. „Es ist einfach unkomfortabel, mit der Bahn zu reisen – Fahrpläne sind unübersichtlich und es gibt viele Ausfälle oder Ersatzverkehr.“

Außerdem fühle er sich im Auto einfach sicherer – „jedenfalls vom subjektiven Empfinden“. Bahnhöfe hätten für ihn nach den jüngsten Vorfällen und auch anderen Gewalttaten keinen Wohlfühlfaktor mehr. Vollkommen anders sieht das eine junge Frau: Sie findet die Sicherheitssituation zwar ebenfalls nicht gut, hält die aktuellen Vorfälle aber eher für die Ausnahme.

„Ich mache mir da jetzt nicht jedes Mal Sorgen, dass mir so etwas auch passieren könnte.“ Außerdem kämen solche Vorfälle nicht nur an Bahnhöfen vor: „Es kann doch im Grunde genommen immer und überall etwas Schlimmes passieren.“

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