Gitarren wärmen Seelen der Gemeinde im Alt Werdohl

Renate Ludwig, Front-Sängerin der Band The Vagrants, schwitzt und singt und gibt alles.

WERDOHL ▪ Breitbeinig, wie ein freundlicher, aber bestimmter Türsteher steht Lead-Gitarrist Steve Iorio auf der Bühne. Der in New York geborene Riff-Jäger grinst. Der Spaß der Band The Vagrants ist sicht-, hör- und fühlbar. Und er springt tatsächlich wie der sprichwörtliche Funke auf das Publikum in der Musikkneipe Alt Werdohl über.

Iorios Ehefrau, Renate Ludwig, setzt am Freitagabend den Fuß im Cowboystiefel auf einen Mauervorsprung vor der Bühne. Wie eine Tigerin auf dem Sprung steht sie da. Sie treibt ihre Band an. Wie ein Mann klatschen die Zuschauer. Die urwüchsige Kraft des Rock'n'Roll macht sie für diese paar Stunden zu einer unzertrennlichen Gemeinschaft. Wer Nächte lang mit sich alleine in der Diskothek getanzt hat, braucht wieder die Wärme, die aus einer Gitarre kriecht. Und wenn dann noch eine kleine Frau mit so großer Stimme wie Ludwig singt, bekommt auch der letzte arme Sünder die Erlösung, nach der er schon so lange strebt. Wer sich vielleicht länger bereits aufgegeben hat, schöpft wieder Hoffnung, wenn The Vagrants alles geben, damit er sich gut fühlt.

Der erst 19-jährige Rhythmus-Gitarrist Geoff Browning gesteht, dass er tags zuvor in Berlin ein neues Hemd kaufen musste. Denn alle anderen Shirts seien dreckig gewesen. „Das ist Rock'n'Roll“, sagt er. Für ein Paar Schuhe hat es aber offenbar nicht mehr gereicht. Auf der Bühne spielt er barfuß – und bald nach der Pause auch ohne sein neues Hemd. „Folsom Prison Blues“ von Johnny Cash singt er dabei.

Drummer Ben Harrington und Iorio tun es Browning gleich – und rocken mit nacktem Oberkörper. Und eine richtige Rock-Party wird zum Schluss aus dem Abend, als nach fast drei Stunden Iorio und Ludwig von der Bühne springen und sich von den Händen der Fans tragen lassen.

Wer auch nächstes Jahr Gitarrenrock für den Seelenfrieden braucht: The Vagrants kommen wieder, Renate Ludwig hat es versprochen.

Michael Koll

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