Stadt hat Probleme mit Integrationsausschuss

Ali Akdeniz (links) von der Ditib-Moschee diskutierte mit (von rechts) dem Landtagsabgeordneten Michael Scheffler, Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer sowie Bürgermeister Siegfried Griebsch.

WERDOHL ▪ „Wollen wir mal offen reden“, sagte Bürgermeister Siegfried Griebsch zur Begrüßung von Staatssekretär Dr. Wilhelm Schäffer in der Ditib-Moschee: „Wir sind die türkische Enklave im Märkischen Kreis.“ Von Michael Koll

Zwar sieht das Stadtoberhaupt Werdohl mit Wip el ele als „landesweiten Vorreiter beim Thema Integration“. Doch „wir haben Schwierigkeiten, produktiv mit dem Integrationsausschuss zusammen zu arbeiten“, gestand er.

Und auch der Düsseldorfer Gast sah auf politischer Ebene, „obwohl wir bei der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund eine lange Tradition in Nordrhein-Westfalen haben“, noch Nachholbedarf.

„Wir sind im Landtag dringend auf ihre Erfahrungen vor Ort angewiesen“, stellte er klar. Diese sollten einfließen in das Integrations- und Teilhabegesetz, welches derzeit in Vorbereitung sei. „Nach Berlin sind wir das zweite Bundesland, welches solch ein Gesetz verabschieden wird.“

Zwar hätte es in den vergangenen Jahren immer wieder freiwillige Förderungen für Integrationsarbeit gegeben, doch „wir brauchen Klarheit und verlässliche Strukturen“.

Und mit dem neuen Gesetz sei dann noch nicht alles erreicht. Als Folge müsse etwa „an den systematischen Aufbau interkultureller Kompetenz in der Lehrerausbildung“ gedacht werden. Griebsch stimmte zu: „Wir wollen das Bild überwinden, dass in Deutschland verschiedene Kulturen einander gegenüber stehen.“

Zwar stünde in Werdohl etwa 200 Meter neben einer christlichen Kirche die Moschee. „Aber es herrscht Schweigen zwischen den Gruppen.“

Ali Akdeniz, Mitglied der Ditib-Gemeinde, vermutete als Grund für das Aufkommen von Parallelgesellschaften, dass die doppelte Staatsangehörigkeit nicht gestattet sei. Ausländer müssten das Wahlrecht erhalten. Eine andere Diskussionsteilnehmerin bestätigte: „Wenn ein Thema im Rat besprochen wird, können wir nicht mitreden, weil wir die Diskussion nicht verstehen.“ Es fehlten Migranten in den Kommunalparlamenten. Griebsch allerdings betonte, dass der Integrationsausschuss bereits alle Ratsunterlagen im Vorfeld erhalte.

Schäffer jedoch berichtete, dass es bereits im Februar parteiübergreifend von den Integrationsministern der Länder eine Initiative gegeben hätte, dass sich die Bundesregierung „endlich“ mit dem Thema doppelte Staatsbürgerschaft und Wahlrecht beschäftigt.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Michael Scheffler ergänzte: „Der Fachkräftemangel ist zum Greifen nahe.“ Deshalb seien gut ausgebildete Menschen mit Migrationshintergrund gefragt. Schäffer meinte, dabei könnten anonymisierte Bewerbungsverfahren helfen.

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