Mit dem Auto verfolgt

Gezielter Überfall an Bushaltestelle: Bewährung

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Werdohl – Ein Jahr und sieben Monate auf Bewährung sowie eine Woche Jugendarrest – mit diesem Urteil endete das Strafverfahren vor dem Amtsgericht Altena gegen zwei junge Männer.

Diese hatten am 29. Mai 2018 einen 21-jährigen Werdohler an einer Bushaltestelle in Kleinhammer verprügelt und – zur Überzeugung des Schöffengerichts – beraubt. Irgendein technisches Kleingerät, vermutlich eine Ladestation (Powerbank), war dem Überfallenen abhanden gekommen. Die Verteidiger sahen den Raub als nicht erwiesen an. 

Das Alter der Angeklagten wirkte sich nachhaltig auf das jeweilige Strafmaß aus: Der 25-jährige Angeklagte muss eine dreijährige Bewährungszeit durchstehen und 250 Sozialstunden ableisten, um nicht für 19 Monate in den Knast zu müssen. Sein 18-jähriger Mittäter wurde nach Jugendstrafrecht verurteilt und muss für eine Woche in den Jugendarrest. Außerdem muss er für ein weiteres Jahr im Rahmen einer Betreuungsweisung eng mit dem Jugendamt zusammenarbeiten. 

Richter sieht „gezielten Überfall“ 

Die Angeklagten hatten am Tattag einen Freund gebeten, den Bus, mit dem der 21-Jährige nach Kleinhammer unterwegs war, mit seinem Auto zu verfolgen. An der Bushaltestelle hatten sie ihr Opfer gestellt. Vor diesem Hintergrund bezeichnete Richter Dirk Reckschmidt in seiner Urteilsbegründung die Aktion als einen „gezielten Überfall“. Wegen angeblicher Geldforderungen hätten die Angeklagten „ein bisschen Inkasso betrieben“, bemerkte der Richter mit einem kräftigen Schuss Ironie. 

Beide Angeklagten wurden auch für die Schläge verurteilt, die sie ihrem Opfer wenige Tage zuvor in der Nähe des Werdohler Bahnhofs verpasst hatten. Zuvor war der 21-Jährige wegen eines angeblichen Einbruchs in seine Wohnung, für die er den 25-jährigen Angeklagten verantwortlich machte, bei der Polizei gewesen. Diese Prügelei wurde allerdings als minderschwerer Fall eingestuft. 

Mit falschen 100-Euro-Scheinen bezahlt

Der 25-Jährige bekam ein paar Monate obendrauf, weil er einen Schlüsseldienst mit vier falschen 100-Euro-Scheinen bezahlt hatte. Ein ebenfalls angeklagter Wohnungseinbruch konnte ihm nicht nachgewiesen werden. Zwei Zeugen hatten von dem Einbruch in ihre Wohnung berichtet, bei dem bis zu 70 Euro Bargeld und eine Sonnenbrille gestohlen worden waren. Diese Brille war später bei dem 25-Jährigen aufgetaucht. Ob er selber an dem Einbruch beteiligt gewesen war, blieb zweifelhaft. 

Befragt wurde auch der Vater des Opfers, der eine zurückhaltende Aussage machte. Er bestätigte, dass er nach den Prügelattacken drei Wochen lang bei seinem Sohn gelebt hatte – „weil er Angst hatte vor den hier sitzenden Personen“. Das Opfer der Attacken war trotz erneuter Ladung nicht noch einmal ins Gericht gekommen. Seine erneute Vernehmung erschien allerdings verzichtbar.

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