„Gezeichnet fürs Leben“

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Christian Koronika von der Feuerwehr Plettenberg berichtete von einem Unfall, bei dem vor zehn Jahren ein junger Motorradfahrer ums Leben kam. - Fotos: Domke

WERDOHL - Christian Koronika stockt die Stimme, als er von dem Unfall erzählt, bei dem vor zehn Jahren ein junger Motorradfahrer tödlich verunglückte. Er selbst war als Fahrer des Notarztwagens vor Ort und leistete Unfallhilfe.

„Wir konnten dem jungen Mann nicht mehr helfen, alle Reanimierungsmaßnahmen führten nicht zum Erfolg“, so der 37-jährige Feuerwehrmann. Der verzweifelte Kampf um Leben und Tod begleitet die Rettungsleute jeden Tag, zur Routine wird er aber nie.

Christian Koronika war einer von fünf Referenten, die gestern im Festsaal Risei vor Schülern der Albert Einstein-Gesamtschule und der städtischen Realschule sprachen. Im Rahmen des Verkehrsunfallpräventionsprojektes „Crash Kurs NRW“ berichteten sie auf packende und ergreifende Art von ihren ganz persönlichen Erlebnissen, mit denen sie bei Verkehrsunfällen im Kreisgebiet konfrontiert wurden. Ziel der bundesweiten Kampagne sei es, die Anzahl von Verkehrsunfällen mit schweren Folgen, die durch junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren nachweislich verursacht werden, nachhaltig zu verringern, erläuterte Thomas Voit, Wachleiter der Polizeistelle in Werdohl.

Und um das zu erreichen, greifen die Initiatoren der Projektes zu drastischen Maßnahmen. Schockierende, unverschönte Bilder von Unfallorten – völlig zerstörte, kaum mehr erkennbare Autowracks und Motorräder. Menschen und Opfer werden nicht gezeigt, die Bilder aber lassen nur einen Schluß zu. Dazu Vornamen und Alter der jungen Autofahrern, die bei einem Verkehrsunfall ihr Leben verloren haben. Begleitet wird die Leinwandpräsentation von dem Lied der Gruppe „Unheilig“, „Geboren um zu Leben“. Der „Crash Kurs“ sei eindringlich und höchst emotional und gerade deshalb wirkungsvoll, ist sich Voit sicher. „Mit dem erhobenen Zeigefinger erreicht man bei jungen Leuten nicht viel. Wir müssen wachrütteln und die jungen Verkehrsteilnehmer zum Nach- und Umdenken anregen.“ Man wolle den Schülern mit Bildern und Berichten vermitteln, dass Verkehrsunfälle nicht einfach nur passieren, sondern dass sie verursacht würden.

Neben Feuerwehrmann Christian Koronika berichteten zudem die Dienstgruppenleiterin der Polizei Plettenberg Kerstin von Rüden, der Notfallseelsorger Gerd van de Loo, Notärztin Jutta Hohage und Bernd Blöcher von ihren Erlebnissen. Blöcher wurde vor 13 Jahren in einen Verkehrsunfall verwickelt. „Ich muss kurz eingeschlafen sein, geriet auf die Gegenfahrbahn und prallte frontal in ein entgegenkommendes Auto“, so der Rechtsanwalt. „Dass ich noch lebe, ist ein Wunder. Gezeichnet bin ich aber fürs ganze Leben“, sagte der Iserlohner, der seit dem Unfall mit einem versteiften Bein und den emotionalen Folgen leben muss.

Wie kräftezehrend und belastend die Arbeit ist, machte auch Kerstin von Rüden deutlich: „In die leeren Augen eines sterbenden jungen Mannes zu blicken und nichts mehr tun zu können, ist furchtbar. Zu wissen, dass diese Unfälle durch angepasste Geschwindigkeit vermieden werden könnten, lässt einen verzweifeln.“

Der Oberstufenleiter der Gesamtschule, Konrad Pewny, zeigte sich im Anschluss beeindruckt von der Kampagne: „Ich bin sicher, dass die Berichte bei den Schülern etwas bewirken.“

Von Friederike Domke

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