Weihnachtsmarkt am Sonntag verwaist

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Eine farbenprächtige und stimmgewaltige Einlage hatten Besucher des Werdohler Jugendzentrums für den Weihnachtsmarkt einstudiert. Damit zogen sie die Zuschauer an und ernteten am Schluss einen kräftigen und wohlverdienten Applaus.

Werdohl - Die Rückkehr des Werdohler Weihnachtsmarktes auf den Brüninghaus-Platz war in der Bevölkerung heiß ersehnt. „Endlich zurück“, sagten nicht wenige. Es hätte also ein Triumph werden sollen, doch die Gewerkschaft verdi hatte den verkaufsoffenen Sonntag verhindert.

Warum? Das konnte vor Ort niemand verstehen. „Kopfschütteln“ löse die Entscheidung bei ihm aus, sagte ein Weihnachtsmarktbesucher. „Unverständnis“ hatte der nächste dafür übrig. „Zorn“ empfand ein Dritter. „Die machen das letzte bisschen, was in den Innenstädten noch lebt, auch noch mutwillig kaputt“, grollte ein anderer. In den Geschäften arbeiteten doch zumeist an solchen Tagen die Inhaber der Läden selbst. „Und das dürfen sie jetzt nicht, während die Internet-Verkäufer ihre Angestellten zum Mindestlohn selbst am Wochenende noch um Mitternacht Pakete packen lassen.“ 

Immerhin am Samstag konnten die Werdohler jedoch den (Geschenke-)Einkauf, mit einem Bummel durchs Hüttendorf verbinden. Und das taten auch einige: Jedenfalls im Vergleich zum Vorjahr auf dem Platz Zur Alten Post war der Brüninghaus-Platz solange es hell war gut besucht. Im Dunkeln gab es sogar noch deutlich mehr Zuspruch. 

 Begeistert zeigte sich dennoch nicht jeder. „Naja“, sagte einer der Besucher süffisant, „immerhin passt das Wetter ja zum Weihnachtsmarkt: schön kalt und trocken.“ Atmosphäre und ein stimmungsvolles Angebot an den Ständen suche man allerdings vergebens, fügte er hinzu. „Das gibt es bloß drüben in der Bücherei.“ 

Der Werdohler Weihnachtsmarkt

Dort war es folglich – wie auch in den Jahren zuvor – voll. Vor der Kälte geschützt traten die Dancing Cats und die Tanzmäuse der DJK Werdohl Westfalia unter der Leitung von Maria Lohmann auf. Dicht gedrängt standen Eltern, Großeltern, Geschwister und zufällige Passanten um die tanzenden Mädchen herum und bedachten ihre Auftritte immer wieder mit donnerndem Applaus. 

Bedächtiger ging es am Nachmittag in der Christuskirche zu: Zum zweiten Male erst wurde dort ein Adventsliedersingen veranstaltet. Rund 50 Werdohler – ähnlich viele wie vor einem Jahr – kamen und stimmten bekannte Lieder gemeinsam mit Kirchenmusikerin Marion Jeßegus an. 

Am späteren Nachmittag füllte sich dann das Hüttendorf auf dem Brüninghaus-Platz zusehends. Vor den Buden standen die Menschen bald dicht gedrängt in der Kälte. Gutgelaunt wurde geplaudert, getrunken, gegessen und gelacht. Nun sprach niemand mehr von fehlender Atmosphäre. Das war nun ein Weihnachtsmarkt, wie er im Buche steht.

Ab 19 Uhr spielte dann eine Familie aus Balve, die sich eigens für den Auftritt in Werdohl den Namen Simply Friends gab, Irish Folk auf einer kleinen Bühne. Ihre Musik rundete das Ambiente im Dunkeln bestens ab. 

So schön, wie der Samstagabend aber war, so trostlos und öde war dann der Anblick des Hüttendorfes auf dem Brüninghaus-Platz am Sonntag: Die Standbetreiber blieben beinahe unter sich.

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