Schulaufsicht sieht an der AEG keine Auffälligkeiten

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Die Albert-Einstein-Gesamtschule verfügt über ein weit verzweigtes Schulhofsystem. Deshalb führen in jeder Pause alleine draußen acht Lehrer Aufsicht.

Werdohl - Die gewalttätige Auseinandersetzung zwischen mehreren Mädchen auf dem Schulhof der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) am Freitag vergangener Woche (wir berichteten) war offensichtlich kein Einzelfall. Eltern berichten von weiteren Zwischenfällen, die Schulleiter Reinhard Schulte auch bestätigt. Doch was unternimmt die Schule eigentlich, um Gewalt unter Schülern zu vermeiden? Und wie schlimm ist die Lage an der AEG wirklich? Ein Aufklärungsversuch.

Nachdem come-on.de über die Auseinandersetzung der Siebtklässlerinnen berichtet hatte, meldeten sich weitere Eltern in der Redaktion, die von ähnlichen Zwischenfällen an der AEG berichteten. Im November soll ein Junge von Mitschülern so verprügelt worden sein, dass er sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Es wurde von einem Drogenfund berichtet und davon, dass nach den Weihnachtsferien auf dem Schulhof ein gefährlicher Böller verkauft worden sei, mit dem anschließend einem Schüler Verletzungen am Bein zugefügt worden sei. Mit diesen Vorfällen konfrontiert, redet Schulleiter Reinhard Schulte nicht drumherum: „Ja, diese Fälle sind passiert. Und wir haben anschließend die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet. Das Verhalten hat in allen Fällen Konsequenzen gehabt.“

Was tut die Schule, um Gewalt unter Schülern zu verhindern?

Noch bevor die Fünftklässler die AEG erstmals betreten, sucht die Gesamtschule den Austausch mit den Grundschulen. So erfährt sie schon frühzeitig, wer die „Rabauken“ unter den Viertklässlern sind. „Das berücksichtigen wir dann zum Beispiel bei der Klassenbildung, indem wir auffällige Schüler zum Beispiel in unterschiedlichen Klassen unterbringen“, sagt Sven Stock, Abteilungsleiter für die Jahrgänge 5 bis 7.

Außerdem gibt es für die Fünftklässler dreitägige Kennenlern-Fahrten, bei denen sie mit externen Fachkräften an der Teambildung arbeiten. Darüber hinaus erhalten sie Paten aus der Jahrgangsstufe 9, die ihnen die Eingewöhnung an der Gesamtschule erleichtern sollen.

Und nicht zuletzt gibt es für alle Jahrgangsstufen die Klassenräte: Einmal pro Woche besprechen die Klassen im Beisein ihrer Klassenleitungen, aber in der Regel unter dem Vorsitz eines Schülers ihre Probleme. Für Lehrer gibt es Fortbildungen, in denen der Umgang mit herausfordernden Schülern thematisiert wird.

Warum kommt es dennoch zu Streitereien und teilweise gewalttätigen Auseinandersetzungen?

Schulleiter Reinhard Schulte spricht von einem veränderten Verhalten der jüngeren Schüler. „Früher waren es vor vor allem die älteren Schüler, die aneinander geraten sind. Mittlerweile nehmen wir wahr, dass auch die Jüngeren schon Kämpfe austragen.“ Das beginne oft mit Beleidigungen, die über WhatsApp versendet würden, in der Schule komme es dann zu Eskalationen. Schulte: „Darauf, was in den sozialen Netzwerken läuft, haben wir als Schule kaum Einfluss. Da sind die Eltern gefordert.“

Wie ist die Pausenaufsicht auf dem Schulhof organisiert?

Um die Schüler in der Frühstücks- und der Mittagspause zu beaufsichtigen, hat die AEG das Schulgelände in acht Sektoren aufgeteilt, in denen je ein Lehrer Aufsicht führt und bei Streitereien schnell eingreifen kann. Zusätzlich gibt es Lehrer, die intern „Sputnik-Aufsicht“ genannt werden, weil sie das Schulgelände umkreisen und darauf achten, welche Schüler sich in den Außenbereichen herumtreiben.

Weitere Aufsichten sorgen für geordnete Abläufe in der Mensa und an den Bushaltestellen. „Wir sind aber kein Gefängnis, wir können die Schüler nicht einsperren“, gibt Stocks zu bedenken, dass auch das beste Aufsichtssystem Lücken aufweisen kann. Ein Verlassen des Schulgeländes sei aber selbstverständlich ein Verstoß gegen die Schulregeln.

Wie reagiert die AEG auf gewalttätige Auseinandersetzungen unter Schülern?

Der Schulleiter hat die Möglichkeit, Gewalt nach den Bestimmungen des Landesschulgesetzes zu sanktionieren. Die Sanktionen reichen dabei von einem schriftlichen Verweis über die zeitweilige Suspendierung vom Unterricht bis zum Schulverweis. „Seit ich hier bin, haben wir erst einmal einen Schulverweis ausgesprochen“, sagt Schulte, der die AEG seit knapp vier Jahren leitet.

Dass Schüler vorübergehend vom Unterricht freigestellt werden, komme auch „sehr selten“ vor. Schulte spricht von einer „niedrigen einstelligen Zahl“ pro Schuljahr.

Wie beurteilt die Schulaufsicht die Situation an der AEG?

Schulaufsichtsbehörde für die Gesamtschulen im Märkischen Kreis ist die Bezirksregierung in Arnsberg. Deren Pressesprecher Christoph Söbbeler berichtet nach Rücksprache mit den zuständigen Dezernaten davon, dass es „überhaupt keine Auffälligkeiten an dieser Schule“ gebe. Söbbeler: „Vorfälle wie den in der vergangenen Woche gibt es an Schulen immer wieder. Schulen sind die Brennpunkte, wo Dinge zutage treten, die sonst nicht wahrgenommen werden.“

Was sagen Eltern über den Alltag an der AEG?

„Die Situation an der Albert-Einstein-Gesamtschule ist nicht schlimmer als an anderen Schulen“, ist Andrea Stänicke, die Vorsitzende der AEG-Elternpflegschaft, überzeugt. An der AEG würden sofort Maßnahmen ergriffen. Den schlechten Ruf, mit dem die AEG zu kämpfen hat, hält sie für nicht gerechtfertigt. Kritisch sieht Stänicke das Verhalten mancher Eltern: „Sie verstehen oft nicht, dass die Schule nach Regeln und Gesetzen handeln muss und nicht jeden Schüler, der aus der Reihe tanzt, gleich von der Schule werfen kann.“

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