Beitritt zur „Soko Respekt“

Gewalt gegen Einsatzkräfte: Auch Werdohl setzt ein Zeichen

Bürgermeister Andreas Späinghaus übernahm am Mittwoch die Beitrittsbescheinigung zur Soko Respekt vom Vereinsvorsitzenden Jens Hoffmann vor dem Rathaus. Mit dabei verantwortliche Werdohler Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, DRK und Maltesern.
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Bürgermeister Andreas Späinghaus übernahm am Mittwoch die Beitrittsbescheinigung zur Soko Respekt vom Vereinsvorsitzenden Jens Hoffmann vor dem Rathaus. Mit dabei verantwortliche Werdohler Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, DRK und Maltesern.

Die Stadt Werdohl ist seit Dezember Mitglied des Lüdenscheider Vereins Soko Respekt, der sich für einen respektvollen Umgang mit allen Einsatzkräften einsetzt.

Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) nahm vom Vorsitzenden Jens Hoffmann die Beitrittsbescheinigung entgegen, Verantwortliche von Polizei, Feuerwehr, DRK und Maltesern bekräftigten den Pakt.

Die Werdohler SPD hatte den Beitritt zum Verein vorgeschlagen, der Rat war der guten Idee gefolgt. Der Verein arbeitet ehrenamtlich, Mitgliedsbeiträge werden nicht erhoben. Es geht auch nicht um finanzielle Förderung, sondern um das Erzeugen von Aufmerksamkeit für einen gesellschaftlichen Missstand.

Angefangen hat alles mit einer Kampagne

Jens Hoffmann schilderte zunächst die Umstände der Vereinsgründung. Angefangen hatte alles mit einer Kampagne eines Werbedesigners. Hoffmann arbeitete als Feuerwehrmann auf der Lüdenscheider Wache und wollte mit anderen ein Zeichen setzen gegen die zunehmende Gewalt gegenüber Einsatzkräften. Es wurden Flyer gedruckt, Fotos aufgenommen und Filme gedreht, auch Ehefrau und Tochter nahmen teil. Nach einiger Zeit stellte sich heraus, dass ein Verein gegründet werden musste, so stark wuchs die Kampagne an.

Hoffmann, der mittlerweile bei der Feuer- und Leitstelle des Kreises arbeitet, übernahm den Vorsitz. Aus anfänglich 43 Gründungsmitgliedern sind jetzt inklusive der Stadt Werdohl 1310 Mitglieder geworden. Große Unterstützung hat der Verein durch die politischen Parteien erfahren, die den Kommunalwahlkampf auch für die Soko Respekt nutzten.

Erste Kontakte bei Berlin-Reise geknüpft

Bürgermeister Andreas Späinghaus berichtete, wie er auf die Soko Respekt aufmerksam wurde. Als damaliger Mitarbeiter der Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag hatte er wieder einmal eine Wahlkreis-Berlin-Reise organisiert, dabei lernte er Jens Hoffmann kennen.

Späinghaus sagte: „Ich habe nicht geglaubt, dass das so ein massives Problem ist.“ Es sei ihm zutiefst unverständlich, wieso Menschen die Retter beschimpften und sie bedrohten. Der Bürgermeister: „Es ist furchtbar.“

In jeder Uniform steckt ein Mensch

Jens Hoffmann stellte den Ansatz der Kampagne vor: In jeder Uniform steckt ein Mensch. Und hinter jedem Menschen stehe eine Familie. Wer verbale oder tätliche Gewalt gegen Einsatzkräfte verübe, mache sich schuldig. Mit Aufsteller-Motiven für Rettungsdienst, Feuerwehr und Polizei kann die Stadt zukünftig auf Veranstaltungen für die Idee werben und auf das Problem aufmerksam machen. Der Verein will „wach machen“ und „aufrütteln“.

Hoffmann stellte unter Kopfnicken des Werdohler Wachleiters Volker Bootz fest, dass besonders die Polizei eine schlechte Lobby habe. Immer wieder gelangten Videos ins Internet, in denen Beamte scheinbar grundlos Gewalt gegen Bürger ausübten. Fast immer seien diese Videos aus dem Zusammenhang gerissen und zeigten nicht die komplette Situation polizeilicher Maßnahmen.

Einsatzkräfte berichten von eigenen Erfahrungen

Feuerwehr-Chef Kai Tebrün berichtete, wie Löschgruppenleiter vor einigen Jahren beim Werdohler Schützenfest von Hochzeitsgästen festgehalten wurden, um die Durchfahrt durch den Schützenzug zu erzwingen. DRK-Helfer erzählten, wie sie fassungslos erleben mussten, wie Schaulustige den Einsatz direkt im Rettungswagen filmen wollten.

Die Soko Respekt setze sich auch für Angehörige der Ordnungskräfte ein. Kontrolleure im öffentlichen Nahverkehr seien genauso in Schutz zu nehmen wie Mitarbeiter der Ordnungsämter. Späinghaus: „Viele Menschen reagieren auf eine normale Ansprache gar nicht mehr.“ Die Beitrittsbekundung endete am Mittwoch mit einem Dank des Bürgermeisters an alle Einsatzkräfte.

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