Kläranlage Ütterlingsen

Gestank in Werdohl: Eine Folge des Klimawandels

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Bauingenieurin Nina Hoffmann ist extra in den Pumpenschacht in Dresel geklettert, um zu demonstrieren, wie ernst die Stadt Werdohl die Geruchsbelästigungen aus Abwasserrohren nimmt. Abwasserspezialist Rene Gajowski von der Firma Unitechnics aus Schwerin lieferte und installierte die Dosieranlagen für Dresel und Elverlingsen.

Werdohl - Der Aufwand, den die Stadt zur Lösung der Geruchsproblematik aus der Kläranlage Ütterlingsen treibt, ist groß. Zwei ferngesteuerte Dosieranlagen sind deshalb vor ein paar Tagen in die Druckleitungen von Dresel und Elverlingsen eingebaut worden.

Dass die erst in den vergangenen Jahren verstärkt aufgetretene Geruchsbildung unmittelbar mit dem Klimawandel zu tun hat, erklärt Bauingenieurin Nina Hoffmann von der Stadt Werdohl. 

Die Hauptproblematik liegt in der mangelnden Verdünnung des Abwassers. In Elverlingsen und Dresel betreibt die Stadt ein Trennsystem, dort sind Abwasser und Regenwasser getrennt. Das ist sonst nur noch im Neubaugebiet Düsternsiepen der Fall. 

Regenwasser muss nicht in der Kläranlage gereinigt werden und kann nach dem Sammeln in einem Rückhaltebecken gleich wieder in die Lenne fließen. 

Das Schmutzwasser aus Dresel und Elverlingsen wird hingegen durch Druckleitungen bis zur Siedlung Husberg gepumpt, dort kommen die Leitungen zusammen und das Abwasser wird bis in die Ruhrverbands-Kläranlage Ütterlingsen befördert. 

Geringerer Wasserverbrauch

Durch den allerorten geringeren Wasserverbrauch werden die Fäkalien immer weniger verdünnt, die Pumpen in den Druckleitungen springen seltener an, die Abwasser stehen zu lange in den Rohren. Beim Austreten an die Luft in Ütterlingsen haben die Fäkalien Schwefelwasserstoff gebildet: Es stinkt in die Siedlung hinein. 

Nina Hoffmann: „Das Problem hat auch mit der zunehmenden Trockenheit und kurzen Starkregenereignissen zu tun.“ Die Sommer würden immer wärmer, es werde weniger regnen. Dadurch werde die Geruchsbildung im Abwasser auf jeden Fall verstärkt. 

Dass der Geruch erst in den vergangenen Jahren aufgetreten ist, ist für Hoffmann auch ein Zeichen, dass die Problematik in einem Zusammenhang mit dem Klimawandel und den trockenen Sommern steht. 

Zusammenarbeit mit Ingenieurbüro

Die Stadt arbeitet mit dem Ingenieurbüro Unitechnics aus Schwerin zusammen, um ein Präparat zu finden, mit dem die Geruchsbildung gedämmt wird. Eine erste Dosieranlage war mit einem Mittel befüllt, das nicht wirksam genug war. 

Am Rande des ehemaligen Kohlelagerplatzes des stillgelegten Kraftwerks Elverlingsen betreibt die Stadt Werdohl ein Pumpengebäude, das mit einer Dosieranlage gegen Geruchsbildung aufgerüstet wurde.

Rene Gajowski von Unitechnics hat die Situation auftragsgemäß genau untersucht und der Stadt zum Einsatz von zwei neuen Dosieranlagen inklusive eines Spezialmittels vorgeschlagen. 

Die beiden Dosieranlagen sind in der vergangenen Woche aufgebaut worden, die kleinen Pumpen sind aus der Ferne steuerbar. Gajowski: „Wir können in Absprache mit dem Ruhrverband das Mittel ganz genau dosieren.“ Es werde nur so viel eingeleitet, wie die Kläranlage verarbeiten könne. 

Pumpen senden Daten an Server

Die Dosierpumpen senden Daten an einen Server, den Nina Hoffmann ebenso abrufen kann wie Rene Gajowski in Schwerin. In den nächsten acht Wochen würden verschiedene Teststrategien gefahren, um mit dem wechselnden Abwasseraufkommen der Industriebetriebe zurechtzukommen. 

Nina Hoffmann beschreibt, dass die Stadt im ersten Versuch einfach nur mehr Mittel bei steigenden Temperaturen eingeleitet hätte. „Das war aber mehr so Pi mal Daumen“, so Hoffmann. Die Profis von Unitechnics hätten sämtliche Parameter der Abwassersituation im Blick, durch die Messmethodik könne auch auf Schwankungen im Tagesverlauf reagiert werden. Bislang habe man die alte Anlage nach subjektiven Geruchswahrnehmungen gesteuert. 

Acht Wochen Testphase

Beprobung, Auswertung und Analyse haben die Stadt rund 10 000 Euro gekostet. Die Dosierpumpen sind in der achtwöchigen Testphase Leihgeräte. Wenn der Test erfolgreich ist, hat die Stadt die Kaufoption. 

Nina Hoffmann ist nicht nur bei den Ütterlingsern im Wort: „Wir müssen das in den Griff bekommen, gerade im Sommer ist es eine enorme Belastung für die Bürgerinnen und Bürger.“ Wenn die neuen Systeme mit Dosierpumpen und dem richtigen Mittel funktionieren, erhofft sich die Stadt davon eine Lösung für die nächsten Jahrzehnte.

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