Gestank in Ütterlingsen: Es gibt eine Lösung

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Im Pumpenbauwerk Dresel wurde bislang wurde nur das Abwasser geimpft, doch auch die Abwasserstrecke von Ütterlingsen nach Husberg muss behandelt werden.

Werdohl – Der nächste Sommer soll entspannter werden für die Bewohner in Ütterlingsen - und geruchsneutraler. Denn jetzt geht's den Bakterien an den Kragen.

Mit Hilfe eines Schweriner Ingenieurbüros hat die Stadt eine Lösung für das Geruchsproblem in Ütterlingsen gefunden. Allein Beprobung, Auswertung und Analyse haben rund 10 000 Euro gekostet. Im Ergebnis soll den Bakterien, die sich in einer Druckleitung zu stinkendem Schwefelwasserstoff verwandeln, die Nahrung entzogen werden. 

Betroffene Anwohner in Ütterlingsen wurden von Tiefbauabteilungsleiter Martin Hempel über den Stand der Dinge informiert. Ziel ist, das Problem bis spätestens Anfang April in den Griff zu kriegen. 

Dass es in Ütterlingsen besonders in den Sommermonaten zu starken Geruchsbelästigungen durch die Kläranlage kam, ist schon seit 2017 ein Thema. Durch den außerordentlich trockenen Sommer 2018 wurde das Problem noch deutlich wahrnehmbarer als früher. 

Ruhrverband und Stadt gingen der Sache nach Anwohnerbeschwerden auf den Grund. Dabei wurde festgestellt, dass der Gestank nach faulen Eiern zwar aus der Kläranlage aufsteigt, aber in einem Druckleitungssystem der Stadt entsteht. 

Jeweils von Elverlingsen und von Dresel werden häusliche und gewerbliche Abwässer zu einer Station zum Husberg gepumpt, von dort wird das Abwasser über Stationen in Lengelsen und Wilhelmsthal der Kläranlage des Ruhrverbands in Ütterlingsen zugeführt. 

Die Tiefbauabteilung unter Martin Hempel, die auch für die Abwasserentsorgung der Stadt zuständig ist, nahm die Bürgerbeschwerden von Anfang an sehr ernst. Nach anfänglichem Herumprobieren war klar, dass dringend fachlicher Rat von außen eingeholt werden musste. Das Sondervermögen Abwasser beauftragte das Unternehmen Unitechnics aus Schwerin mit Analyse und Problemlösung. Ergebnisse dieser komplexen Beprobung und deren Auswertung legte Vertriebsingenieur Rene Gajowski Anfang vergangener Woche im Rathaus vor. 

Neu für Bauingenieurin Nina Hoffmann und ihren Chef Martin Hempel war, dass auch in der Druckleitung von Elverlingsen zum Husberg Schwefelwasserstoff entsteht. In den bisherigen Überlegungen war die Klärschlammverbrennung der Mark-E in Elverlingsen nicht ausreichend berücksichtigt worden. Mitarbeiter von Unitechnics fanden heraus, dass es in Elverlingsen an manchen Tagen eine extrem hohe CSB-Belastung gibt. Die Abkürzung steht für „Chemischer Sauerstoffbedarf“. Das ist die Sauerstoffmenge, die zum Abbau organischer Belastungen im Abwasser erforderlich ist. Je höher der Wert, desto stärker ist das Abwasser belastet.

Man kann Bürger und Betriebe ja nicht auffordern, mehr Wasser zu verbrauchen. Rene Gajowski, Ingenieur von Unitechnics Das Hauptproblem ist, dass in diesen Rohrleitungen zu wenig Wasser transportiert wird. Abwässer werden generell weniger, Haushalte und Betriebe sparen Wasser. 

Größere Ausfälle durch das stillgelegte Kraftwerk in Elverlingsen und durch die abgebrannte Galvanik in Dresel lassen das System noch trockener werden. Die Pumpen in den Druckleitungen laufen wegen fehlender Mengen seltener, in dieser Zeit stehen die Fäkalien im Rohr und haben Zeit, Gerüche in Form von Schwefelwasserstoff auszugasen. Gelangen die Abwässer in der Kläranlage Ütterlingsen an die frische Luft, stinkt es dort zum Himmel. 

Zwei technische Lösungen sind wirtschaftlich nicht darstellbar: Eine Absaugung der Ausgasungen über der Kläranlage oder eine ständige Druckluftreinigung der Rohre. Jetzt soll den Bakterien mit chemischen Tricks zu Leibe gerückt werden. In den Pumpenanlagen in Dresel und Elverlingsen werden Dosieranlagen eingebaut. Durch die Zugabe bestimmter Substanzen soll den Bakterien die Nahrung entzogen werden, die sie zum Ausgasen übler Gerüche veranlasst. 

Martin Hempel ist von dem Lösungsvorschlag angetan. Eine Dosiereinrichtung gibt es schon, doch das dort eingegebene Mittel zeigte nicht die erwünschte Wirkung . In den nächsten Wochen soll die eine Dosieranlage eingerichtet und die andere umgerüstet werden. Die Firma Unitechnics kann online Messwerte einsehen und die Dosierung aus der Ferne steuern. Hempel: „Wir werden an beiden Stellen die Abwässer nach neuen Erkenntnissen impfen und sind sehr zuversichtlich, dass wir damit die Geruchsproblematik beherrschen können.“ 

Unitechnics-Ingenieur Gajowski stellte der Stadt umfangreiches Wissen zur Verfügung, die Erläuterung der Vorgehensweise, der Messwerte und der Besprechung der Lösungsvorschläge dauerte zweieinhalb Stunden. Hempel ist wichtig, den Ütterlingsern zu vermitteln, dass viel Geld und Zeit investiert wird, damit es nicht wieder nach faulen Eiern riecht.

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