Gesichter in vielen Formen und Farben

Besucherinnen vor einer der Gesichts-Collagen von Maike Reininghaus und Thomas Volkmann. - Foto: Krumm

Werdohl – Gesichter sind das große Thema der Ausstellung „Achtung! Kunst“, die am Samstag zum ersten Mal in der Kunsthalle Südwestfalen in Eveking gezeigt wurde. Zahlreiche Besucher nutzten am Samstag die Gelegenheit, neue Werke von Maike Reininghaus, Jürgen Schubbe, Thomas Volkmann und Gerhard Kania zu sehen.

Mit großen Augen schaut das Wesen auf dem Blatt seinen Besucher an. Der Kopf - größer als das golden gewandete Hals–bis-Fuß-Wesen, dem er aufsitzt – ist leicht zur Seite gebeugt. Knitterig ist das Gesicht der jungen Dame – bis auf die Schnipsel aus der Illustrierten: Augen und Mund. „Ware Schönheit“ heißt das Werk, das Maike Reininghaus und Thomas Volkmann im Reigen einer ganzen Reihe von Collagen gemeinsam erdachten und spielerisch entstehen ließen. Das Spiel mit Proportionen und Disproportionen, mythologischen und literarischen Anspielungen, geborgter und verfehlter Schönheit, falschen Spiegelungen und Widersprüchen ist Programm in diesen unterhaltsamen Arbeiten. Und immer gibt es die Gewissheit: Das Bild schaut zurück. Über die Collagen hinaus zeigt Maike Reininghaus Bilder von Kindersoldaten, deren Spektrum von den langen Kerls der Preußen bis zum Matrosenanzug der russischen Revolution zu reichen scheint. Thomas Volkmann geht in weiteren Bildern auf einen erneuten Streifzug durch Literatur, Kunst und Christentum – eine Einladung, der der französische Dichter Lautréamont, der Maler Ernst Ludwig Kirchner, Frank Kafka, Arno Schmidt, Jesus und weitere illustre Figuren folgten.

Ganz anders schauen Jürgen Schubbes Portraits den Betrachter an. Aus der rohen Malweise, die von Nahem Strukturen wie in einem abstrakten Bild zeigt, entwickeln sich in der Zusammenschau Gesichter, die nie verhehlen, dass sie zusammengesetzt sind und sich jederzeit wieder auflösen können. Meistens füllen sie die Leinwand vollständig aus, manchmal werden sie von deren Grenzen sogar noch beschnitten, und zumeist schließt ihr farbiger und verkopfter Ego-Trip den Rest des Körpers oder gar weitere Objekte aus. Auf den Kopf beschränkt hat sich Jürgen Schubbert auch bei einigen Holzköpfen, denen die Säge ebenfalls ein eher rohes Äußeres verschaffte.

Einen weiteren und ganz anderen Zugang zum Thema „Individualität“ setzten Gerhard Kania und Thomas Volkmann gemeinsam in Szene. Sie machten aus den Steinen des Legolandes überdimensionale „Ego-Steine“ aus Beton, die im Produktionsprozess individueller als zunächst geplant gerieten. Aus dem Zufall wurde Methode: Nun bevölkern ganz unterschiedliche Ego-Steine die Ausstellung: Narziss mit dem Spiegel, ein angekokelter Biedermann-und-die-Brandstifter-Stein, ein vollständig „durchschaubarer“ und ein gekreuzigter Stein. Gerhard Kania machte sich darüber hinaus um eine bildliche Darstellung des Sprichworts „Hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen“ verdient. Doch gerade in der Kunsthalle Südwestfalen zeigt sich immer wieder, dass sich auch in der Provinz Erstaunliches und Interessantes ereignen kann.

Von Thomas Krumm

„Achtung! Kunst“ in der Kunsthalle Südwestfalen im Gewerbepark Eveking, Hauptstraße 67, ist noch einmal am Freitag, 24. April, von 18 bis 21 Uhr geöffnet.

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