Geschützter Außenbereich für Menschen mit Demenz

Der erste Bagger war gestern schon im Einsatz. Ein Teil der Rasenfläche und der Sträucher soll weichen. - Fotos: Heinze

WERDOHL -   Rund 50 000 Euro investiert das Evangelische Perthes-Werk für einen geschützten Außenbereich für Menschen mit Demenz, der derzeit am Wichernhaus entsteht. Der erste Bagger ist schon angerückt, um Sträucher und einen Teil der Rasenfläche zu entfernen. Auf dem etwa 400 Quadratmeter großen Grundstück neben der Einrichtung soll unter anderem ein Wegenetz geschaffen werden. Auch Pflanzflächen sind geplant, wie Einrichtungsleiterin Anja Rittinghaus mitteilt.

„Wir sind ein offenes Haus. Jeder Bewohner kann kommen und gehen wann er will“, erklärt Rittinghaus. Dennoch gebe es immer wieder Probleme mit Bewohnern, die auf Grund ihrer Krankheit einen großen Bewegungsdrang haben, sich oftmals aber nicht mehr richtig orientieren können. „Viele unserer Bewohner sind natürlich ehemalige Werdohler. Die kennen sich aus, finden aber manchmal nicht den Weg zurück“, berichtet Rittinghaus vom großen Spannungsfeld zwischen Verantwortung, gesetzlichen Regelungen sowie den Freiheitsrechten und Bedürfnissen der Bewohner.

Mit dem neu gestalteten Außenbereich solle ein Mittelweg gefunden werden, um den Bewohnern einerseits die Freiheit zu lassen und ihnen andererseits einen geschützten Rahmen zu bieten, so Rittinghaus. Dort sollen sie sich künftig bewegen können, ohne potentiellen Gefahren ausgesetzt zu sein. Ein Zaun und ein speziell gesichertes Gartentor, sollen dafür sorgen, dass die Bewohner den Außenbereich nicht unbemerkt verlassen können.

„In dem Bereich sollen sich die Bewohner frei bewegen können, ohne das dauernd eine Pflegekraft hinter ihnen steht, die sie bittet mit ins Haus zu kommen“, so Anja Rittinghaus. Damit die Menschen mit Demenz den Außenbereich sowohl bei gutem als auch bei schlechtem Wetter nutzen können, sind Unterstände geplant, die beispielsweise Schutz vor leichtem Nieselregen bieten sollen.

Hochbeete mit Kräutern könnten von Betreuungskräften und Senioren gleichermaßen gepflegt werden. Ein Wasserspiel und Strandkörbe an verschiedenen Stellen sollen für eine mediterrane Wohlfühl-Atmosphäre sorgen. Das Wegenetz, das in dem Außenbereich entsteht, soll den Bewohnern die Möglichkeit geben, nach Lust und Laune spazieren zu gehen. Die Bauabteilung des Perthes-Werkes in Münster habe die Pläne entworfen, die Firma Ochsenpfad kümmere sich in den nächsten Wochen um die Umsetzung. So müsse ein Teil des Geländes mit Erde aufgefüllt werden.

Der Außenbereich wird barrierefrei gestaltet und soll auch von Bewohnern, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, genutzt werden können. Das jemand wegläuft, da ist sich Rittinghaus sicher, könne auch durch den geschützten Außenbereich nicht grundsätzlich verhindert werden. „Wir können den Bewohnern nicht die Freiheit nehmen, um unser Gewissen zu beruhigen“, betont sie.

Im Wichernhaus in der Stadt an Lenne und Verse werden rund 75 Bewohner von etwa 80 Vollzeit- und Teilzeitkräften betreut, wie Rittinghaus abschließend erklärte.

Von Ute Heinze

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