Was geschieht mit der Kreuzkirche nach dem letzten Gottesdienst?

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In der Kreuzkirche findet am 30. Dezember letztmals ein Gottesdienst statt.

Werdohl - Genau 19 054 Tage nach der Einweihung der Kreuzkirche auf der Königsburg wird dort am 30. Dezember der letzte Gottesdienst gefeiert. Welche Möglichkeiten gibt es für die Zeit danach?

Eine seit Jahren schrumpfende Zahl von Gemeindegliedern zwingt die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl zu Sparmaßnahmen. Die Schließung der modernsten der Werdohler Kirchen ist nicht der erste Einschnitt. „Wir sind ja schon länger in strukturellen Veränderungsprozessen, um die Kirche zukunftsfähig zu machen“, sagt Pfarrer Dirk Grzegorek und verweist darauf, dass es vor 16 Jahren in Werdohl noch zwei evangelische Pfarrstellen und eine Entsendungsdienststelle gegeben hat. Davon sind noch zwei Pfarrstellen übrig geblieben. 

Grzegorek glaubt auch, dass die Schrumpfung damit noch nicht abgeschlossen ist. „Die Zukunft liegt langfristig in der Christuskirche und in dem Gemeindehaus in der Stadtmitte“, sagt er. 

Doch was wird aus der Kreuzkirche, wenn dort nach dem Jahreswechsel keine Gottesdienste mehr gefeiert werden, kein Gemeindeleben mehr stattfinden wird? Noch sind nicht alle Entscheidungen gefallen. Es gibt noch verschiedene Optionen für das Gotteshaus und seine Ausstattung.

Was wird aus dem Kirchengebäude? 

„Wir sind in engen Gespräche mit dem Kreiskirchenamt“, sagt Pfarrer Gzegorek. Es habe schon Versuche gegeben, das Gebäude zu vermarkten, etwas Konkretes habe sich aber noch nicht ergeben. Bis Ende März 2019 sollen die Bemühungen noch fortgesetzt werden. 

Welche Nutzungsmöglichkeiten sind denkbar? 

Die Evangelische Kirche von Westfalen bevorzugt Nutzungsmöglichkeiten, die dem besonderen Charakter einer ehemaligen Kirche und ihrer ursprünglichen Bestimmung nicht widersprechen. Möglich sind Nutzungen durch Kultureinrichtungen, Lager- oder Büroräume. Auch ein Umbau zu einem Restaurant wäre denkbar. Die Verwendung einer entwidmeten Kirche als Moschee ist ausgeschlossen. Andere christliche Religionsgemeinschaften dürften dagegen einziehen. 

Der Kirchenraum ist durch seine Höhe und klare Linienführung geprägt.

Was passiert, wenn das Gebäude nicht verkauft werden kann? 

„Ein Leerstand kostet Geld, schürt aber auch die Emotionen“, weiß Pfarrer Grzegorek. Deshalb habe die Kirchengemeinde auch einen Plan B, für den Fall, dass es mit einer Vermarktung der Immobilie nicht klappen sollte. „Ein Gutachten über einen möglichen Abriss liegt vor“, skizziert Grzegorek den wahrscheinlichen Weg. Falls ein Abriss notwendig werden sollte, versichert der Pfarrer, werde dieser nicht aus dem laufenden Haushalt der Kirchengemeinde, sondern aus dem Pfarrvermögen bezahlt. Das Pfarrvermögen dient eigentlich ausschließlich der Besoldung und Versorgung des örtlichen Pfarrers und ist als Stiftungsvermögen in seinem Bestand ungeschmälert zu erhalten. „Vor zehn Jahren wäre das auch noch undenkbar gewesen, aber das Landeskirchenamt hat sich da geöffnet“, hat Grzegorek eine gewisse Flexibilität im Umgang mit dem Kirchenvermögen festgestellt. 

Werden die Glocken verstummen? 

„Die Tagesglocken werden nicht verstummen, sondern weiterläuten“, verspricht Küster Herbert Bast. „Niemand muss den Bus verpassen, weil die Stundenglocke nicht geschlagen hat.“ Und in der Silvesternacht werde er auch das neue Jahr einläuten. 

Wo bleibt das Kircheninventar? 

„Wir möchten gewisse Dinge gerne woanders sinnvoll weitergenutzt wissen“, sagt Pfarrer Grzegorek mit Blick auf Taufbecken, Kanzel und Altar aus Anröchter Dolomit. Eine Vermarktung sei wohl über das Kreiskirchenamt möglich. Audio-, Video- und Lichttechnik könnten in anderen Werdohler Kirchen oder in der Kapelle des Friedhofes Landwehr weiterverwendet werden. Für einige Kirchenbänke sei eine Folgenutzung als Außensitzbänke an den beiden anderen evangelischen Kirchen in Werdohl denkbar. „Das Abendmahlsgeschirr geht mit in die Christuskirche oder in die Friedenskirche“, erklärt Grzegorek, das über den Verbleib von Kelche noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. „Wir wollen auf Fall sichtbar etwas aus der Kreuzkirche mit in die Gemeinde nehmen“, versichert der Pfarrer, dass Teile der aufgegeben Kirche an anderer Stelle in Werdohl weiterleben sollen. Mit der Wand aus bunten Glasbausteinen, ein von dem Hagener Künstler Gerhardi geschaffenes prägendes Element der Kreuzkirche, wird das nicht gehen. 

Die Jehmlich-Orgel verfügt über 20 Register und 1476 Pfeifen. Sie wurde allerdings erst gut zwei Jahre nach der Kircheneinweihung eingebaut.

Was wird aus der Orgel? 

Die Kirchenorgel zu verkaufen, dürfte schwierig werden, denn sie kann nur als Ganzes weiterverwendet werden. Organist Detlef Seidel hat den Auftrag, einen Abnehmer für das 1968 von der Dresdner Firma Jehmlich gebaute Instrument zu finden. 65 000 Mark hat die Kirchenorgel damals gekostet. So viel Geld wird die Gemeinde wohl kaum bekommen können. Seidel hat aber bereits Kontakt zu einem Unternehmen aufgenommen, das Käufer für gebrauchte Pfeifenorgeln über ein internationales Netzwerk an Gemeinden in Europa und Übersee vermittelt. Wer weiß: Vielleicht erklingt die Orgel der Kreuzkirche später einmal in einer Kirche in Mexiko, Japan oder in der Slowakei. Denn während in Deutschland Kirchen schließen, wächst die Zahl der christlichen Gemeinden in anderen Teilen der Erde rasant. Egal, wohin es die Orgel auch verschlägt, Detlef Seidel, wird ihr nachtrauern: „Ich habe immer ausgesprochen gerne auf dieser Orgel gespielt“, sagt er und erinnert sich an 40 Jahre, in denen er viele Trauungen und Taufen auf dem Instrument begleitet hat.

Am Sonntag, 30. Dezember, beginnt um 10.30 Uhr in der Kreuzkirche der kirchengeschichtlich letzte Gottesdienst, zu dem alle Menschen aus der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl eingeladen sind. Gestaltet wird dieser besondere Anlass von Pfarrer i.R. Martin Kämper, der über viele Jahre das Gemeindeleben rund um die Kreuzkirche geprägt hat, dem Kreuzkirchenchor unter der Leitung des ebenso langjährigen Kirchenmusikers Detlef Seidel, von Gemeindepädagogin Kerstin Sensenschmidt, Pfarrer Dirk Grzegorek und vielen Ehrenamtlichen.

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