Noch keine Lösung

Geruchsproblem in Ütterlingsen viel komplexer als gedacht

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Pumpenbauwerk und Regenrückhaltebecken Dresel der Stadt Werdohl liegen auf dem Gelände von Superior Industries. Die dort getestete Dosiereinrichtung, die in der Kläranlage Ütterlingsen austretenden Gerüche nach faulen Eiern verhindern soll, erzielte nicht die gewünschte Wirkung.

Werdohl - Der Ruhrverband und die Stadt Werdohl arbeiten weiter am Geruchsproblem in der Ütterlingser Kläranlage, das offensichtlich viel komplexer ausfällt als zunächst gedacht.

Mittlerweile wurde ein hoher technischer Aufwand getrieben, ohne dass bislang eine Lösung gefunden werden konnte. Messergebnisse sollen jetzt endlich darüber Aufschluss geben, wo der schwefelige Geruch nach faulen Eiern entsteht. 

Tiefbauchef Martin Hempel hat den Anliegern in Ütterlingsen versprochen: „Die Leute sollen wieder ohne Gestank im Sommer in ihren Gärten und auf den Balkonen sitzen können.“ Der Gestank nach Schwefelwasserstoff wird in der Schmutzwasser-Förderanlage in der Kläranlage unterhalb der Wohnsiedlung Ütterlingsen freigesetzt. Die Ursache ist allerdings bis heute unklar. An irgendeiner Stelle entsteht der Geruch im Pump- und Leitungssystem auf der Strecke von Elverlingsen über Dresel und Husberg nach Ütterlingsen. 

In einer ersten Reaktion wurde das Schmutzwasser geimpft. In Dresel betreibt die Stadt ein Pumpwerk, dort war eine Dosieranlage eingebaut. Hempel: „Die Impfung des Schmutzwassers hat leider nicht den gewünschten Erfolg gehabt.“ Dann wurde durch Abschiebern bestimmter Einleiter versucht, den Verursacher zu finden. Doch auch das blieb erfolglos. Hempel und seine Leute waren mit ihrem Fachwissen am Ende, es mussten Experten zu Rate gezogen werden. 

Immer geringere Abwassermenge 

In Abstimmung mit dem Ruhrverband gab die Stadt Werdohl bei einem Fachbüro eine Messung in Auftrag. Das Unternehmen setzte für mehrere Wochen Sensoren in die Pumpleitung und zeichnete diese Daten auf. Auf die Ergebnisse wird noch gewartet, das Fachbüro ist mit der Auswertung beschäftigt. 

Das Problem scheint die immer geringer werdende Abwassermenge aus Elverlingsen und Dresel zu sein. Im Frühjahr wurde das Kraftwerk abgeschaltet, Gerhardi brannte ab und leitet seitdem auch kaum noch Abwasser ins System. Gerhardi zum Beispiel leitete relativ sauberes Produktionswasser ein, dass zur erwünschten Verdünnung der Abwässer diente. 

Es entstehen vermehrt Bakterien

Da die immer weniger werdenden Abwässer kaum noch verdünnt werden, entstehen vermerkt Bakterien im Abwasser. Möglicherweise gebe es auch neue Einleitungen, die für die Geruchsbildung in Frage kämen. Es könne aber auch mit der besonderen Trockenheit des Sommers 2018 zu tun haben. 

Harro Feckler vom Ruhrverband erklärt das so: „Die Bakterien fressen den Sauerstoff aus dem Wasser. Durch die Sulfatreduktion entsteht Sulfit, der wird später zu Schwefelwasserstoff.“ Das Fachbüro habe prozessbegleitende Gassensoren eingebaut, deren Messungen für Aufschluss sorgen sollen. Feckler: „Es geht hier nicht um irgendwelche Schuldzuweisungen, sondern wir wollen der Sache auf den Grund gehen.“ Vor Wochen habe er die Angelegenheit zur „Chefsache“ erklärt, da halte er Wort: „Wir nehmen die Sache nach wie vor sehr ernst.“ 

Während es im Sommer auch durch eine Art Spülaktion der Pumpenstrecke massive Geruchsbelästigungen gegeben habe, sei aktuell immer noch ein leichter Geruch festzustellen. Die Mitarbeiter der Kläranlage Ütterlingsen berichteten aus eigener Wahrnehmung, dass immer wieder mal Gerüche nach Schwefelwasserstoff zu bemerken seien.

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