Haus entmüllt: Plötzlich fehlt der Heizkessel

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Ein Heizkessel wurde beim Entrümpeln einfach abgebaut.

Werdohl - Eigentlich sollte der Räumtrupp nur Müll aus dem Haus schaffen. Doch plötzlich fehlt der ganze Heizkessel. Was bleibt: ein riesiger Wasserschaden.

Vollgemüllt wie die Wohnung eines Messies war die alte Metzgerei in Kleinhammer bis September 2017. So jedenfalls berichtete es ein Zeuge im Amtsgericht Altena, der das Gebäude entrümpeln lassen wollte. Der Abtransport erwies sich als aufwendig. 

Und am Ende fehlten im Haus nicht nur Unmengen an losem Müll, sondern auch die Heizungsanlage mitsamt einer ganzen Reihe von Heizkörpern. Die Heizung hätte eigentlich drin bleiben sollen, erklärte der Zeuge, der nach einer Baustellenbesichtigung schließlich die Polizei gerufen hatte. 

Er bezichtigte einen Schrotthändler aus Recklinghausen, unberechtigt Leitungen gekappt und den Keller dadurch unter Wasser gesetzt zu haben. Ein Gutachten bezifferte den Schaden auf 34 650 Euro. 

Doch die Geschichte erwies sich als erheblich komplizierter, wie sich im Laufe der Verhandlung herausstellte. Zunächst hatten die Eigentümer eine Entrümpelungsfirma beauftragt. „Wir sollten das Haus leeren. Alles sollte raus“, erinnerte sich ein Zeuge vor Gericht. Er war als Praktikant für die Firma tätig, die am 19. September 2017 zwei weitere Mitarbeiter vor Ort hatte. 

Alle drei nannten mehrere Gründe, warum sie Schrottsammler eigenmächtig als Helfer hinzugerufen hatten. „Der Müll sollte getrennt werden.“ Das hätte die Firma aber auch selbst machen können. Die Schrottsammler sollten sich laut Mitarbeiter aber vorab schon mal Metalle raussuchen. Der zweite Grund war Bequemlichkeit der beauftragten Firmenmitarbeiter: „Um sich das Leben leichter zu machen“, begründete ein Zeuge den eigenmächtigen Anruf bei den Schrottsammlern. 

Richter skeptisch

Für die aus Recklinghausen mit zwei Transportern angereisten Helfer habe man aber immerhin schon mal einige Gegenstände rausgestellt: Alte Schippen, Haken, Barhocker mit Metallstreben und einen alten Tresor. 

Nicht erst da wurde Richter Dirk Reckschmidt skeptisch, ob sich der Aufwand für die weit angereisten Schrottsammler auch nur entfernt hätte bezahlt machen können: „Es gibt kein Geld für ein altes Solarium, einen alten Fernseher und einen Computerbildschirm.“ Hingen die später zutagegetretenen Probleme auch damit zusammen, dass die Mitarbeiter der Entrümpelungsfirma wegen Sprachbarrieren der Schrottsammler „nur mit Zeichensprache“ auf die mitzunehmenden Gegenstände hinweisen konnten? 

Drei Mitarbeiter der Firma waren im Haus, während die Schrottsammler einpackten. „Ich musste arbeiten und konnte nicht darauf achten, was die machten“, lautete die in mehreren Varianten wiederholt vorgetragene Kernaussage. 

Acht Heizkörper und Kessel abgetrennt

Keiner wollte etwas davon mitbekommen haben, dass der 28-jährige Angeklagte und mögliche Mittäter angeblich Armaturen, sieben bis acht Heizkörper und einen riesigen Standheizkessel abgetrennt und in ihre Fahrzeuge verladen hatten. 

Bei der unsachgemäßen Entfernung soll über den direkten Schaden hinaus das Haus auch durch austretendes Wasser geflutet worden sein. Ein Zeuge erinnerte sich jedoch plötzlich, dass er den Angeklagten mit dem großen Kessel am Auto gesehen habe. 

Aber auch das war für den Richter letztlich nicht überzeugend, denn nach dieser Beobachtung war weiterhin unklar, wer die Heizung abmontiert und ob der Angeklagte möglicherweise einen entsprechenden Auftrag bekommen hatte. Bei dieser Skepsis gegenüber den Schilderungen blieb es – und bedeutete Freispruch für den Angeklagten. 

„Drei Leute waren da. Kein Einziger hat beobachtet, dass das Haus verwüstet und leer geräumt wurde“, stellte der Richter in der Urteilsbegründung fest. „Es konnte nicht nachgewiesen werden, von wem die Gegenstände abgebaut und von wem sie abtransportiert wurden. Was genau auf der Baustelle passierte, war nicht festzustellen.

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