Mit 225-PS-Auto Mann umgefahren

+

Werdohl - Wie schnell war der 27-Jährige, als er in der Nacht zum 2. Juli einen 25-jährigen „Widersacher“ auflud und schwer verletzte? Unfallgutachter Günther Reith errechnete aus den Spuren an dem Mercedes eine Geschwindigkeit von etwa 40 Stundenkilometern.

Dabei ergab sich eine Beschleunigungszeit von etwa drei Sekunden, um 20 bis 25 Meter zurückzulegen und am Ende der Strecke mit 40 Km/h unterwegs zu sein. Eine solche Rechnung passe zu den örtlichen Gegebenheiten, auch wenn die Straße „Altes Dorf“ keinen großen Anlauf erlaube, erklärte der Gutachter. Denn bei einer Motorleistung von 225 PS (165 kW) brauche ein Mercedes der C-Klasse lediglich 20 bis 30 Meter Anlauf, um bis zu 55 Stundenkilometer schnell zu werden: „Es kann mehr gewesen sein.“

Verteidiger Andreas Trode säte Zweifel an den 40 Stundenkilometern: „Ich will die Geschwindigkeit so weit wie möglich runterkriegen.“ Und so widmeten sich alle Prozessteilnehmer sehr intensiv der Frage, wie zuverlässig die vorhandenen Schäden über Geschwindigkeit und Ablauf der Kollision Auskunft geben. Der Gutachter sah es dabei als erwiesen an, dass das Opfer nicht quer zur Fahrtrichtung des Autos über die Straße gelaufen war, als der Mercedes angerauscht kam. Allenfalls sei ein Gehen mit einer Geschwindigkeit von höchstens fünf Stundenkilometern denkbar.

Staatsanwältin Beatriz Föhring fragte nach den Folgen, die normalerweise bei einem solchen Zusammentreffen von Auto und Fußgänger zu erwarten seien. Wäre der 25-Jährige nicht hochgesprungen, wären beim Zusammenstoß der Unterschenkel mit der Stoßstange Knochenbrüche zu erwarten gewesen, erklärte der Experte. Nach einem ersten Aufschlagen auf der Motorhaube schlage zumeist der Kopf gegen die Frontscheibe. „Da ist dann mit entsprechenden Verletzungen zu rechnen.“

Stattdessen müsse der 25-Jährige auf der Fahrerseite fast senkrecht in die Frontscheibe eingeschlagen sein. Der rechte Fuß verlor dabei seinen Schuh, der im Auto verblieb. Wie es dann zum Bruch der Kniescheibe des Opfers gekommen war, blieb gestern ungeklärt.

Einen derart ungewöhnlichen Sachverhalt habe sie in ihrer Berufslaufbahn noch nicht gesehen, sagte Rechtsmedizinerin Heidi Pfeiffer. Die Verletzung sei nur durch eine „intensive stumpfe massive Gewalteinwirkung von vorn“ zu erklären. Der Sprung des Opfers löste erneut Debatten aus, wie man sich diesen vorzustellen habe. Verteidiger Andreas Trode hatte eigens die Sprungtechnik von Basketballern in Augenschein genommen und zeigte sich immer noch skeptisch gegenüber den Aussagen des Opfers. Allerdings spricht kaum etwas dafür, dass der 25-Jährige seinerseits mutwillig in die Frontscheibe des Mercedes gesprungen wäre.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare