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Erst fünf Jahre nach Galvanik-Brand wird der belastete Boden entsorgt

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Von: Volker Heyn

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Ein Bagger und ein Brecher entsorgen Bodenplatte und Boden der 2017 abgebrannten Galvanik der Firma Gerhardi im Werdohler Gewerbegebiet Dresel. Die Baustelle liegt in der Verantwortung von Gerhardi, während das Unternehmen Duschking bald alle Flächen übernimmt.
Ein Bagger und ein Brecher entsorgen Bodenplatte und Boden der 2017 abgebrannten Galvanik der Firma Gerhardi im Werdohler Gewerbegebiet Dresel. Die Baustelle liegt in der Verantwortung von Gerhardi, während das Unternehmen Duschking bald alle Flächen übernimmt. © Volker Heyn

Nach der erzwungenen Flucht aus dem von der Flut total beschädigtem Gebäude in Altena hat die Firma Duschking in Dresel eine neue Heimat gefunden. Die Übernahme von Grundstück und Gebäuden von der Firma Gerhardi steht unmittelbar bevor. Nur für die Entsorgung der Betonplatte und des belasteten Bodens der 2017 abgebrannten Galvanik ist noch der ursprüngliche Besitzer zuständig.

Werdohl - Tobias Murza, Geschäftsführer von Duschking, fand nur Tage nach der Flutkatastrophe Hilfe bei Gerhardi in Dresel. Mit aller Kraft gelang der Umzug von Material und Maschinen, im September konnte Duschking schon wieder aus Werdohl liefern. Das Altenaer Gebäude ist mittlerweile aufgegeben, es wird höchstwahrscheinlich komplett abgerissen. Wer das zahlt und wie das vonstattengeht, muss noch geklärt werden. Murza schaut lieber nach vorn, denn in Dresel ist alles geklärt: Der Eigentumsübertrag der Flächen von Gerhardi an Duschking stehe unmittelbar bevor, sagte Murza auf Anfrage.

Die Fläche, auf der einst die Gerhardi-Galvanik stand, übernimmt Murza erst ausdrücklich nach der Altlastensanierung durch Gerhardi. Konkrete Pläne gebe es für die freie Fläche nicht, Murza: „Wir kaufen die Fläche der ehemaligen Bodenplatte mit, damit wir für die Zukunft genügend Platz haben.“

Nach dem Brand 2017 begann Gerhardi sofort mit dem planmäßigen Aufräumen der Ruine und mit dem Abriss der Halle. Der Abbruch wurde von der Bauaufsicht der Stadt Werdohl genehmigt. Alexander Bange, Pressesprecher des Märkischen Kreises: „Die Stellungnahme der Unteren Bodenschutzbehörde im Januar 2018 beschränkte sich auf die übliche Auflage, den Abbruch unter gutachterlicher Begleitung durchzuführen, um den Boden auf Kontaminationen zu überprüfen.“ Dies sei beim Kreis der Standard, wenn keinerlei Erkenntnisse über tatsächliche Belastungen vorliegen, die Behörde aber aufgrund der Nutzungsart – hier als Galvanik – nach Landesrecht verpflichtet ist, die Fläche im Altlastenkataster als Verdachtsfläche zu führen.

Fünf Jahre lang war die Bodenplatte der 2017 abgebrannten Galvanik von Firma Gerhardi mit einer Kunstharzschicht versiegelt.
Fünf Jahre lang war die Bodenplatte der 2017 abgebrannten Galvanik von Firma Gerhardi mit einer Kunstharzschicht versiegelt. © Heyn, Volker

Die Zuständigkeit für die weitere Sanierung bis heute lag deshalb bei der Bezirksregierung Arnsberg. Dort hat man erheblichen Aufwand betrieben, um das Grundwasser vor Auswaschungen von Altlasten aus dem Beton und dem darunterliegenden Boden zu schützen. Behördensprecher Christoph Söbbeler schilderte auf Nachfrage den Ablauf seit dem Brand in 2017.

Demnach war Gerhardi aufgrund zweier Bundesgesetze (Immissionsschutz- und Bodenschutzgesetz) verpflichtet, Bodenverunreinigungen zu beseitigen. Söbbeler: „Da die Firma Gerhardi sich durchweg kooperativ zeigte und ihren Pflichten nachkam, wurde keine Ordnungsverfügung erlassen.“

Unter Aufsicht der Bezirksregierung wurden nach Abraum aller restlichen Gebäudeteile ausführliche Boden- und Grundwasseruntersuchungen durchgeführt, aus denen durch einen Sachverständigen ein umfangreicher Sanierungsplan erarbeitet wurde. Die Bodenplatte wurde abgefräst und mit einer Kunstharzbeschichtung versiegelt, um das Eindringen von Niederschlagswasser durch die Bodenplatte in die unterhalb liegende nachgewiesene Bodenverunreinigung zu verhindern. Das Grundwasser wurde durch bereits vorhandene Grundwassermessstellen überwacht. Die Behörde ist sich sicher, dass damit keine Gefahr mehr von dem Betriebsgelände ausging.

Im November 2017 war die Galvanik von Gerhardi in Dresel komplett ausgebrannt. Das Foto entstand in den ersten Minuten nach Löschung des Feuers, als Einsatzkräfte die Halle betreten konnten.
Im November 2017 war die Galvanik von Gerhardi in Dresel komplett ausgebrannt. Das Foto entstand in den ersten Minuten nach Löschung des Feuers, als Einsatzkräfte die Halle betreten konnten. © Volker Heyn

Die Platte schlummerte versiegelt vor sich hin, bis im Juli 2021 die Flut auch durchs Lennetal rauschte. Auf Veranlassung der Bezirksregierung wurde in Dresel vorsorglich eine zusätzliche Grundwassersicherungsanlage mit einer Brunnengalerie installiert, um den Austrag von Schadstoffen durch starke Schwankungen des Grundwasserpegels zu verhindern. Das so gereinigte Grundwasser wird bis heute regelmäßig beprobt und in die Kanalisation eingeleitet.

Aufgrund der Coronapandemie, so Söbbeler, sei es zu Verzögerungen gekommen, bis die endgültigen Sanierungsarbeiten begonnen werden konnten. Hauptproblem war, dass es keine Kapazitäten auf den Entsorgungsanlagen für das verunreinigte Bodenmaterial gab. Vor einem Jahr kamen dann noch aufgrund vieler Flutschäden in NRW unglaubliche Mengen von belastetem Material hinzu, das auf Deponien gebracht werden muss. Söbbeler: „Die Entsorgung von mit per- und polyfluorierten Tensiden (PFC) belastetem Bodenmaterial ist aufgrund der geringen Anzahl der Entsorgungsanlagen äußerst schwierig.“

Die jetzige Sanierung sei deswegen unabhängig vom geplanten Eigentümerwechsel, so der Sprecher der Bezirksregierung. Derzeit werden die Arbeiten durch eine Fachfirma unter Überwachung der Bezirksregierung und mithilfe eines Sachverständigen durchgeführt. Das Grundwasser wird überwacht. Mit einem Abschluss ist im Herbst 2022 zu rechnen.

Die Kosten der Sanierung trägt komplett die Firma Gerhardi.

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