Geraucht, gesoffen und danach geklaut

WERDOHL ▪ Vor allem auf Zigaretten hatte es eine Bande junger Einbrechern abgesehen, die vom 6. Mai bis zum 11. August 2011 Tankstellen, ein Kiosk und ein Elektronikfachgeschäft in Werdohl, Neuenrade, Balve und Lüdenscheid heimsuchte.

Die 9. Strafkammer des Landgerichts Hagen verurteilte die Täter am 16. Mai zu Freiheitsstrafen zwischen neun Monaten sowie zwei Jahren und sechs Monaten. Gestern begann vor der gleichen Kammer der Prozess gegen einen 25-jährigen Werdohler, der die Beteiligung an zwölf dieser Einbrüche gestand.

In einen Kiosk am Werdohler Bahnhof brachen die Täter gleich mehrfach ein, ebenso in die Aral-Tankstelle in Balve, die Shell-Tankstelle in Neuenrade und die BFT-Tankstelle in Werdohl. Jeweils einmal verschafften sich die Einbrecher mittels brachialer Gewalt Zutritt zu den Verkaufsräumen der Star-Tankstelle und der Total-Tankstelle in Lüdenscheid-Oberrahmede sowie zur McDonalds-Filiale in Werdohl. Bei allen Einbrüchen wurden Fenster oder Eingangstüren der Verkaufsräume mit schweren Gegenständen zertrümmert. Ein Sonderfall war die Filiale eines Elektronikgeschäfts in Neuenrade, in dem die Einbrecher unter anderem Bildschirme und Mobiltelefone wegschleppten. In den Tankstellen und dem Kiosk erbeutete die Bande neben ein paar Flaschen Whisky und Haribo-Goldbären Zigarettenschachteln und -stangen. Die Menge schwankte zwischen einem Minimum von 100 Zigarettenschachteln im Wert von rund 500 Euro und 600 Zigarettenschachteln im Ankaufswert von 2800 Euro. Die Täter verteilten die Beute oder verkauften sie an einen Hehler, um anschließend den Erlös je nach der Tatbeteiligung unter sich aufzuteilen.

Der Angeklagte gestand, an den Einbrüchen in unterschiedlicher Weise beteiligt gewesen zu sein: Vom Schmiere-Stehen bis zum Ausräumen des Kiosks und der Tankstellenräume war fast alles dabei. Einen Punkt bestritt der Angeklagte vehement: „Ich habe nie eine Scheibe eingeschlagen oder mit Werkzeug etwas aufgebrochen.“ Staatsanwalt Dr. Klein erinnerte daraufhin an die Aussagen der Mittäter: „Alle Anderen haben hier etwas Anderes erzählt.“ Angesichts weiterer gravierender Differenzen zwischen der Aussage des Angeklagten und der Mittäter kündigte der Vorsitzende Richter Krause eine nachträgliche Ladung der Mittäter an.

Breiten Raum nahm gestern der Tatbeitrag von Alkohol und Marihuana ein. Ausführlich schilderte der Angeklagte, wie die ganze Gruppe vor den Einbrüchen, die sich immer in den frühen Morgenstunden abgespielt hatten, Marihuana geraucht hatte. Er selbst wollte in den meisten Fällen zudem stark angetrunken gewesen sein.

Trotz einiger Ungereimtheiten in den Aussagen des Angeklagten soll sich an der Kürze des Prozesses nichts ändern. Schon für morgen Mittag kündigte Richter Krause das Urteil an.

Von Volker Heyn

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