Sozialplan durchgesetzt

Georg Fischer schließt Werk im MK: So viele Menschen müssen gehen

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Der Betriebsrat von Georg Fischer hat am Montag der Belegschaft den Sozialplan vorgestellt, im Laufe des Jahres wird die Gießerei geschlossen. Der stellvertretende Vorsitzende Bilal Karakilic (3. von rechts), Schriftführer Marius Chylka (3. von links) und Haudegen wir Detlef „Paco“ Bremser (rechts) haben mit ihrer Vorsitzenden Bärbel Steffen nach eigenen Angaben das „Maximum“ erreicht.

Werdohl – Bärbel Steffen, allein an der Spitze von zehn Männern im Betriebsrat von Georg Fischer, ist etwas angeschlagen vom Stress der vergangenen Monate.

Wie eine Löwin kämpfte sie Seite an Seite mit ihren „Jungs“ vom Betriebsrat mit den Bossen des Georg-Fischer-Konzern in der Schweiz. Montag wurde der Sozialplan den Beschäftigten vorgestellt, jetzt fällt die Anspannung ab und Steffen hütet das Bett. 

Die Stimmung im Betriebsratsbüro an diesem Donnerstag ist – den Umständen entsprechend – gut: Auch wenn 341 Männer und Frauen im Laufe des Jahres ihre Arbeit verlieren, die zehn Männer sind stolz auf den für alle Kollegen ausgehandelten Sozialplan: „Ein sehr gutes Ergebnis.“ 

Besser als jede Gewerkschaft?

Anstelle von Bärbel Steffen spricht an diesem Morgen der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Bilal Karakilic: „Dieses Ergebnis hätte keine Gewerkschaft der Welt erreichen können.“ Die Männer in der Runde nicken, weil sie sich Sozialpläne anderer Unternehmen angeschaut haben. „Wir haben das Maximum für unsere Leute rausgeholt,“ sagt ein anderer. 

Symbolisch scheint der Stern von Georg Fischer in Werdohl am Bahnhof schon halb untergegangen zu sein, davor liegt Aluschrott herum.

Einige aus dem Betriebsrat sind sehr wohl Mitglied der IG Metall, der Organisationsgrad betrage vielleicht 20 Prozent. Aber auf die Bevollmächtigten Gudrun Gerhardt und Torsten Kasubke ist der Betriebsrat nicht gut zu sprechen. Noch einer schießt in Richtung Gewerkschaft: „Wir wollten die nicht dabei haben. Von unserem Abschluss kann die IG Metall nur träumen.“ Stattdessen hatte sich das elfköpfige Gremium Hilfe bei einem auswärtigen Rechtsanwalt geholt. Arbeitsrechtler Dr. Walter Woeller aus Wetzlar habe sie so gut beraten, dass in „harten“ Verhandlungen die „bestmöglichen“ Abfindungen erzielt worden seien. 

Es bleiben Frust und Enttäuschung

Dennoch bleibt hauptsächlich Frust und Enttäuschung übrig für die Männer nach diesen emotional anspruchsvollen Monaten. Betriebsratsmitglied Detlef „Paco“ Bremser, seit mehr als vierzig Jahren Gießer, bedankt sich bei der gesamten Belegschaft: „Die haben immer durchmalocht. Da hat keiner den Kopf in den Sand gesteckt.“ 

Dabei gab es von der Konzernspitze seit Juli vergangenen Jahres nur noch deprimierende Nachrichten. Marius Chylka ist Schriftführer im Betriebsrat und arbeitet in der Personalabteilung. Divisonsleiter Carlos Vasto von GF Casting Solutions habe im Juli 2019 den Beschäftigten mitgeteilt, dass das Werdohler Werk zu unproduktiv und zu teuer sei. Die Gießerei müsse nach Österreich und Rumänien verlagert werden, dort könne man günstiger Getriebegehäuse und Motorblöcke gießen. Außerdem gebe es Probleme bei den Aufträgen. Daraufhin erarbeitete der Betriebsrat gemeinsam mit einem Wirtschaftsprüfer einen Rettungsplan. Gleich nach dem ersten Entwurf forderte die GF-Geschäftsführung Nachbesserungen. 

Euphorie vollends zerschlagen

Am 17. Januar waren Steffen, Karakilic und Chylka in Schaffhausen. Nach diesem Besuch war die Euphorie, die Gießerei irgendwie retten zu könne, vollends zerschlagen. Der Betriebsrat informierte die Belegschaft. Chylka: „Danach wusste jeder, dass es keine Rettung gibt und wir geschlossen werden.“ Sieben Wochen lang wurde über den Sozialplan verhandelt, Montag tritt er in Kraft. Dann startet das Freiwilligenprogramm vom Betriebsrat, jeder bekommt individuell ein Angebot vorgerechnet. 

Die Alugießerei von Georg Fischer liegt direkt neben dem Betriebsgelände von Vossloh hinter dem Werdohler Bahnhof.

Exakt 341 Mitarbeiter werden im Laufe des Jahres nach und nach ihren Job verlieren. 441 Männer und Frauen sind in den beiden Werdohler GF-Werken beschäftigt, darunter etwa 70 Leiharbeiter. Bis zu 100 werden im Werk II an der Schlacht in der Teilebearbeitung bleiben. 

Nach Rumänien geht nichts

Maschinen und Aufträge werden übrigens im Laufe des Jahres in die GF-Werke Herzogenburg und Altenmarkt in Österreich gehen. Chylka weiß: „Nach Rumänien geht gar nichts.“ Dem Vernehmen nach können die dortigen Leichtmetall-Gießereien gar nicht die großen Gehäuse und Blöcke herstellen, wie sie in Werdohl gefertigt werden.

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