GF will Gießerei in Werdohl schließen

Georg Fischer will in Werdohl massiv Arbeitsplätze abbauen

+
Die Gießerei des Technologiekonzerns Georg Fischer an der Schlesingerstraße in Werdohl soll geschlossen werden.

Werdohl [Update: 16.20 Uhr] - Der Schweizer Technologiekonzern Georg Fischer (GF) will an seinem Standort Werdohl mittelfristig 300 Arbeitsplätze abbauen. Das hat das Unternehmen am Donnerstagmorgen mitgeteilt. Inzwischen gibt es dazu Stimmen aus Politik und Gewerkschaft

Die strukturellen Veränderungen in der Autoindustrie hätten zu einem  deutlichen Rückgang der Auslastung in mehreren europäischen Produktionsstätten der GF-Division Casting Solutions geführt. Das Unternehmen ergreift deshalb Maßnahmen und verlagert rund 300 Arbeitsplätze von Werdohl nach Rumänien und Österreich.

"Das Automobilgeschäft in Europa und insbesondere Westeuropa verändert sich rasch. Dies betrifft die Kunden- als auch die Mitbewerberseite, welche zunehmend in Osteuropa operieren", teilte die Konzernzentrale in Schaffhausen (Schweiz) am Donnerstagmorgen mit.

Gießerei in Werdohl schlecht ausgelastet

Insbesondere die GF-Leichtmetallgießerei in Werdohl habe in den vergangenen Monaten unter den sich verändernden Marktbedingungen und den Produktsortiment-Verschiebungen der Kunden gelitten. Dies habe zu einer stark rückläufigen Auslastung des Werkes geführt, das Druckgussteile wie zum Beispiel Motorblöcke und Getriebegehäuse für die Automobilindustrie fertigt und bearbeitet. Unter anderem bekommt GF auch die Auswirkungen des Abgasskandals in der Automobilindustrie zu spüren.

Dieser Bereich ist nicht betroffen

Alle möglichen Optionen für den Standort seien sorgfältig geprüft worden, teilte das Unternehmen mit. Es habe sich jedoch gezeigt, dass Werdohl als Gießereistandort nicht mehr wettbewerbsfähig sei.

Das in Ütterlingsen an der Schlacht angesiedelte Werk2 von Georg Fischer ist von den Schließungsplänen nicht betroffen.

In den nächsten 18 Monaten sollen deshalb rund 300 Arbeitsplätze in der Werdohler Gießerei nach Rumänien und Österreich verlagert werden. Nicht tangiert von der Verlagerung sei der erst vor kurzem an der Schlacht in Ütterlingsen aufgebaute Bereich Bearbeitung mit 90 Mitarbeitenden, teilte GF mit.

Gespräche mit Betriebsrat laufen

Für die betroffenen Mitarbeitenden der Gießerei an der Schlesingerstraße in Werdohl werde zusammen mit der Arbeitnehmervertretung nach sozialverträglichen Lösungen gesucht, heißt es in den Mitteilung. Beispielsweise wolle GF den betroffenen Gießereimitarbeitern Stellenangebote an anderen Druckguss-Standorten von GF anbieten. Betriebsbedingte Kündigungen sollen zumindest in diesem Jahr nicht ausgesprochen werden. Die Gespräche mit dem Betriebsrat seien aufgenommen worden.

Das sagen Bürgermeisterin und Gewerkschaft

Silvia Voßloh, Bürgermeisterin war von dem Vorhaben des Unternehmens überrascht: "Damit habe ich nicht gerechnet", sagte sie. Für die Mitarbeiter sei die Schließung ein Schlag ins Gesicht. Dass sie nun Zukunftsängste hätten, sei verständlich. "Ich hoffe, dass alle Beteiligten die verbleibende Zeit nutzen werden, um für die Mitarbeiter und ihre Familien gute Lösungen zu finden", erklärte Voßloh. Auch die Stadt Werdohl treffe die Standortaufgabe hart. Die Mitarbeiter hätten ja ihre Zukunft darauf aufgebaut, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. "Die Unsicherheit die jetzt entsteht, tut der Stadt nicht gut", fand die Bürgermeisterin.

Andreas Haubrichs, Wirtschaftsförderer der Stadt Werdohl, räumte ein, die Hintergründe der Werksschließung nicht zu kennen, fühlte aber mit den Mitarbeitern, die ihre Jobs verlieren. "Hoffentlich werden die Arbeitsplätze zumindest sozialverträglich abgebaut", sagte er. Die Entscheidung, das Werk zu schließen, habe ihn schockiert und verwundert: "Vor zwei, drei Monaten habe ich wegen der Berufsorientierungsmesse noch Gespräche mit der Personalabteilung von Georg Fischer geführt. Damals suchte man noch neue Mitarbeiter."

Gudrun Gerhardt, Erste Bevollmächtigten der IG Metall im Märkischen Kreis erklärte: „Die Streichung von 300 Arbeitsplätzen bei Georg Fischer am Standort Werdohl trifft die Stadt und die Region sehr hart, zumal es in der Region keine Alternativangebote geben wird. Die Entscheidung des Konzerns, die Produktion zu verlagern und möglichen Veränderungen in der Automobilbranche durch die Streichung von Stellen zu begegnen, kann aber keine nachhaltige Lösung sein. Der hohe Anteil der Automobilzulieferer an der industriellen Wertschöpfung im Märkischen Kreis wird uns auch in der nächsten Zeit beschäftigen. Wir fordern Wirtschaft und Politik auf, gemeinsam mit uns und den Betriebsratsgremien daran zu arbeiten, dass die heimische Industrie auch langfristig gute Arbeitsplätze anbieten kann. Dafür benötigen wir eine Weiterbildungsstrategie inklusive eines Rechtsanspruchs auf Weiterbildung, höhere öffentliche und private Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie eine breitere Aufstellung der Betriebe, die vielfach zu abhängig von den Automobilherstellern sind.“

Bärbel Steffen, Betriebsratsvorsitzende bei GF in Werdohl, war gestern noch zu keiner Stellungnahme zu den Entwicklungen bereit. "Wir werden jetzt erst einmal Verhandlungen mit der Geschäftsleitung führen", sagte sie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare