Feuerwehr: Neubau frühestens 2021

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Dass die Feuerwehr in der Stadtmitte extrem beengt untergebracht und ein Neubau dringend nötig ist, demonstrierte Wehrleiter Kai Tebrün schon vor langer Zeit. Die Fahrzeuge passen tatsächlich nur nach einem ausgeklügelten System in die Garage, jeder Zentimeter wird genutzt.

Werdohl  Die Erarbeitung und Genehmigung des Brandschutzbedarfsplanes der Stadt Werdohl verzögert sich um ein weiteres Jahr, frühestens in diesem Sommer kann er verabschiedet werden.

Daran hängt unmittelbar der geplante Neubau des Feuerwehrgerätehauses am Grasacker. Die optimistisch avisierte Inbetriebnahme 2020 ist sicher nicht zu halten. 

Diese erneute Verzögerung hat wohl das nordrhein-westfälische Innenministerium zu verantworten. Im Sommer vergangenen Jahres bekam die Bezirksregierung Arnsberg einen Erlass des Gesetzgebers ins Haus, der genaue Ausführungsbestimmungen bei der Erstellung von Brandschutzbedarfsplänen beschreibt. Die Stadt Werdohl war zu diesem Zeitpunkt gerade fertig, die bis dato geltenden Anforderungen zu erfüllen. 

Im Sommer 2018 legte das Land die Latte höher, über die kleine kreisangehörige Städte wie Werdohl mit einer Freiwilligen-Feuerwehr springen müssen. Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung, formuliert das so: „Die Präzisierung der Anforderungen ist an uns erst im vergangenen Sommer herangetragen worden.“ Da die Bezirksregierung die genehmigende Behörde für den Brandschutzbedarf ist, wurden diese Anforderungen des Ministeriums im Gespräch an die Stadt Werdohl weitergegeben. 

Ordnungsamtsleiterin Andrea Mentzel hatte diese Aufgabenstellung im vergangenen Sommer an Manfred Theile übertragen. Der ehemalige Feuerwehr-Chef der Stadt hatte den Brandschutzbedarfsplan auch schon bis Sommer 2018 soweit erarbeitet, dass er der Bezirksregierung zur ersten Prüfung vorgelegt werden konnte. Die Stadt ist dankbar, dass Theile diese Arbeit auf Honorarbasis erledigt. Das eigene Personal im Rathaus könne diese zusätzliche Arbeit nicht neben den eigentlichen Aufgaben bewältigen, so Mentzel. Zudem habe Theile als feuerwehrtechnischer Angestellter und ehemaliger Stadtbrandinspektor die nötige Sachkunde. 

Seit Sommer sitzt Theile also daran, jedes einzelne Haus, jeden Betrieb und jede Straße auf Werdohler Stadtgebiet nach ihrem spezifischen Gefährdungspotenzial zu untersuchen. Und er muss natürlich beschreiben, wie die Feuerwehr auf diese möglichen Gefahren reagieren kann. Mentzel beschreibt diese „Gefährdungsbeurteilung“ als sehr kleinteilig. Es müsse nach einem Raster vorgegangen werden und für jede denkbare Brand- und Brandschutzsituation eine Antwort gefunden werden. 

Auch Christoph Söbbeler spricht von viel Arbeit für die Kommune: „Diese Beurteilung muss sehr, sehr umfänglich beschrieben und präzise aufgestellt werden.“ Aber auch diese Hürde hat die Stadt laut Andrea Mentzel geschafft. Theile habe die geforderte Gefährdungsbeurteilung vor einiger Zeit erfolgreich abgeschlossen. Einige Restarbeiten für den Brandschutzbedarfsplan seien noch zu erledigen, dann könne das Paket zur Genehmigung beim Kreis und bei der Bezirksregierung vorgelegt werden. Eine Beschlussfassung im Rat könne im Laufe des Sommers erwartet werden, hofft Andrea Mentzel. Dass das erst ein Jahr später als geplant geschehen kann, sei nicht zu ändern. 

Die Stadt Werdohl muss einen Brandschutzbedarfsplan erstellen, um nachzuweisen, dass sie den Brandschutz auch mit freiwilligen Kräften zufriedenstellend erfüllen kann. Sie braucht von der Bezirksregierung laut Brandschutzgesetz NRW eine Ausnahmegenehmigung, um nicht gezwungen zu werden, eine kostspielige hauptamtliche Wache einzurichten. Hier kommt die Situation der Freiwilligen Feuerwehr ins Spiel: Weil das Gerätehaus in der Werdohler Stadtmitte mittlerweile viel zu eng ist und kaum noch den gesetzlichen Anforderungen entspricht, soll bekanntlich am Grasacker neu gebaut werden. Damit kann aber erst begonnen werden, wenn der Brandschutzbedarfsplan beschlossen ist und die Stadt die Ausnahmegenehmigung von der Bezirksregierung in der Tasche hat. 

Eine Prognose für den Bezug des Feuerwehrgerätehauses am Grasacker will Andrea Mentzel jetzt lieber nicht mehr abgeben. Hatten sie und Fachbereichsleiter Bodo Schmidt von einer Fertigstellung im dritten Quartal 2020 gesprochen, so gilt das Datum sicher als unmöglich. Wenn alles gut gehe, werde man im Herbst 2019 das Projekt aussschreiben. Und eins ist auch klar: Je länger die Realisierung des Neubaus zeitlich nach hinten rückt, desto teurer dürfte es werden. Bislang gibt es nur eine grobe Kostenschätzung von Februar 2017 in Höhe von 3,67 Millionen Euro, die von der Stadt bereits nach oben auf 5,5 Millionen Euro hochgerechnet wurde. Für den Haushalt 2019 sind 3,6 Millionen Euro für den Neubau am Grasacker eingestellt, weitere 1,9 Millionen sind für 2020 avisiert.

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