Gemeinschaftskonzert mit den Toten Hosen

Geistliche Musik muss nicht altbacken klingen. Der Christuskirchen-Chor präsentierte Lieder, die an moderne Musicals erinnerten. - Fotos: Koll

WERDOHL - Eine mutmaßlich zufriedene Tote Hose, ein Baby im Mutterbauch und ein Patient auf der Flucht: Das 37. Gemeinschaftskonzert im Festsaal Riesei hielt einige interessante Überraschungen parat.

„Grüße aus dem Lennetal“ standen am Anfang: Das Tambourcorps Einigkeit Werdohl spielte aushilfsweise unter der Leitung von Patrik Wirth, der dieses Stück auch komponiert hatte. Das Publikum im bei Weitem nicht vollen Festsaal bekam Marschklänge mit wie Vögel im Frühling tirilierenden Flötenklängen zu hören. Eine der Musikerinnen trat hochschwanger auf.

Die Moderation des gut zweistündigen Nachmittags hatte die vergangenen zehn Jahre Manfred Rademacher übernommen. Dieses Mal hatte Sebastian Hoffmann zum Mikrofon gegriffen. Seine Bitte, zwischen den Stücken nicht, sondern nur am Ende der jeweiligen Blöcke zu applaudieren, um Zeit zu sparen, ignorierte das Publikum indes. Hoffmann moderierte aber locker und kenntnisreich. Auch er unterhielt die Zuschauer vortrefflich, entführte sie mal hier-, mal dorthin.

Italien war das Ziel des Männerchores 1847/91. Die „Capri-Fischer“ von Gerhard Winkler und Ralph Maria Siegel – einst ein berühmter Schlager, interpretiert von Rudi Schuricke – ließen sie klangvoll und voluminös erschallen. Geleitet wird dieser Chor von Astrid Höller-Hewitt, ebenso wie das folgende Ensemble.

Der mit erst zwei Jahren noch recht junge Gemischte Chor Werdohl griff eher in die Punk-Rock-Kiste. „Ich denke“, vermutete Moderator Hoffmann, „Campino von den Toten Hosen hätte nichts dagegen, wenn der Chor heute ein bisschen rockt.“ So lieblich allerdings hat Andreas Frege, wie Campino bürgerlich heißt, in den vergangenen drei Jahrzehnten wohl keines der Lieder seiner Band gehört. Der Gemischte Chor bot eine ganz eigene Version von „Tage wie diese“, welches Campino mit der Schauspielerin Birgit Minichmayr getextet hatte. Die Musik stammt von Andreas „Kuddel“ von Holst, Gitarrist der Toten Hosen.

Damit löste der Gemischte Chor Werdohl Begeisterung unter den Zuhörern aus, sie klatschten begeistert mit – ebenso beim Stück „Auch Matrosen haben eine Heimat“ vom Shantychor Werdohl, der damit die Pause einleitete.

Nach der Unterbrechung wurde weiter begeistert mitgeklatscht – und zwar beim „Russischen Lied“ der Zauberlehrlinge der Musikschule Lennetal. Bei diesen, wie auch beim folgenden Chor der Christuskirche war Moderator Hoffmann auch selbst aktiv.

Der Kirchenchor bewies, dass geistliche Musik nicht alt und verstaubt klingen muss. „Schau’ auf die Welt“ des englischen Komponisten John Rutter klang fast wie eine Komposition von Phil Collins oder Elton John aus einem Disney-Zeichentrickfilm. Quittiert wurde das von den Festsaal-Besuchern mit „Bravo“-Rufen.

Zum Abschluss verzauberte das Jugendblasorchester der Musikschule Lennetal das Publikum mit elegischem Wohlklang. Das Orchester, welches Georg Tausch nach eigener Auskunft „seit 200 Jahren“ leitet, spielte „The Rose“ von Amanda McBroom. Bekannt ist das Stück vor allem in der deutschen Version von Peter Maffay unter dem Titel „War ein Land“.

Zu den brillanten Musikern gehörte ein Musiker, der – so Orchesterleiter – „erst heute Mittag aus dem Krankenhaus geflohen ist“.

Zum Schluss des Gemeinschaftskonzertes spielte das Jugendblasorchester das irische Volkslied „Auld Lang Syne“ und kehrte damit zu den Toten Hosen zurück, die dieses Stück seit jeher gerne zum Schluss ihrer Konzerte spielen. Das Original wird traditionell zum Jahreswechsel angestimmt.

Von Michael Koll

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