Trauercafé Zuversicht erfolgreich gestartet

Trauercafé: „Gemeinschaft hilft heilen“

Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg kennt sich aus mit der Trauerbewältigung und bietet den Gästen im Begegnungscafé ein offenes Ohr. - Fotos: Domke

WERDOHL - Ruhig ist es im Begegnungscafé. Und gemütlich. Kerzen brennen und es riecht nach Kaffee, Kuchen und Vanille. Dezenter Blumenschmuck verziert die Tische und an kleinen Ästen schweben weiße Papier-Tauben als Deko.

An zwei Tischen sitzen Besucher des Cafés und unterhalten sich. Sie erzählen von ihren Liebsten, die nicht mehr da sind. Nach einem gemeinsamen Weg wurden sie durch den Tod getrennt. Inmitten der Leute sitzt Pfarrer Dieter Kuhlo-Schöneberg und spricht ihnen sanft zu. Er leitet gemeinsam mit einem Team das „Trauercafé Zuversicht“.

Am ersten Freitag im Januar öffnete die Begegnungsstätte das erste Mal ihre Pforten. Im ehemaligen evangelischen Kindergarten am Kirchenpfad kamen am Freitag dann zum zweiten Mal Trauernde zusammen, denn „Gemeinschaft hilft heilen und lindert den Schmerz“, so Pfarrer Kuhlo-Schöneberg. Der Geistliche kennt sich aus mit der Trauerbewältigung, absolvierte er doch eine zweijährige Zusatzausbildung zum Trauerbegleiter. Viele dramatische Fälle habe er in den vergangenen Jahren begleitet, die vielen Phasen der Bewältigung kennt er und weiß damit umzugehen.

Da lag die Idee nahe, einen öffentlichen Raum für Trauernde zu schaffen. Den passenden Ort fanden die Organisatoren im Begegnungscafé. Gemeinsam mit seinem fünfköpfigen Team bietet der Pfarrer dort nun jeden ersten Freitag im Monat Raum um zu trauern und neuen Mut zu finden.

„Man kann sich gegenseitig stärken und neu motivieren“, weiß Kuhlo-Schöneberg. „Hier versteht man sich ganz ohne Worte, machmal hilft es auch, einfach nur zuzuhören.“ Dass das Café bei diesen ersten Treffen nicht überrannt wird, findet er ganz normal: „Es ist für viele eine große Überwindung, sich mit seinem Schmerz und seiner Trauer an andere, oftmals auch Fremde zu wenden“, so der Pfarrer. Wenn der Verlust eines Menschen gerade noch ganz frisch ist, dauere es oftmals ein paar Wochen, bis man sich öffnen könne. Aber: Je eher man sich seiner Trauer stellt, desto besser, weiß Dieter Kuhlo-Schöneberg. Das Risiko der Verbitterung steige, wenn man mit der Trauer alleine bleibe.

Und in noch einer Sache ist er sich ganz sicher: Verletzungen können im Nachhinein auch zu etwas Gutem führen. Mit der richtigen Trauerbewältigung könnten die Menschen gestärkter und positiver als zuvor in die Zukunft gehen. „Ich glaube an die Kraft in der Seele eines jeden Menschen. In Gemeinschaft kann man alles schaffen.“

Von Friederike Domke

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