Gemeinde gibt Baugrundstück ab

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Finanzkirchmeister Lothar Jeßegus schwärmt von der Lage des Grundstücks. ▪

WERDOHL ▪ Neue Einnahmequellen sind für die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl von großer Bedeutung. Von ihrem „Tafelsilber“ trennt sich die Gemeinde dennoch nicht – zumindest nicht endgültig.

Im aktuellen Pfarrbrief informiert das Presbyterium über die Pläne bezüglich des Grundstücks Deitenbecke 7 in Eveking. Dort sollen zwei bis drei Bauherren die Möglichkeit erhalten, ein Eigenheim zu errichten. Verkauft wird das rund 1 200 Quadratmeter große Areal allerdings nicht: Die Vermarktung erfolgt über die Vergabe von Erbbaurechten – auch Erbpacht genannt. Gegen Zahlung eines regelmäßigen Entgeltes (Erbbauzins) sollen die Vertragspartner der Gemeinde das Recht erhalten, Häuser auf dem Grundstück in Eveking zu errichten. Der Vertrag hat eine Laufzeit von 99 Jahren.

„Es ist üblich, dass die Kirche ihre Grundstücke nicht verkauft“, sagt Finanzkirchmeister Lothar Jeßegus. Er betont: „Es kommt auch vielen Bauherren entgegen, dass sie keine große Summe in den Grundstückskauf investieren müssen.“ Die jährlichen Erbbauzinsen sollen in den kirchlichen Haushalt fließen. Dieser sei momentan zwar ausgeglichen, wie der Finanzkirchmeister betont, „aber wir müssen dringend Pflicht-rücklagen bilden.“ Auch im Gemeindekonzept ist die Suche nach neuen Einnahmequellen als erklärtes Ziel formuliert. „Die demographische Entwicklung zwingt uns dazu“, stellt Lothar Jeßegus fest. Ein Blick in die Statistik zeigt, dass der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl im Jahr 1975 noch rund 15 000 Gläubige angehörten – Ende des Jahres 2010 waren es noch rund 6 500. Zukünftig rechnen die Verantwortlichen der Gemeinde jährlich mit einem Mitgliederrückgang von 130 bis 150 Personen. „Es gibt einfach zu wenig Kinder“, bringt der Finanzkirchmeister das Problem auf den Punkt.

Eine Folge dieser Entwicklung ist der drastische Rückgang der Kirchensteuerzuweisungen, die wiederum die Haupteinnahmequelle der Gemeinde ist. Und das Geld fehlt, haben die evangelischen Christen in Werdohl in den vergangenen Jahren mehrfach schmerzlich erfahren müssen – unter anderem als der Kindergarten „Spatzennest“ in der Stadtmitte geschlossen werden musste. Der nächste Einschnitt folgt Ende des Jahres, dann soll bekanntlich das Paulus-Gemeindehauses in Pungelscheid geschlossen werden. Die Kreuzkirche soll für die Pungelscheider zur neuen Anlaufstelle werden. Der Finanzkirchmeister ist davon überzeugt, dass auch diese Verkleinerung notwendig und richtig ist: „Die Gebäude sollen nicht im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass wir etwas für die Menschen tun.“

In diesem Zusammenhang spiele auch das Kirchgeld eine wichtige Rolle. „Es ist ein Pfeiler unserer Finanzen, wir brauchen es“, betont Jeßegus und fügt hinzu: „Besonders weil diese Einnahmen im Gegensatz zu vielen Spenden nicht zweckgebunden ist.“ Dennoch sei die Gemeinde natürlich auf das jährlichen Spendenaufkommen in Höhe von 80 000 bis 90 000 Euro angewiesen. Im Gemeindekonzept ist deshalb auch zu lesen, dass die Spendenbereitschaft gefördert werden soll.

Doch zurück zum „Tafelsilber“: „Über weitere Grundstücke, die auf Erbpachtbasis genutzt werden könnten, verfügt die Gemeinde nicht“, sagt der Finanzkirchmeister. Er hofft, dass sich bald Interessenten für das Grundstück Deitenbecke 7 melden und gibt unter Telefon 0 23 92 /7 01 62 gerne weitere Auskünfte. ▪ Carla Witt

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