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Kokain und Ecstasy: Mildes Urteil für Drogenhandel

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Von: Thomas Krumm

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Unter anderem Kokain hatte sich der 44-jährige Angeklagte aus Rosenheim bei seinem Neffen besorgt.
Elf Gramm Kokain hatten die Ermittler in einer Gewürzschublade des 32-Jährigen gefunden. © picture alliance/dpa

Ohne Verlängerung der verbliebenen Haftzeit ist der Prozess gegen einen 32-jährigen Angeklagten zu Ende gegangen, in dessen Werdohler Wohnung die Polizei am 18. Dezember 2019 elf Gramm Kokain in einer Gewürzschublade und einige Ecstasy-Tabletten gefunden hatte.

Werdohl - Die 6. Große Strafkammer des Landgerichts verurteilte ihn wegen Besitzes und Handeltreibens mit einer nicht geringen Menge Betäubungsmittel zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro. Neben der Geldstrafe blieb die Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten, die das Landgericht Hagen am 8. März 2021 verhängt hatte, unverändert bestehen.

Der Vorsitzende Richter Christian Potthast begründete den etwas ungewöhnlichen Verzicht auf die eigentlich gebotene Gesamtstrafenbildung: Bei Überschreitung einer vollstreckbaren Haftstrafe von 30 Monaten hätte der Angeklagte nicht mehr im offenen Vollzug bleiben können. Das hätte ihn seine Arbeitsstelle gekostet. „Wir sind der Überzeugung, dass das eine völlig unmäßige Sanktion wäre, die nicht im Einklang mit den Resozialisierungsbemühungen steht“, sagte der Vorsitzende.

Möglich wurde die vergleichsweise milde Strafe durch die Einstufung der Tat als minderschwerer Fall. Die eher kleine Menge an Drogen, die die Polizei am 18. Dezember 2019 sichergestellt hatte, überschritt die Grenze zur nicht geringen Menge nur ganz knapp. Dazu kam das „umfassende und glaubhafte Geständnis“ des Angeklagten, der sich seit seiner Verurteilung nichts mehr hat zuschulden kommen lassen. „Wir haben keinen Anlass gesehen, eine Freiheitsstrafe zu verhängen“, betonte der Vorsitzende.

Kurios und sehr problematisch hatte sich die Beweisaufnahme hinsichtlich der 23-jährigen Mitangeklagten entwickelt, der Beihilfe zum Handeltreiben mit Betäubungsmitteln vorgeworfen worden war. Christian Potthast fasste das Ergebnis zusammen. Laut Durchsuchungsbericht hatten sich die aufgefundenen Ecstasy-Tabletten in einer Handtasche befunden. Diese Tasche sollte der 23-Jährigen gehört haben. Die Ermittler hatten aber nie ein Foto von dieser angeblichen Tasche gemacht.

In einer Gesamtschau der möglichen Antworten auf die Frage nach der Existenz dieser Handtasche brachte der Vorsitzende neben anderen Möglichkeiten auch ihre mögliche Nichtexistenz ins Spiel: „Es gab diese Tasche nicht.“ Statt eines Fotos der Phantomtasche gab es zwei Fotos eines Nachttischschränkchens, das einen alternativen Fundort der Tabletten plausibel machte – das eine mit geschlossener und das andere mit geöffneter Schublade. Auf dem zweiten sollen die Ecstasy-Tabletten zu sehen gewesen sein. Dieser Fundort in der Wohnung des 32-Jährigen könne nicht als Beleg herangezogen werden, dass die Pillen der 23-Jährigen gehörten, erklärte der Richter.

Er wandte sich an die Angeklagte: „Es ist nicht festzustellen, dass Sie Kenntnis von den Betäubungsmitteln hatten!“ Im Einklang mit dem Antrag von Staatsanwältin Sandra Ley sprachen die Richter die junge Frau frei. Die Ermittlungen, die auch aus Sicht des Gerichts „in höchstem Maße unglücklich gelaufen waren“, hatten ihr drei Jahre lang die Belastung durch das Strafverfahren und einen Prozess vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts eingebrockt.

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