Geldbörse kommt stets zurück

Lothar Sommer ist seit fünf Ende 2008 als Missionar in Japan tätig. Am Wochenende stattete er der Werdohler Christuskirche einen Besuch ab. - Foto: Koll

WERDOHL - Die sprichwörtliche Höflichkeit der Japaner sei das, was ihm tatsächlich am meisten bei seiner Arbeit auffalle. Lothar Sommer lebt mit seiner Familie seit Dezember 2008 im Land der aufgehenden Sonne. Er wirkt dort als Missionar. Nach jeweils vier Jahren kehrt er für zwölf Monate zurück nach Deutschland, um von seinem Aufenthalt dort zu berichten.

„Und was ich gleich am ersten Tag, als ich vor einem halben Jahr wieder in Deutschland war, erlebte, war: In einem Geschäft hat ein Chef einen Angestellten angepflaumt.“ Der 33-Jährige besuchte am Sonntag die Gemeinde der Christuskirche in Werdohl, hielt zunächst die Predigt im Erntedank-Gottesdienst und frühstückte im Anschluss mit den Sauerländern gemeinsam im Gemeindehaus.

Sommer, der gebürtig aus Freiburg im Breisgau stammt, weiß seinen Arbeits- und Lebensmittelpunkt Japan wegen der Freundlichkeit der Einheimischen zu schätzen. Da es dort für ihn als Missionar auch noch viel zu tun gibt, geht er folgerichtig davon aus, in diesem asiatischen Land bis zur Rente zu bleiben.

Christen sind klare Minderheit in Japan

Tatsächlich sind gerade einmal ein Prozent der etwa 128 Millionen Menschen in Japan Christen. Bloß 0,5 Prozent davon sind evangelisch – als gerade einmal 6400 Frauen und Männer. Buddhismus und Shintoismus – ein Glaube an Naturgottheiten – herrschen in Japan vor. Viele Frauen und Menschen gehören beiden Religionen gleichzeitig an.

Japan hat eine Fläche von circa 378 000 Quadratkilometern. Jedoch ist nur ein Drittel des Landes bewohnbar. Jährlich gibt es rund 2000 Erdbeben im Land der aufgehenden Sonne. 21 Prozent der Bevölkerung sind 65 Jahre und älter – viele Menschen werden mehr als 100 Jahre alt.

Trotz dieser Überalterung Japans sieht Lothar Sommer seinen Arbeitsschwerpunkt bei den „jungen Leuten bis 30 Jahre“. Er wolle nach und nach immer mehr neue Gemeinden gründen. „Wir arbeiten mit Musik, damit die Leute sich wohlfühlen.“ Kontakte zu potentiellen Gläubigen erhält er zum Teil über bereits bestehende Gemeinden. „Wir laden ein – zwingen können und wollen wir niemanden“, streckt der Missionar seine Hand aus.

„Aber auch mittels Koch- und Backkurse. Da stehen die Japaner drauf“, hat Sommer erfahren. Doch auch Sprachkurse sind ein guter Weg, um mit der eigentlich distanzierten Bevölkerung in Kontakt zu treten. „Meine Frau“, berichtet der Missionar, „wurde von einer älteren Frau etwa einfach auf offener Straße angesprochen, ob sie der Japanerin nicht Englischunterricht geben könne.“ Das tat Tabea Sommer dann auch. Das seit 2006 verheiratete Paar hat einen Sohn. Len wurde 2012 in Japan geboren.

Die gelernte Groß- und Außenhandelskauffrau sowie Heilerziehungspflegerin Tabea Sommer war bereits 2002 in einer Mission in Japan tätig. Als der berufliche Weg ihres späteren Mannes dorthin führte, war dies für sie kein Problem im Gegenteil. Ihr heutiger Gatte verrät: „In Japan ist mein Sicherheitsgefühl viel ausgeprägter als hier in Deutschland. Dort können auch nachts Frauen immer alleine unterwegs sein. Und ein verlorener Geldbeutel kommt stets zurück – mit Inhalt.“

Ausgelöst hatte seine Reiseleidenschaft aber ein Vortrag eines deutschen Missionars, der in Papua-Neuguinea tätig war. „Ich war damals zwölf Jahre alt“, erinnert sich Sommer, „und wusste – dort will ich hin.“ Tatsächlich war er in den Jahren 2000 und 2001 in einer Mission auf dem Inselstaat, der zum australischen Kontinent gehört. Auch in Kanada wurde der Missionar bereits eingesetzt.

Ärzte-Infrastruktur in Japan viel besser

„Ebenfalls durch diesen Vortrag vor 21 Jahren wurde mein Berufswunsch ausgelöst“, erläutert der 33-Jährige. „Für mich ist das der sinnvollste Beruf von allen.“ Sommer erklärt: „Jesus prägt mein Leben und seine Botschaft muss oder sollte jeder hören.“ Der gelernte Krankenpfleger führt weiter aus: „Seine Botschaft vermittelt Liebe. Wo die Liebe meiner Frau und meines Sohnes Schwankungen unterliegen kann, bleibt die von Gott und Jesus immer gleich. Sie ist bedingungslos.“

Allein in Japans Hauptstadt Tokio leben 30 Millionen Menschen. Doch auch in diesem Gewusel bleiben die Japaner stets zuvorkommend. „Darüber hinaus ist die Ärzte-Infrastruktur in Japan viel besser als in Deutschland“, verrät der Missionar. Was Sommer aber fern der Heimat dann doch vermisst, sei deutsches Brot und Laugenbrezeln. „Wir backen zwar auch selbst, aber die Vielfalt deutscher Backstuben fehlt mir.“

Freunde indes habe er zwischenzeitlich im Land der aufgehenden Sonne gefunden. Einfach sei das aber nicht gewesen. Zum einen sind Japaner an sich schüchtern und zurückhaltend. „Andererseits habe ich als Missionar dort von vornherein einen Lehrerstatus, bin eine Respektperson. Das schafft zusätzliche Distanz.“

Tätig sind Tabea und Lothar Sommer im Auftrag der Liebenzeller Mission. Diese ist eine innerhalb der evangelischen Kirche autonome, international tätige Missionsgesellschaft. In Zusammenhang mit jeweils örtlichen Partnerkirchen missioniert die Gesellschaft nicht nur, sondern hilft auch in akuten Notlagen weltweit.

Von Michael Koll

Tabea und Lothar Sommer sind zu erreichen per E-Mail unter lothar.sommer@liebenzell.org.

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