Geläut fürs Werdohler Museum gerettet

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Peter Lux (rechts) vom Bürgerstammtisch hatte das Sakristei-Geläut von St. Maria Königin aus den Hinterlassenschaften nach der Kirchenschließung gesichert. Rüdiger Schmale (links) vom Heimat- und Geschichtsverein nahm es dankbar an, Freude über den Erhalt zeigte auch Pater Irenäus. Jetzt wird im Stadtmuseum ein Platz für das Geläut gesucht.

Werdohl - Das Werdohler Stadtmuseum ist um ein schönes Exponat reicher, für das funktionstüchtige Sakristei-Geläut von St. Maria Königin muss nur noch ein passender Platz gesucht werden.

In katholischen Messen wird kurz vor Beginn des Gottesdienstes in der Sakristei geläutet, das macht entweder ein Messdiener oder der Küster. Pater Irenäus: „Wenn das Geläut erklingt, weiß jeder, dass es jetzt losgeht.“ Das Geläut ist ein Zeichen für die Gemeinde. Das Geläut besteht aus zwei Ringen mit kleinen Schellen daran, es wird durch einen Stab seitlich betätigt. In die Gemeinde brachte das Geläut der frühere Pfarrer in Ütterlingsen, Dr. Josef Meinholz. Er war dort von etwa 1960 bis in die 1980er Jahre hinein Pfarrer und sehr der Kirchenmusik zugetan. Ursprünglich sollte St. Maria Königin in Ütterlingsen auch so eine Art kirchenmusikalisches Zentrum werden, letztlich blieb es bei einer katholischen Verkündigungskirche in der Werdohler Siedlung. Pfarrer Meinholz hatte auch den Kirchenbau nach seinen Vorstellungen beeinflusst, Pater Irenäus wusste, dass die Pläne zum Bau der Kirche ganz anders ausgesehen hätten als später der fertige Kirchbau.

Vor allem die Akustik in der in diesen Tagen abgerissenen Kirche soll wirklich sehr beeindruckend gewesen sein. 1966 war der Grundstein für St. Maria Königin gelegt worden, 2006 wurde die Kirche als Gottesdienststätte stillgelegt. Größere Dinge wie die Orgel und der Kreuzweg wurden direkt nach der Stilllegung nach Polen vergeben, viele Kleinigkeiten verblieben aber die letzten acht Jahre der Kirche noch im Gebäude.

Bei der Vergabe des restlichen Inventars aus Kirche und Gemeindehaus im Oktober vergangenen Jahres machte sich auch Peter Lux vom Bürgerstammtisch auf den Weg nach Ütterlingsen. Er stellte einer Kirchenvertreterin sein Ansinnen vor und stach damit einen anderen Privatmann aus, der das Geläut für sich selbst als Erinnerung haben wollte.

Lux musste nach eigenen Angaben nichts für das Geläut bezahlen, nur das Versprechen abgeben, es der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Lux: „Da bin ich nach Hause gefahren, habe die Flex geholt und das Geläut von der Wand geholt.“

Außerdem habe ihn das Taufbecken von St. Maria Königin interessiert, das sei aber schon woanders hin vergeben worden. Gestern übergab Peter Lux als Vertreter des Bürgerstammtisches das Geläut im Beisein von Pater Irenäus an Rüdiger Schmale vom Heimatverein. Schmale ist evangelischer Pfarrer im Ruhestand und dementsprechend kenntnisreich, was die kirchliche Geschichte der Stadt Werdohl betrifft. Das Stadtmuseum soll jetzt ein wenig umgestaltet werden, damit der Teil der Ausstellung zum Thema religiöses Leben besser präsentiert werden könne. Im vergangen Jahr wurde das Paulus-Gemeindehaus in Pungelscheid geschlossen, auch daran müsse das Stadtmuseum erinnern, so Schmale als stellvertretender Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins. Schmale: „Wir wollen hier Einblicke geben in das, was war. Aber nicht die uralten Sachen, ein Heimatmuseum ist was anderes.“

Von Volker Heyn

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