Geistersiedlung Elverlingsen steht so gut wie leer

Nahezu alle Häuser in Elverlingsen stehen sozusagen im Schatten des Kühlturms. Die meisten Rolladen sind heruntergezogen, nur noch wenige Menschen wohnen in der Geistersiedlung.

WERDOHL ▪ Elverlingsen – für die Geschichte der bewohnten Siedlung wird in diesen Tagen das letzte Kapitel geschrieben. Auch der letzte Eigentümer hat an die Mark-E verkauft, nur noch wenige Menschen wohnen in den ansonsten verlassenen Häusern.

Auf den ersten Blick scheint es so, als seien die Bewohner der Siedlung allesamt in einem längeren Urlaub. Hier und dort steht noch ein Auto vor einer Tür, vor dem ein oder anderen Haus liegt etwas Sperrmüll. Augenfällig sind die heruntergelassenen Rolladen und fehlende Pflege der Gärten der Einfamilienhäuser. In einem der Eigentumshäuser wohnt noch eine Familie, in einem anderen ein Paar mit Hund. In den Mietshausreihen leben noch ganz vereinzelt Menschen im Schatten des Kühlturms.

Hier spielt niemand mehr: Gras wächst über den Kinderspielplatz in Elverlingsen. Rutsche und Sandkasten sind älteren Datums, das Klettergerüst macht noch einen relativ neuen Eindruck.

Einige der letzten Siedler wollen dort bis zum Ende bleiben, andere suchen noch nach passenden Wohngelegenheiten anderswo. Eine seltsame Atmosphäre herrscht in Elverlingsen, das leise Brummen des Kraftwerks liegt in der Luft, Geräusche von der Bundesstraße dringen nach oben. Ab und an kommen ehemalige Bewohner und holen noch Besitztümer aus ihren früheren Häusern, mitnehmen dürfen sie alles bis auf Fenster und Türen.

2011 werden alle Häuser leer stehen

Uwe Reuter, Leiter der Unternehmenskommunikation der Enervie Südwestfalen Energie und Wasser AG, geht davon aus, dass im Laufe des nächsten Jahres alle Häuser leer sind. Und nun, kurz vor Ende eines langen Prozesses, der viele Gespräche mit Mietern und Hauseigentümern beinhaltete, ist Reuter sicher, dass alle Beteiligten sich auf einem „vernünftigen Weg“ befinden.

Alle auf einem vernünftigen Weg

Die Mark-E habe sich stets bemüht, einen Konsens mit allen Anwohnern zu finden. Viele, so sagt Reuter, hätten einen Umzug auch als Chance gesehen, der in die Lebensplanung passte. So gab es langjährige Anwohner, für die beispielsweise eine ebenerdige Wohnung oder betreutes Wohnen sinnvoll wurde. In Verbindung mit den Städten Werdohl und Altena und im Kontakt mit Immobilienmaklern habe die Mark-E die Elverlingser bei der Suche nach neuen Wohnungen oder Häusern unterstützt.

Elverlingsen, das war auch Awo und SPD - die hier ausgehängte Jahreslosung im Schaukasten ist schon von 2004.

Auch finanzielle Hilfen für Umzüge habe es gegeben. Natürlich gebe es auch viele, denen der Umzug schwer fiel. Aber letztlich hätten auch diejenigen keine Perspektive mehr darin gesehen, in einer Siedlung zu leben, die immer leerer wird.

Energieversorger sichert sich Chance auf Zukunft

Dass die Häuser voraussichtlich 2011 komplett leerstehen, heißt aber nicht, dass sofort ein neues Kraftwerk gebaut wird. Wesentlich als Grundlage für weitere Planungen sei die energiepolitische Grundsatzentscheidung der Bundesregierung, die für den Herbst erwartet wird. Wenn es eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke gebe, habe das Auswirkungen auf die Pläne aller Energieerzeuger. Außerdem entscheiden die energiewirtschaftliche Entwicklung und der Markt mit darüber, ob der Bau eines Kraftwerks wirtschaftlich erfolgversprechend sei. Mit dem Leerzug von Elverlingsen habe sich die Mark-E lediglich die „Chance“ gesichert, den Standort für die Zukunft zu sichern, so Reuter.

Von Volker Heyn und

Bettina Görlitzer

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