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So gehen Werdohler und Neuenrader Schulen mit der Corona-Krise um

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Die Lehrerkonferenz an der Hönnequell-Schule hat gestern nicht im Lehrerzimmer, sondern in der Aula stattgefunden, „damit es allen möglich ist, Abstand voneinander zu halten“, beschrieb Schulleiterin Eva Päckert die außergewöhnliche Situation.

Werdohl/Neuenrade – Für Maria Apprecht, die Leiterin der katholischen St.-Michael-Grundschule in der Werdohler Stadtmitte, steht fest: „Das wird die größte Herausforderung seit 70 Jahren!“

Und damit meint sie nicht etwa die Herausforderung, Schülern für das Lernen zuhause Material und Aufgaben zur Verfügung zu stellen. „Im Moment müssen andere Dinge als Unterricht im Vordergrund stehen“, sagt sie. Wer beobachte, was sich gerade in anderen Ländern abspiele, brauche nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass sich die Situation auch in Deutschland so entwickeln könnte. 

Die St.-Michael-Schule hat die Aufgabe, Eltern über die Schulschließung und ihre Folgen zu informieren und Schülern Lehrmaterial zur Verfügung zu stellen, nach Ansicht von Maria Apprecht gut gemeistert. „Wir hatten am Freitag bis Schulschluss noch keine gesicherten Informationen darüber, wie es ab Montag weitergehen sollte. Aber wir haben den Kindern vorausschauend schon Arbeitspakete mitgegeben“, erläuterte sich, wie ihre Schule es hinbekommen hat, die Schüler zu versorgen. Nur wenige hätten sich die Arbeitspakete gestern Morgen noch in der Schule abholen müssen. 

Mit Lernmaterial versorgt

Ganz ähnliche Erfahrungen haben auch Nina Manns von der Gemeinschaftsgrundschule und Britta Schwarze von der Martin-Luther-Grundschule gemacht. Auch sie berichteten von verständnisvollen Eltern und ruhigen Abläufen. Die Gemeinschaftsgrundschule hat die Schüler an ihren beiden Standorten auf der Königsburg und in Kleinhammer zwar erst gestern mit Lernmaterial versorgt, aber das habe reibungslos geklappt, sagte Manns. Die Ausgabe habe übrigens unter freiem Himmel auf den Schulhöfen stattgefunden, „um nicht unnötige viele Menschen in die Schulen zu holen“, wie Manns sagte. Das habe angesichts des sonnigen Wetters auch zu einer guten Stimmung beigetragen. „Ansonsten war das aber schon eine beklemmende Stimmung gestern“, sagte die Schulleiterin. 

Notbetreuungen sind in den Werdohler Grundschülern übrigens kaum nötig. Der im Rathaus zuständige Abteilungsleiter Reinhardt Haarmann nannte die Zahl von sieben Schülern, für die eine Betreuung angeboten werden müsse. 

Vorbereitet auf die Abiprüfungen

In der Werdohler Realschule und der Albert-Einstein-Gesamtschule (AEG) ist Notbetreuung überhaupt kein Thema. „Das kann sich natürlich noch ändern, aber wir sind vorbereitet und können das täglich einrichten“, sagt AEG-Schulleiter Sven Stocks. Vorbereitet sei die Schule auch auf die nach den Osterferien anstehenden Abiturprüfungen. Alle Vorklausuren seien geschrieben, die Oberstufenschüler würden ihre Abi-Zulassungen nun per Post erhalten und könnten bei Bedarf auch zu persönlichen Beratungsgesprächen in die Schule kommen. 

Maria Apprecht, Leiterin der katholischen St.-Michael-Grundschule Werdohl, verweist darauf, dass Eltern und Schüler derzeit viele Informationen auf der schuleigenen Internetseite finden können.

Die Realschule habe mittlerweile sicher gestellt, dass sie alle Schüler per E-Mail erreichen könne und habe für alle Lehrer Homeoffice-Möglichkeiten geschaffen, sagte Schulleiter Oliver Held. Die Verteilung von Lernmaterial und Aufgaben über das Internet sei folglich kein Problem. Abgesagt hat die Realschule derweil das Betriebspraktikum, das eigentlich in dieser Woche beginnen sollte. Mehrere Firmen hätten ihre zugesagten Praktikumsstellen gestern schon wieder abgesagt, berichtete Held. „Deshalb hatte es auch keinen Sinn, am Praktikum festzuhalten. Eventuell holen wir es im ersten Halbjahr des neuen Schuljahrs nach.“ 

Teamstrukturen dringend benötigt

„Gerade in so besonderen Situationen brauchen wir die Teamstrukturen, um uns gegenseitig zu stützen“, stellt Eva Päckert fest. Die Leiterin der Hönnequell-Schule ist sowohl mit dem Ministerium sehr zufrieden („Man stellt uns wirklich gute Leitfäden bereit“) als auch mit ihrem engagierten Kollegium. „Wir haben uns am Samstag zu einer Sitzung des Krisenstabs getroffen, der aus zehn Kollegen besteht“, erklärt sie. Gemeinsam habe man eine Prioritätenliste erstellt. Folglich konnten bereits am Montagmorgen Briefe an alle Eltern versandt werden, „denn wir können nicht davon ausgehen, dass alle Eltern digital unterwegs sind“. 

Am Montag waren lediglich drei Kinder in die Schule gekommen. Wie viele es ab Mittwoch sein werden, wenn die Notbetreuung beginnt, konnte Päckert noch nicht mit Gewissheit sagen. „Es könnten drei bis fünf Kinder sein, vielleicht aber auch gar keine“, sagte die Schulleiterin. Sie unterstrich: „Wichtig ist, dass die Kinder nicht die Leidtragenden werden.“ Keinen Schüler, insbesondere die, die vor dem Abschluss stehen, dürfe man jetzt alleine lassen. „Die Stadt richtet momentan allen Lehrern noch dienstliche E-Mail-Adressen ein, damit wir für die Schüler erreichbar sind.“ 

Aufgaben kommen per E-Mail

Das will auch Klaus Giljohann sicherstellen. Der kaufmännische Geschäftsführer der Waldorfschule berichtet, dass die Schüler der Unter- und Mittelstufe ihre Aufgaben größtenteils per E-Mail erhalten sollen. „Für die Oberstufe ist zudem unsere Schulcloud besonders wichtig“, sagt Giljohann. Für die Eltern sollen tägliche Telefonsprechzeiten – jeweils vor- und nachmittags – eingerichtet werden. 

Ab Mittwoch würden voraussichtlich weniger als zehn Schüler in der Notbetreuung beaufsichtigt. „Dann müssen wir zwei Notgruppen einrichten, denn in einer Notgruppe dürfen nicht mehr als fünf Schüler untergebracht werden“, berichtet Giljohann. 

Lehrmaterial bereits zusammengestellt

Knapp zehn Kinder sind gestern Morgen zur Burgschule gekommen, berichtet Schulleiter Awerd Riemenschneider. Wie viele Mädchen und Jungen ab Mittwoch in der Notgruppe betreut werden, sei noch unklar. „Die Eltern können ihre Kinder bis Dienstag um 18 Uhr anmelden.“ Das Lernmaterial für die Zeit bis zu den Osterferien hätten die Lehrer den Grundschülern bereits zusammengestellt. „Alle Aufgaben sind nach den Namen der Kinder sortiert in den jeweiligen Klassenräumen zu finden und können morgen zwischen 8 und 12 Uhr dort abgeholt werden“, so Riemenschneider. Wenn möglich, sollte jeweils nur ein Elternteil in die Schule kommen und das Material gleich für mehrere Kinder abholen. „Wir wollen jeden unnötigen Kontakt vermeiden“, unterstrich der Schulleiter. 

Riemenschneider lobte die Schulpflegschaft, die mit den Eltern sehr gut kommuniziere. Er bat die Eltern darum, regelmäßig die Homepage der Schule zu besuchen (www.burgschule.neuenradeweb.de): „Dort werden wir Neuigkeiten natürlich verbreiten.“

Mehr zum Coronavirus und den Auswirkungen auf die Region gibt es hier im Ticker für den Märkischen Kreis. Auch über die Situation in ganz Nordrhein-Westfalen informieren wir mit einem Ticker.

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