Familienzentrum St. Michael bietet Sprachkursus an

Lernen unter der Anleitung von Lehrerin Hacer Breil die deutsche Sprache: Die beiden Kursteilnehmerinnen Jale Keskin (links) und Afrore Ahmeti.

WERDOHL ▪ Es sind die kleinen Dinge – wie beispielsweise der Kauf einer Busfahrkarte – die Hacer Breil den acht Teilnehmerinnen des Kurses „Mama lernt Deutsch“ in den 20 Unterrichtsstunden im Jugendheim St. Michael beibringen will. Organisiert wird das immer dienstags stattfindende Angebot vom Familienzentrum St. Michael/Budenzauber, das auch einen Teil der Kosten übernimmt.

Manche Mütter hätten so geringe Deutschkenntnisse, dass sie nicht in der Lage seien einen Informationszettel aus dem Kindergarten zu verstehen, weiß Gisela Urbas, Leiterin des Familienzentrums St. Michael. Gespräche über den Nachwuchs seien in solchen Fällen nur dann möglich, wenn andere Eltern, die zufällig in der Nähe seien, als Übersetzer fungierten.

Mit dem Kursangebot hofft Urbas nun, dass die Mütter mit gutem Beispiel voran gehen, damit auch deren Kinder verstehen, dass es wichtig ist, deutsch zu lernen.

Viele Jungen und Mädchen, deren Eltern einen Migrationshintergrund hätten, kämen in den Kindergarten, ohne sich mit den Spielkameraden verständigen zu können“, sagt Urbas. Und Breil fügt hinzu, dass das Erlernen der Muttersprache für viele Zuwandererfamilien eine höhere Priorität genieße, als das Erlernen der deutschen Sprache.

In den Kindergärten der Stadt hat die Leiterin des Familienzentrums St. Michael für den Kursus geworben. Auch für eine Kinderbetreuung während der Unterrichtsstunden ist gesorgt.

Die Frauen aus Polen, dem Kosovo und der Türkei haben sehr unterschiedliche Sprachkenntnisse. Jale Keskin (33) stammt gebürtig aus der Türkei und lebt seit zehn Jahren in Werdohl. Schon vor einiger Zeit habe sie an einem Integrationskursus teilgenommen, doch das Gelernte habe sie wieder vergessen, weil sie in ihrem Umfeld fast ausschließlich türkisch spreche.

Von diesem Problem weiß auch Lehrerin Hacer Breil zu berichten. „Wenn die Frauen einen Kursus besuchen, seien sie oft sehr fleißig und engagiert, aber anschließend fehle ihnen die alltägliche Praxis, weil zu Hause ausschließlich die Sprache des Herkunftslandes gesprochen werde“, sagt sie.

Wochentage, Monatsnamen und die Alltagsverständigung stehen auf dem Stundenplan der Frauen, die zum Teil nur rudimentäre Kenntnisse der deutschen Sprache haben.

Doch das soll sich für sie nun ändern, den die Möglichkeit der Verständigung – beispielsweise mit den Erzieherinnen – in der neuen Heimat Werdohl sei wichtig, um auf eigenen Beinen stehen zu können, sind sich die Frauen einig.

Katharina Kurz, lebt seit 17 Jahren in Deutschland. Probleme, sich zu verständigen, hat sie nicht. „Mit dem Gebrauch der verschiedenen Vergangenheitsformen habe ich immer noch Probleme“, erklärt sie. Ein Vorbild für ihren Sohn wolle sie sein. Wenn er sieht, dass auch die Mama sich stetig bemühe, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, würde ihn das zusätzlich motivieren, weiter zu lernen. ▪ ute

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