Nur intensive Kontrolle bringt erwünschten Erfolg

Das „Netzwerk Geschwindigkeit“ hat derzeit zwölf Strecken im Märkischen Kreis im Visier, die als besonders unfallträchtig gelten. Dort wird, wie diese Woche am Höhenweg, verstärkt geblitzt.

WERDOHL ▪ Blitzaktionen der Polizei wundern den Autofahrer an sich nicht besonders. Wenn allerdings eine komplette Woche lang an derselben Stelle die Geschwindigkeit kontrolliert wird, wie in dieser Woche auf der L 655 in Richtung Werdohl, überrascht das die Autofahrer schon eher.

Seit Anfang dieser Woche überprüfen Polizeibeamte aus dem Kreisgebiet die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer am Höhenweg mit einer mobilen Messstation. „Durchschnittlich drei Beamte sind an der Fichtenstraße in den Morgenstunden, am Tag und bis in den Abend hinein im Einsatz und sanktionieren die Geschwindigkeitsüberschreitungen“, erklärt Thomas Voit, Leiter der Polizeiwache Werdohl. Noch bis einschließlich Sonntag wird dort geblitzt.

Diese Maßnahme ist eine Aktion des „Netzwerkes Geschwindigkeit“, zu dem sich 2010 Vertreter der Kreisverwaltung, die Städte und Gemeinden und die Polizei des Märkischen Kreises zusammen geschlossen haben.

Den Höhenweg zählt das Netzwerk zu den zwölf Gefahrenstrecken im Kreis. Besonders gefährlich seien unter anderem die Kurven am Seniorenheim Forsthaus oder am Korbflechterparkplatz. „Die Steigung am Höhenweg ist nur ein Randproblem“, sagt Dieter Bruder, Leiter der Führungsstelle Verkehrsdirektion des Märkischen Kreises. Die Beamten hätten auf der Strecke außerdem eine Zunahme der Geschwindigkeit festgestellt, seitdem die Fahrbahn saniert wurde. „Früher sind die Autofahrer wegen der schlechten Fahrbahn automatisch langsamer gefahren“, erklärt Dieter Bruder. „Die besseren Straßenverhältnisse tragen nun dazu bei, dass die Verkehrsteilnehmer intuitiv schneller fahren.“

Dem möchte die Polizei nun mit einer langfristigen Maßnahme entgegenwirken. Denn die tagelange Aktion an der Fichtenstraße war nur der Auftakt. Nun soll am Höhenweg an verschiedenen Stellen über einen Zeitraum von zwölf Monaten in regelmäßigen Abständen, in etwa alle sechs bis sieben Wochen, die Geschwindigkeit überprüft werden. „Das Ziel dieser längeren Maßnahme ist es, an der Einstellung der Fahrer zu arbeiten“, erklärt Dieter Bruder. Denn das wirksamste Mittel gegen Raser seien wiederholte Kontrollen. Das sei auch das Ergebnis der Studie PoPKo (psychologisch optimierte polizeiliche Kontrollstrategie) der Universität Köln. „Nur wenn immer wieder an den gleichen Stellen intensiv kontrolliert wird, ist die Wahrscheinlichkeit groß, langfristig das Verhalten der Verkehrsteilnehmer zu ändern“, erklärt Dieter Bruder.

Bruder betont, dass es der Polizei nicht darum gehe, möglichst viele Fahrer zur Kasse zu bitten. „Für einen umfassenden Lerneffekt des Verkehrsteilnehmers sind die Bußgelder aber notwendig“, erklärt Bruder. Das erklärte Ziel seien weniger Tote im Straßenverkehr. „Wenn die Geschwindigkeit in urbanen Gebieten nur um zwei Stundenkilometer reduziert würde, zeigen verkehrswissenschaftliche Studien, dass von zehn betroffenen Verkehrsteilnehmern nicht mehr acht sterben müssten, sondern nur zwei“, sagt Bruder. Selbstverständlich sei auch diese Zahl noch zu hoch, doch die Vorstellung, alle Unfälle verhindern zu wollen, sei utopisch. „Wir können nicht das Verhalten aller Autofahrer ändern – uns geht es aber um Nuancen. Und auch Nuancen lohnen sich in diesem Fall schon“, sagt Bruder. ▪ aka

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