Gefährlicher Rausch

Hortensien werden momentan aus den Gärten geklaut. Denn sie haben eine berauschende Wirkung.

WERDOHL ▪ Da staunte Adolf Knauer nicht schlecht, als er am Donnerstagmorgen in seinem Garten stand. „Drei Hortensienstauden wurden über Nacht abgeschnitten“, erzählt der Werdohler. Doch nicht nur er war von dem Pflanzendiebstahl betroffen. Auch in der Esmecke waren Diebe am Werk. Aus den Nachbarstädten ist das Thema längst bekannt. Denn die Triebe der Hortensie haben berauschende Wirkungen. Experten warnen jedoch vor Gefahren. Die Stängel enthalten lebensgefährliche Blausäure.

„Das Thema ist immer ‘mal wieder aktuell. Bei den Drogen kann man Wellenbewegungen erkennen. Derzeit ist die Hortensie als Rauschmittel wieder modern“, berichtet Stefan Tertel, Geschäftsführer der Anonymen Drogenberatung (Drobs). So sei der Diebstahl von Hortensien schon seit Jahren bekannt. Gerade Jugendliche, die keinen Zugang zur Drogenszene hätten und „einfach mal einen Rausch erleben“ wollten, seien auf die Pflanze aufmerksam geworden. Wie Tertel erklärt, handelt es sich um einen durch Gift freigesetzten Rausch. Man unterscheide zwischen unmittelbar berauschenden Mitteln wie Kokain und durch Gift ausgelöste Rauschmittel, zu denen auch Alkohol gehört. „Der Rausch entsteht bei den Hortensien durch die Vergiftungserscheinungen.“ Daher sei das Rauchen oder Trinken von Hortensien auch lebensgefährlich. Zwischen Rausch und Tod liege daher nur ein schmaler Grat. „Das zu konsumieren ist hochgradig leichtsinnig“, warnt Tertel.

Auch der Polizei ist das Thema bekannt. Problematisch: Die Hortensie fällt nicht unter das Betäubungsmittel-Gesetz. Dennoch hat das Plündern strafrechtliche Konsequenzen: Sachbeschädigung und Diebstahl sind strafbar. Jedoch würden auch Triebe zur Nachzucht geklaut.

Lydia Machelett

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