Gedenktafeln vom Friedhof gestohlen

Hans-Wilhelm Sauer zeigt auf die Stelle, wo bis vor Kurzem noch die Tafel hing, die an den Ersten Weltkrieg erinnerte. Dass sie nun ebenso gestohlen wurde wie die andere, kann er gar nicht fassen. Empört fragt er sich: „Wer macht denn sowas?“ - Foto: Koll

Werdohl - „Das ist eine Sauerei“, empört sich Hans-Wilhelm Sauer. Der SGV-Wegewart hat am Mittwoch gegen 11 Uhr entdeckt, dass die beiden Schrifttafeln vom Gedenkstein auf dem evangelischen Friedhof Dresel verschwunden sind.

Der Gedenkstein stand ursprünglich auf dem Hof der ehemaligen Schule in Wilhelmsthal. Dort wurde er 1935 errichtet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er umgesetzt zum Waldfriedhof Biesenberg, wo er noch heute steht.

Bei den Schrifttafeln handelt es sich um Names-Auflistungen mit den Gefallenen der beiden Weltkriege. Die kleinere mit den Verstorbenen des Ersten Weltkrieges (1914-18) nannte 16 Personen. 30 Namen standen auf der größeren Tafel, die die im Zweiten Weltkrieg (1939-45) verstorbenen Männer enthielt.

Die Tafel zum Ersten Weltkrieg hang auf der rechten Seite des Gedenksteins. Die andere – fast so hoch wie der Gedenkstein selbst – war auf der linken Flanke platziert. Beide Tafeln waren, so schätzt Sauer, „etwa vier, fünf Millimeter dick und mit jeweils sechs Schrauben befestigt. Einfach abschrauben konnten die Diebe die aber nicht“, ist sich Wegewart Sauer sicher. „Die waren mit Spritzpistolen nämlich extra noch einmal verklebt worden“, erläutert er und zeigt auf die Rückstände des Klebestoffes. „Die müssen richtig Gewalt angewendet haben.“

Die Denkmals-Inschrift lautet: „Wir mahnen die Welt“. Diese Buchstaben sind zurück geblieben. Im Gegensatz zu den beiden Schrifttafeln sind sie nämlich nicht aus Kupfer – und somit für Schrotthändler weniger attraktiv.

Das Kupfer werde nun vermutlich einfach eingeschmolzen. Mit den eingefrästen Namen sind die beiden Schrifttafeln ansonsten sicher nicht weiter zu verkaufen. Sauer war gestern Morgen bei der Polizei und hat den Diebstahl angezeigt. „Dort haben sie mir gesagt, dass die alles aus Kupfer klauen, sogar Dachrinnen.“

Die Friedhofs-Diebe können, so vermutet Sauer, „wohl nur nachts hier gewesen sein. Am Tage sind hier immer Leute, ob am Grab ihrer Angehörigen oder Jäger, die von hier aus in den Wald ziehen“. Es könne zwar auch ein Einzeltäter gewesen sein, gesteht der SGVler, aber so recht daran glauben will er nicht, zudem die beiden Tafeln „ja auch etliche Kilos wiegen“.

Die Polizei hat Sauer nun nicht viel Hoffnung gemacht. „Die sagten, die Erfolgsaussichten, dass sie die Diebe packen, sind gering, aber sie würden das jetzt mal aufnehmen.“ Immerhin könnten die Täter auch längst über alle Berge sein, schließlich war der SGV-Wegewart gut vier Wochen nicht am Gedenkstein.

Auch das Schwert vor dem Denkmal ist aus Eisen. Sauer berichtet: „Das Original war auch aus Kupfer. Aber das ist vor bestimmt 15 Jahren schon gestohlen worden.“ Sauer, seit mehr als 50 Jahren SGV-Wegewart, pflegt und beaufsichtigt den Gedenkstein seit vielen Jahren. Im Sommer 1993 übernahm der SGV diese Aufgabe. Die Wanderfreunde entfernten Büsche, pflanzten Rhododendren sowie Heidekraut und reinigten die jetzt entwendeten Schrifttafeln.

Ursprünglich hatte sich der Verband der Heimkehrer um das Denkmal gekümmert. Als dieser dazu – mangels aktiver Mitglieder – nicht mehr in der Lage war, sprang der SGV ein. Da die Abteilung Dresel des Sauerländer Gebirgsvereins aber auch nur noch knapp 40 Mitglieder zählt, die laut Sauer „in aller Welt verstreut wohnen“, ist die Zukunft der Gedenkstein-Pflege aktuell ungewiss.

Von Michael Koll

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