Gerhardi in Dresel

Firma in Werdohl im Würgegriff der Gesetze

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SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag im Gespräch mit Gerhardi-Managing-Director Reinhard Hoffmann (links) und dem Handelsbevollmächtigten Oliver Kortenjann.

Werdohl - „Wir wollen den Politikern unsere Probleme erklären“, begründet Reinhard Hoffmann, Managing Director des Galvanik-Unternehmens Gerhardi, warum er SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag eingeladen hatte. „Ziel ist, gemeinsam etwas zu tun, um die Attraktivität des Standortes Deutschland zu steigern.“

Die Firma Gerhardi wurde 1796 in Lüdenscheid gegründet. Nach kontinuierlichem Wachstum wurde 2016 der Spatenstich für das erste internationale Werk vorgenommen – in Montgomery, Alabama, in den USA. „Das Genehmigungsverfahren dauerte vier Monate“, verriet Hoffmann. „Das jüngste Genehmigungsverfahren für Werdohl bei der Bezirksregierung in Arnsberg nahm anderthalb Jahre in Anspruch“, stellte der Gerhardi-Handlungsbevollmächtigte Oliver Kortenjann dem gegenüber.

Gesetzliche Regelungen und auch deren Umsetzung, klagt Hoffmann weiter, seien von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Und die Abgeordnete Freitag weiß: „Ohne unseren starken Mittelstand sind wir in Südwestfalen schlicht verloren.“

Der Managing Director unterstreicht: „Wir werden permanent mit neuen Verboten konfrontiert.“ Längst seien einige Gerhardi-Mitarbeiter ausschließlich damit beschäftigt, darauf zu achten, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten würden.

Hoffmann erläutert: Der Chrom-6-Prozess zum Verchromen von Bauteilen sei grundsätzlich europaweit ab 21. September verboten. Nach einer Vorarbeit, die 2012 bereits begonnen habe, sei nun von der European Chemicals Agency die Weiternutzung von Chrom 6 für weitere zwölf Jahre empfohlen. Die endgültige Entscheidung der EU- Kommission steht noch aus.

Worauf bei der Qualitätskontrolle zu achten ist, erklärten die Gerhardi-Mitarbeiterinnen der beeindruckten Bundestagsabgeordneten ganz genau.

Hoffmann verdeutlicht: „Natürlich gibt es Alternativtechniken, aber der Kunde will genau diese. Andernfalls kauft er außerhalb Europas.“ Er unterstrich: „Die Konkurrenz mittelständischer Unternehmen ist international. Wir produzieren lokal und stehen im weltweiten Wettbewerb.“ Außerdem bräuchte man bei der Chrom-6-Alternative statt einem Elektrolyt-Bad „etwa vier oder fünf“ und somit mehr Platz.

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz führe für Gerhardi laut Hoffmann zu jährlichen Ausgaben in Höhe von zwei Millionen Euro. Er sagte: „Wir müssen die Energiewende schaffen.“ Doch er konkretisierte: „Elektromobilität ist doch nur eine Übergangstechnologie, keine Lösung. Wir müssen mehr nachdenken und dann gezielter handeln.“ Die Politikerin stimmte zu, „dass die Energiewende ein schleichender Prozess sein muss“.

Hoffmann klagte: „Wir dürfen dieses Land nicht deindustrialisieren. Unternehmen muss es Spaß machen, zu investieren – sonst tun sie es nicht mehr.“

Ein Riesenproblem sei auch das langsame Internet in Dresel, ergänzte Gerhardi-Geschäftsleiter Thomas Wittfeld. Freitag weiß darum: „Da muss ganz dringend etwas passieren. Das stärkt nicht nur unsere Wettbewerbsfähigkeit, sondern auch unser persönliches Wohlempfinden.“

Die Firma Gerhardi hat in Werdohl derzeit etwa 180 Mitarbeiter. Hoffmann erklärte: „Wir suchen händeringend Auszubildende zum Mechatroniker sowie Elektrotechniker. Aber die Zahl der Bewerbungen ist sehr überschaubar.“

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