Gärtner stahl offenbar 600 Euro aus der Jackentasche

WERDOHL - Bis zuletzt war am Dienstag im Amtsgericht Altena strittig, ob ein 58-jähriger Lüdenscheider in einem Privathaushalt 600 Euro aus der Jackentasche seines Auftraggebers gestohlen hatte. Richter Dirk Reckschmidt war jedoch überzeugt, dass sich die Geschichte am 10. Oktober so zugetragen hatte. Mit 60 Tagessätzen zu je 35 Euro muss der Angeklagte seinen Diebstahl büßen, wenn er nicht in Berufung geht.

Der Landschaftsgärtner hatte den Auftrag, einen verwilderten Garten in Werdohl auszukämmen. Er beseitigte eine Hecke, schnitt Bäume und Sträucher zurück. Wegen der Menge des Grünabfalls musste ein Container geordert werden. Als dieser ein paar Tage später, am 10. Oktober, geliefert wurde, kam auch der Angeklagte erneut zu seinen Auftraggebern, um ihn mit dem Schnittgut zu befüllen. An diesem Tag verschwand aber nicht nur der Grünabfall, sondern auch ein Betrag von 600 Euro, den der 65-jährige Lebensgefährte der Hauptgeschädigten in seine Jackentasche gesteckt hatte.

„Ich war nie allein im Haus. Es war immer jemand dabei“, versicherte der Angeklagte. Und er lieferte ein Argument, warum er sich an fremdem Eigentum nicht hätte vergreifen müssen: „Ich habe Geld für die Arbeiten bekommen. Warum hätte ich denn noch Geld wegnehmen sollen?“

Die 62-jährige Geschädigte, die von dem Geld einen Zaun hatte kaufen wollen, war über den Verlust „sehr ärgerlich“. Sie versuchte aber zunächst die Angelegenheit bei einem persönlichen Besuch bei dem mutmaßlichen Dieb zu regeln. Seine Reaktion habe den Diebstahl bestätigt, berichtete die Zeugin. Er habe nämlich vorgetragen, dass er seine Autoversicherung und seine Miete von der Beute bezahlt habe. „Ich habe das Geld ausgegeben. Ich habe es nicht mehr“, soll er dreist geantwortet haben.

Der 65-jährige Zeuge berichtete, wie ihm seine Lebensgefährtin das Geld morgens übergeben hatte. Er bestritt den Gärtner permanent begleitet zu haben. „Als das Geld weg war, war mir sofort klar, dass der Angeklagte das an sich genommen haben musste.“

Amtsanwältin und Richter Dirk Reckschmidt waren schließlich überzeugt, dass der 58-Jährige das Geld gestohlen hatte. Nur der Verteidiger und der Angeklagte stritten noch für einen Freispruch: „Ich habe das Geld nicht genommen. Ich bin gut bezahlt worden. Warum sollte ich das Geld nehmen?“

Doch es gab eine merkwürdige Bemerkung im Schlusswort des Angeklagten, das zu den angeblich von dem Geld bezahlten Rechnungen passte: „Wovon soll ich das alles bezahlen?“ Gestohlenes Geld darf keine Lösung sein, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest und fasste das Ergebnis der Beweisaufnahme zusammen: „Er war an dem Tag der Einzige, der Gelegenheit hatte, das Geld zu entwenden. Es gibt keinen vernünftigen Zweifel an der Schuld des Angeklagten.“

Von Thomas Krumm

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