Fußballer pflegen Städtepartnerschaft

Vor dem Anstoß war der Wanderpokal noch ohne Besitzer. Am Ende gewannen die Versetaler.

WERDOHL ▪ „Man darf Menschen erst beurteilen, wenn man sie kennen gelernt hat“, meint Willi Eick. Seit 16 Jahren hat der ehemalige 1. Vorsitzende vom TuS Versetal gute Beziehungen nach Polen, konkret in die oberschlesische Stadt Gogolin. Und er kämpft engagiert gegen Vorurteile gegenüber dem Nachbarland. Von Michael Koll

1995, damals war Eick noch im Amt, wollten er und die Fußballer nach Mallorca reisen. Als die Tour-Buchung nicht zustande kam, hatte Mit-Kicker Achim Baumann die rettende Idee. Dieser schlug vor, stattdessen in seine Heimat, nach Gogolin, zu fahren.

Eick und Baumann kundschafteten den Ort aus, sprachen mit dem Bürgermeister sowie einer polnischen Fußballmannschaft. Ein Jahr später setzten sich 42 Versetaler in den Zug. 18 Stunden dauerte die Fahrt, rund 1000 Kilometer waren zurück zu legen.

Der Ausflug war ein voller Erfolg. Freundschaften bildeten sich. Erich Kluge, einer der Polen, schaut, wann immer er beruflich in Deutschland unterwegs ist, im Sauerland vorbei. Die anderen sehen sich mindestens einmal im Jahr – immer im Wechsel; mal in Werdohl, mal in Gogolin.

Von Donnerstag bis Samstag waren die polnischen Kicker wieder im Versetal. 16 Fußballer aus Gogolin übernachteten in der Turnhalle in Eveking. Und zum Abschluss stand – wie jedes Mal – ein Spiel gegen die Alten Herren des TuS Versetal auf dem Plan. Es ging schließlich darum, den Wanderpokal auszuspielen.

Verständnisprobleme kennen die Freunde mit verschiedenen Nationalitäten nicht. Eick erklärt: „Die älteren Polen können alle noch Deutsch. Und die jüngeren lernen es auch wieder in der Schule. Das ist für die eine Fremdsprache wie für unsere Kinder Englisch.“

Heute fahren beide Seiten bei den Besuchen aber nicht mehr mit dem Zug, sondern mit dem Bus. Wenn die Polen, wie in der vergangenen Woche, ins Sauerland reisen, stellt die Stadt Gogolin zwei Kleinbusse. „Zehn bis zwölf Stunden“, so Eick, „dauert die Fahrt dennoch.“

Doch ein Erlebnis, wie bei seiner ersten Fahrt, bleibt den Touristen erspart, wenn sie nicht mit dem Zug unterwegs sind. „Als wir das erste Mal aus Gogolin zurückfuhren, wurde unser Zug irgendwo in Ostdeutschland angehalten.“ Zöllner durchsuchten das Abteil der Versetaler. „Und irgendeine Zigaretten-Mafia hatte hinter sämtlichen Verkleidungen Hunderte Stangen versteckt.“ Doch schließlich durften die Werdohler weiter reisen.

Dieses Mal gab es eine Besonderheit beim Besuch aus Polen: Alle 14 waren nicht nur Fußballer, sondern auch noch sämtlichst Feuerwehrleute. Beim Besuch des Löschzuges in Eveking kriegten sie leuchtende Augen und spitzten die Ohren. Der sauerländische Löschzug will einen alten Feuerwehrwagen aussortieren. In Polen wäre das Gefährt aber noch Gold wert. „Und jetzt“, weiß Eick, „wollen sie den Wagen kaufen.“

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