Fundkatzen bringen Verein an seine Grenzen

WERDOHL ▪ Putzmunter tollen die vier Wochen alten Katzenkinder in der Auffangstation des Tierschutzvereins Werdohl/Neuenrade umher, während die schwarze Katzenmutter Merle ihren quirligen Nachwuchs nicht aus den Augen lässt.

Von Jana Peuckert

Immer wieder nehmen Vereinsmitglieder Anrufe von Bürgern entgegen, die ausgesetzte Katzen melden. Derzeit sind 17 Tiere in der Auffangstation und in den Pflegestellen untergebracht. Der damit einhergehende Arbeitsaufwand kann kaum bewältigt werden, weshalb der Verein nun ehrenamtliche Helfer sucht. „Es geht darum, die Katzen in der Station morgens und abends zu füttern sowie die Toiletten und die Unterbringungen der Tiere zu reinigen“, erklärt Vereinsmitglied Marlies Ruth. Insbesondere während der Urlaubszeit sei es schwer, jeden Tag abzudecken.

Und so sei der Verein auf Freiwillige angewiesen, die ihre Zeit gerne mit Katzen verbringen. So wie Christian Klepatz und Elmar Jazdzewski. Die beiden Tierfreunde kümmern sich erst seit Kurzem um die ausgesetzten Samtpfötchen. „Ich hatte 16 Jahre lang selbst eine Katze. Die ist aber jetzt verstorben. Ich bin Rentner und zuhause fällt mir die Decke auf den Kopf“, erläutert Jazdzewski. Wann immer er zur Station gehe, bringe er etwas Futter für die Tiere mit.

Auch für Christian Klepatz ist die Pflege der Katzen eine Herzensangelegenheit. Gemeinsam mit seiner Ehefrau hat er sich als freiwilliger Helfer beim Tierschutzverein gemeldet. Jetzt kümmert sich das Paar unter anderem um die achtjährige Schatzi. Die überwiegend weiße Katze erinnert an einen übergroßen Wattebausch. „Wer die nimmt, zieht das ganz große Los. Sie ist einfach nur lieb und verschmust“, beschreibt Ruth das Wesen des Tieres, welches Freilauf braucht und alleine gehalten werden sollte.

Im Zimmer nebenan rollt die pechschwarze, knapp zwei Jahre alte Mona schnurrend über den Boden. Auch sie ist auf der Suche nach einer neuen Familie, ebenso wie ein roter, etwa vier Jahre alter Kater, der aufgrund familiärer Probleme aus seinem ursprünglichen Umfeld herausgenommen werden musste. Das Tier ist eine reine Wohnungskatze.

„Es werden immer mehr Katzen, die zu uns kommen“, muss Vereinsmitglied Jutta Schlotmann zugeben. Ein großes Problem sieht sie darin, dass nicht alle Katzen kastriert sind: „Ich finde eine Zwangskastration sehr sinnvoll.“ Aus diesem Grund gibt es bei Katzen vom Tierschutzverein einen Vertrag, durch den sich jeder, der ein Tier mit nach Hause nimmt verpflichtet, dieses auch kastrieren zu lassen. „Wir bleiben da am Ball und achten darauf, dass der Vertrag auch eingehalten wird“, erzählt Schlotmann. Eine Kastration sei nicht nur nötig, um einer unkontrollierten Vermehrung der Tiere entgegenzuwirken. „Wenn eine Katze nicht kastriert wird und in der Wohnung lebt, ist das eine psychische Belastung für das Tier. Es kann sogar depressiv und unsauber werden“, weiß Schlotmann. „Es ist eine wahre Tierquälerei“, ergänzt Ruth.

Das Thema Kastration wird derzeit auch in Neuenrade diskutiert. Vor vier Wochen stellten SPD und Grüne einen Antrag, wonach Katzenhalter ihre Tiere kastrieren und mittels Mikrochip oder Tätowierung registrieren lassen sollen. Die Stadt Neuenrade sieht Probleme bei der Umsetzung der Forderung, da nicht gewährleistet werden könne, dass wirklich alle Katzen erfassen würden. Die Verwaltung will die Problematik nun in internen Gesprächen beraten und der Politik im Sommer eventuell eine Vorlage zur Entscheidung präsentieren.

Um die Katzen versorgen zu können, benötigt der Tierschutzverein ständig finanzielle Unterstützung. Neben den Jahresbeiträgen, deren Höhe die Mitglieder selbst festlegen können, finanziert sich der Verein hauptsächlich durch Spenden.

Wer in der Station helfen möchte oder eine Pflegestelle anbieten kann, kann sich unter Tel. 02392/10 027 oder 23 92/60 147 melden. Zudem gibt es ein Spendenkonto bei den Vereinten Sparkassen. Kontonummer: 700 316 95, Bankleitzahl: 458 510 20.

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