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Für Urlaubsreise und Arbeitsweg: Das bringt das Neun-Euro-Ticket für Werdohl

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Von: Volker Griese

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Das 9-EuroTicket gibt es auch am Automaten des Werdohler Bahnhof.
Das 9-EuroTicket gibt es auch am Automaten des Werdohler Bahnhof. © Griese, Volker

Ab Juni gilt das Neun-Euro-Ticket, mit dem bundesweit Fahrten im Nahverkehr möglich sind. Viele Menschen wollen das günstige Ticket für Reisen, Kurztrips oder den Weg zur Arbeit nutzen. Funktioniert das?

Werdohl/Neuenrade/Balve – Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und anhand verschiedener Online-Fahrpläne versucht herauszufinden, welche Fahrten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln möglich sind.

Alle Verbindungen haben wir für den fiktiven Reisetag 1. Juni herausgesucht, und wir haben uns jeweils für die schnellste, gegebenenfalls auch die frühestmögliche Verbindung entschieden. Zu den Fahrpreisen muss man wissen, dass sich die regulären Preise für Bahntickets im Laufe der Zeit ändern können, weil sie die Deutsche Bahn je nach Auslastung der Züge und nach zeitlichem Abstand zum Reistermin anpasst.

Werdohl – München

Zuerst versuchen wir, nur mit Nahverkehrszügen von Werdohl nach München zu gelangen. Mit der schnellsten Verbindung sind wir planmäßig acht Stunden und fünf Minuten unterwegs. Los geht es um 14.49 Uhr in Werdohl, nach fünf Umstiegen in Siegen, Friedberg, Hanau, Würzburg und Nürnberg kommen wir um 22.54 in der bayerischen Landeshauptstadt an.

Zum Vergleich: Die schnellste Verbindung ohne 9-Euro-Ticket ist rund zwei Stunden kürzer. Dann besteigen wir um 11.57 in Werdohl den Intercity Richtung Frankfurt, steigen dort in den ICE Richtung München ein und sind um 18.07 Uhr am Ziel. Die Fahrt kostet 43,90 Euro.

Werdohl – Hamburg

Alternativ könnte es auch nach Hamburg gehen. Dann ist man mit dem 9-Euro-Ticket in Nahverkehrszügen mindestens sechs Stunden und 16 Minuten unterwegs, muss aber nur drei Mal umsteigen. Zu diesen Rahmenbedingungen gibt es sogar mehrmals täglich Fahrten ab Werdohl. Wir entscheiden uns für die früheste Möglichkeit: Um 7.10 Uhr fährt der Regionalexpress in Richtung Essen ab, wo wir zum ersten Mal umsteigen müssen. Weitere Umstiege sind in Osnabrück und Bremen erforderlich, um planmäßig um 13.26 Uhr Hamburg zu erreichen.

Mit dem Intercity ist man in drei Stunden und 45 Minuten am Ziel. Dazu steigen wir um 10.04 Uhr in den Zug, steigen in Münster einmal um und erreichen Hamburg um 13.49 Uhr. Man ist also kaum später am Ziel, muss aber morgens nicht so früh aufstehen. Allerdings kostet dieser Zeitgewinn gut 20 Euro, denn das reguläre Ticket für diese schnelle Verbindung lässt sich die Deutsche Bahn mit 29,90 Euro bezahlen.

Werdohl – Berlin

Oder soll es lieber Berlin sein? Auch das geht natürlich mit dem 9-Euro-Ticket, aber man muss Zeit mitbringen. Denn die schnellste Nahverkehrsverbindung von Werdohl in die Bundeshauptstadt dauert acht Stunden und 51 Minuten, von 7.10 Uhr bis 16.01 Uhr. Unterwegs muss man außerdem ganze sieben Mal umsteigen, in Bochum, Minden, Wunstorf, Hannover, Wolfsburg, Stendal und Rathenow – das ist wohl eher etwas für erfahrene Bahnkunden, die sich auch zu helfen wissen, wenn sie einmal einen Anschlusszug verpassen.

Die schnellste reguläre Verbindung ist mit 68,90 Euro auch deutlich teurer. Dafür muss man aber auch nur zwei Mal umsteigen: in Letmathe, wo man von der Regionalbahn in den Intercity steigt, und in Hamm, wo der ICE Richtung Hamburg wartet. Wer also kurz vor Mittag, um 11.47 Uhr, in Werdohl in den Zug steigt, kann schon um 16.14 Uhr an der Spree sein. Reisezeit: vier Stunden und 27 Minuten.

Zum Arbeitsplatz

Und wie sieht es aus, wenn man mit dem 9-Euro-Ticket zur Arbeit fahren möchte? Wer in Werdohl wohnt und morgens um 6 Uhr zur Frühschicht in Lüdenscheid antreten muss, kann das mit den Bussen der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) durchaus schaffen. Um 4.52 Uhr fährt die Linie 61 am Bahnhof in Werdohl ab, um 5.25 Uhr erreicht sie den Bahnhof in Lüdenscheid. Die Linie S2 ist sogar acht Minuten schneller, fährt um 5.28 Uhr in Werdohl ab und ist um 5.52 Uhr am Lüdenscheider Bahnhof. Der Arbeitsplatz darf dann aber nicht mehr weit entfernt sein.

Von Werdohl nach Plettenberg fahren schon morgens um 4.58 Uhr und um 5.28 Uhr Züge, die für die Fahrt in die Nachbarstadt 20 Minuten benötigen. Bis 6 Uhr könnte man also dort den Arbeitsplatz erreichen.

In den ländlichen Bereichen wird es schon schwieriger. Wir suchen eine Verbindung, um frühmorgens von Küntrop nach Werdohl zu kommen. Wer pünktlich um 6 Uhr an der Werkbank stehen möchte, kann um 5 Uhr am Küntroper Bahnhof in die MVG-Linie 60 einsteigen, erreicht in Werdohl um 5.21 Uhr die Haltestelle an der Lüdenscheider Straße und kurz darauf den Bahnhof. Mit demselben Bus kann man auch die Fahrt nach Plettenberg antreten, muss dann aber am Werdohler Bahnhof in die Linie S2 umsteigen, um um 5.48 Uhr am Plettenberger Bahnhof anzukommen.

Ganz schlecht kommt man am frühen Morgen von Affeln ans Ziel. Der erste Bus in Richtung Plettenberg (MVG-Linie 76) fährt erst um 6.14 Uhr, ist aber immerhin schon 15 Minuten später am zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Plettenberg. Nach Neuenrade geht es von Affeln aus erst um 6.26 Uhr mit der Linie 267 – Ankunft am Neuenrader Bahnhof: 6.45 Uhr. Affelner Arbeitnehmer in der Frühschicht haben also keine Chance, ihren Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.

Von Garbeck kommt man dagegen durchaus schon frühmorgens mit dem ÖPNV bis nach Neuenrade. Dort fährt um 5.26 Uhr – von nördlicher gelegenen Haltepunkten entsprechend früher – die Hönnetalbahn los und kommt schon neun Minuten später in Neuenrade an. Eine ÖPNV-Fahrt von Garbeck nach Werdohl dagegen ist komplizierter. Wer bis 6 Uhr dort am Arbeitsplatz sein muss, hat mit öffentlichen Verkehrsmitteln praktisch keine Chance. In die andere Richtung sieht es kaum besser aus: Wer bis 6 Uhr in Menden sein möchte, muss in Garbeck an der Haltestelle Schulstraße um 5.27 Uhr den Bus nehmen, damit bis zum Balver Bahnhof fahren und dort in die Bahn einsteigen. Menden erreicht man dann um 5.59 Uhr.

Fazit

Wer in die Ferne reisen möchte und lange Fahrtzeiten sowie mehrere Umstiege nicht scheut, fährt mit dem 9-Euro-Ticket durchaus preiswert. Für den Weg zur Arbeit eignet sich das neue günstige Monatsticket nicht immer. In Bereichen, in denen der ÖPNV relativ gut ausgebaut ist, beispielsweise im Lennetal, fährt man mit dem 9-Euro-Ticket noch gut – und deutlich günstiger als mit einem normalen Monatsticket, das es bei der MVG beispielsweise ab 55,30 Euro gibt. Die Chancen auf passende Verbindungen steigen, je später am Tag man losfährt. In den ländlichen Bereichen beispielsweise des Hönnetals, wo das ÖPNV-Netz deutlich löchriger ist, bietet sich das 9-Euro-Ticket dagegen kaum als Alternative zum Individualverkehr an.

9-Euro-Ticket: Weg vom Auto, hin zu öffentlichen Verkehrsmitteln


Hauptsächlich ist das 9-Euro Ticket gedacht, in Zeiten von Klimawandel und hohen Energiepreisen die Menschen im Alltag weg vom Individualverkehr mit dem Auto hin zu mehr Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu bewegen. Allerdings ist das Neun-Euro-Ticket nur im Nahverkehr gültig, also in Linienbussen, U-Bahn, S-Bahn und Straßenbahn. Auch der Regionalverkehr der Bahnunternehmen steht komplett zur Verfügung. Erhältlich ist das 9-Euro-Ticket praktisch überall, wo es Fahrkarten gibt, also auch an Ticketautomaten, in den MVG-Bussen und natürlich online bei den Verkehrsunternehmen. In Werdohl verkauft der Zeitschriftenkiosk im Edeka-Center Tank das 9-Euro-Ticket. Dort ist Felix Neumann nicht gerade glücklich über die Einführung des 9-Euro-Tickets. Denn Vorverkaufsstellen erhalten für jedes verkaufte Ticket eine Provision. „Für uns ist es natürlich ärgerlich, weil die Provision beim 9-Euro-Ticket geringer ist als bei einer Monatskarte, die 70 oder 80 Euro kostet“, sagt Neumann.

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