Arbeiten in Werdohl laufen

Für knapp 200.000 Euro: Land saniert Tennisanlage

Alle fünf Plätze des Tennisclubs Werdohl in Ütterlingsen sind von der roten Asche befreit, der neue Belag wird erst im Frühjahr aufgebracht. Vorsitzender Carsten Hoffmann ist froh und dankbar, dass der Verein mithilfe der Fördermittel die ganze Anlage sanieren kann.
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Alle fünf Plätze des Tennisclubs Werdohl in Ütterlingsen sind von der roten Asche befreit, der neue Belag wird erst im Frühjahr aufgebracht. Vorsitzender Carsten Hoffmann ist froh und dankbar, dass der Verein mithilfe der Fördermittel die ganze Anlage sanieren kann.

Der Tennisclub Werdohl hat 194 000 Euro für die Sanierung des Clubheims und der Plätze aus dem Förderprogramm „Moderne Sportstätte 2022“ erhalten. Die Arbeiten sind in diesen Tagen begonnen worden, fertig sein soll alles im Frühjahr kommenden Jahres.

Diese großzügige Förderung hat der Verein mit seinen 224 Mitgliedern hauptsächlich deshalb erhalten, weil es aus Werdohl kaum andere Bewerbungen um die Mittel gab. So war der Tennisclub in der glücklichen Lage, den allergrößten Teil der Mittel abschöpfen zu können. In der ersten Zusage war von 100 000 Euro die Rede, am Ende war es fast doppelt so viel.

Das Förderprogramm des Landes richtet sich ausschließlich an Vereine mit eigenen Anlagen in Privatbesitz. Die Kommunen sind bewusst außen vor gelassen worden. Die Antragsvorschläge und die Mittelverteilung innerhalb der Stadt sind durch den Stadtsportverband geregelt worden.

Grundlegende Sanierung auch unter energetischen Aaspekten

Vorsitzender Carsten Hoffmann und sein Stellvertreter Jannis Ormeloh sind jedenfalls froh, dass die in den späten 1970er-Jahren errichtete Anlage grundlegend saniert werden kann. Dass dabei auch energetische Aspekte eine Rolle spielen, versteht sich von selbst.

TC Werdohl: Der große Raum im Gebäude ist das eigentliche Clubheim. Der Kaminofen wird herausgerissen, die Nachtspeicherheizung auch, ein moderner Pelletofen kommt hinein.

Im Gebäude werden die Damen- und die Herren-Umkleiden sowie Duschen und Toiletten erneuert. Der große Raum – das eigentliche Clubheim – bekommt einen neuen Fußbodenbelag und einen Pellet-Ofen. Der alte Kaminofen und die Nachtspeicherheizung fliegen raus.

Neuer Belag für alle fünf Plätze

Dazu werden alle fünf Plätze mit neuem Belag versehen. Aus den Fördermitteln wird auch eine neue Zaunanlage um die Plätze errichtet. Vereinsmitglieder hatten in Eigenarbeit die alten Zäune abgerissen. Die Arbeiten sind vom Verein frei an Handwerker vergeben worden. Maler Maus, Elektro Meschede und Sanitär Michel leisten die Sanierung im Inneren, die Plätze werden vom langjährigen Platzbauer Kießling aus Dortmund übernommen. Carsten Hoffmann betont, dass mit der Sanierung kein zusätzlicher Luxus in Ütterlingsen einziehe: „Das sind allesamt Arbeiten, die unbedingt nötig sind.“ Ohne den Geldsegen des Landes sei dem kleinen Verein das nur schwerlich möglich gewesen.

Gründung als Betriebsport-Sparte von VDM

Der Club wurde vor 50 Jahren unter dem Namen VDM Tennisclub als Betriebssport-Sparte gegründet und ging 1972 im Tennisclub Werdohl auf. Wer sich Ende der 1960er-Jahre in Werdohl für den Weißen Sport interessierte, der musste sich mit außergewöhnlichen Umständen arrangieren.

Die einzige Chance auf Tennis bot ein Platz auf dem Gelände von VDM. Manch einer erinnert sich noch an diese Anfänge: Wenn mal ein Ball auf einer Werkshalle landete, musste erheblicher Mut aufgebracht werden, um das Spielgerät über eine Leiter zu bergen.

Die Geselligkeit war auch die Keimzelle des Tennisclubs Werdohl. Abends nach den Spielen verbrachten die Sportler gerne ein paar Stunden im Kreis der Gleichgesinnten. An einem dieser Abende keimte wohl auch die Idee, einen Verein zu gründen.

1972 wurde der Boden für die ersten Plätze in Ütterlingsen bereitet. Der Untergrund erwies sich als wenig tragfähig, Steine aus Kleinhammer wurden in der Erde verbaut.

1973 wurde der Spielbetrieb aufgenommen, als Vereinsheim diente ein geschenkter Bauwagen, später kam ein zweiter hinzu. Trinkwasser zapfte der Verein in der Nachbarschaft an, Strom und die Nutzung von Toilettenanlagen stellten die benachbarten Sterngolfer zur Verfügung. Die Plätze wurden mit Lennewasser durch eine kleine Pumpe besprüht.

Das Clubheim in der heutigen Form entstand aus Vereins- und Spendenmitteln Ende der 1970er-Jahre.

Die Abwicklung der Fördermittel hat Jannis Ormeloh übernommen. Etwa 80 Prozent der Mittel seien ausbezahlt worden, den Rest erwartet der Verein nach Vorlage der Schlussrechnungen. Auf der Baustelle wird gerade nicht jeden Tag gearbeitet, so Ormeloh. Die Handwerker hätten keinen Zeitdruck, erst im Frühjahr, spätestens Anfang April, müsse alles betriebsbereit sein.

Verein hat seit Jahren ein Nachwuchs-Problem

Der Verein hat schon seit Jahren ein Nachwuchs-Problem. Die Spieler und Spielerinnen aus der Zeit des Becker-Booms sind in die Jahre gekommen. Jugendliche finden kaum den Weg zum Weißen Sport, stattdessen ist Tennis ein Sport für Quereinsteiger aus anderen Sportarten geworden – zum Beispiel von Hand- und Fußballern. Wem die Zweikämpfe beim Ballsport zuviel sind, powert sich beim Tennis aus.

Tonnen von gebrauchter roter Asche lagerten vor dem Clubheim, ein Teil wurde auf den daneben liegenden Bolzplatz der Stadt aufgebracht.

Im März 2019 sagte Vorsitzender Carsten Hoffmann bei der letzten Präsenz-Jahreshauptversammlung des Vereins: „Wir haben es nicht gerade leicht, Nachwuchs zu finden und diesen auch zu halten.“ Damals waren nur 28 Kinder unter den insgesamt 241 Mitgliedern. Nicht nur wegen Corona ist der Mitgliederbestand seitdem nochmal auf 224 gesunken. Zu Becker-Boom-Zeiten waren es 330 Mitglieder, der Höchststand der vergangenen Jahre lag bei 260, so Ormeloh. Das Gebäude gehört dem Verein, das Grundstück wird per Erbpacht überlassen.

Tennis in Werdohl ein reiner Hobby-Sport

Tennis ist in Werdohl ein reiner Hobby-Sommersport. Es gibt keine Halle, aufgeschlagen werden kann nur in Neuenrade oder Lüdenscheid. Ob sich der Club von der fast ganzjährigen Corona-Zwangspause erholen wird, steht in den Sternen. Carsten Hoffmann ist skeptisch: „Manch einer wird sich im nächsten Jahr fragen, ob er überhaupt noch Tennis braucht.“

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